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Finanzplanung

Generationenvermögen
Familienvermögen über Generationen erhalten

70 % des Familienvermögens gehen bis zur dritten Generation verloren. Die drei Säulen des Vermögenserhalts, typische Fehler und die Strukturen, die es schaffen.

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
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Finanzplanung

70% des Familienvermögens geht bis zur dritten Generation verloren. Das ist keine Meinung – das ist Statistik. Die Williams Group hat 3.250 wohlhabende Familien untersucht. Das Ergebnis: Nur 30% schaffen den Vermögenserhalt über drei Generationen.

"Die erste Generation baut auf, die zweite verwaltet, die dritte verbraucht." Dieses Sprichwort existiert in fast jeder Kultur – weil es universell zutrifft.

70%verloren bis zur 3. Generation
3.250untersuchte Familien (Williams Group)
30%schaffen den Erhalt

Ein Familienunternehmer aus Baden-Württemberg, 67, Großvater von drei Enkeln, brachte es auf den Punkt:

Ich habe 40 Jahre gearbeitet, um dieses Vermögen aufzubauen. Wenn meine Enkel es in 10 Jahren durchbringen, war alles umsonst. Das ist meine größte Angst.

— Familienunternehmer, 67, Baden-Württemberg

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strukturen kann Familienvermögen über Generationen erhalten werden. Die 30%, die es schaffen, machen einige Dinge grundlegend anders.

Warum Vermögen selten überlebt

Der Verfall folgt einem erstaunlich stabilen Muster:

GenerationVermögen erhalten
Gründer100%
2. Generation~30%
3. Generation~10%
4. Generation~3%

Nicht weil die Erben unfähig wären – sondern weil niemand sie vorbereitet hat. Die häufigsten Ursachen:

  • Fehlende Vorbereitung der Erben – die nächste Generation wurde nie an die Verantwortung herangeführt
  • Unklare Strukturen – keine rechtlichen Regelungen, die das Vermögen ordnen und schützen
  • Konflikte innerhalb der Familie – Streit, der zu Zersplitterung führt
  • Externe Einflüsse – Scheidungen, Insolvenzen, politische Veränderungen
  • Inflation und Krisen – Geldwertverluste, die niemand ausgeglichen hat

Die drei Säulen des Generationenvermögens

1. Strukturelle Absicherung

Die rechtliche und organisatorische Struktur ist das Fundament. Die entscheidenden Konstrukte:

  • Testamente und Erbverträge – klare Regelungen für den Erbfall
  • Vollmachten – Handlungsfähigkeit auch bei Handlungsunfähigkeit
  • Familienverträge – Regeln für Entscheidungen und Konflikte
  • Gütertrennung – Schutz vor Verlusten durch Scheidungen

Eine durchdachte Struktur verhindert, dass externe Ereignisse – eine Scheidung, ein Insolvenzverfahren, ein politischer Eingriff – das Familienvermögen gefährden. Wie das im Detail funktioniert, zeigt unser Überblick zum Vermögensschutz.

2. Diversifikation über Anlageklassen und Systeme

Keine einzelne Anlageklasse ist immun gegen alle Risiken. Familienvermögen gehört auf mehrere Bausteine verteilt:

  • Immobilien für stabile Erträge
  • Sachwerte für Substanz
  • Liquide Mittel für Flexibilität
  • Beteiligungen für Wachstum

Diversifikation heißt nicht nur: mehrere Anlageklassen. Es heißt auch: mehrere Systeme. Wer alles bei deutschen Banken, in deutschen Depots und deutschen Immobilien hält, ist zu 100% von einem einzigen System abhängig.

Die Geschichte lehrt, was das bedeutet: 1923 wurden Bankguthaben durch die Hyperinflation wertlos. 1948 machte die Währungsreform aus 100 Reichsmark 6,50 D-Mark. Sachwerte überstanden beides.

ZeitraumWas passierteWas überlebte
1923 (Hyperinflation)Bankguthaben → wertlosGold, Immobilien, Land
1948 (Währungsreform)100 RM → 6,50 DMSachwerte blieben
2008 (Finanzkrise)Lehman-Anleihen → 0Gold +5,8%

3. Werte und Kommunikation

Die dritte – und am meisten unterschätzte – Säule ist immateriell. Vermögen, das die nachfolgende Generation nicht versteht oder nicht wertschätzt, ist in Gefahr.

Familien, deren Vermögen Generationen überdauert, teilen erkennbare Charakteristiken:

  • Arbeitsethos – der Wert von Leistung wird vermittelt, nicht nur das Ergebnis
  • Bescheidenheit – Wohlstand wird nicht zur Schau gestellt
  • Verantwortungsbewusstsein – Vermögen als Aufgabe, nicht als Recht
  • Zusammenhalt – die Familie steht über dem Individuum

Erfolgreiche Familien sprechen offen über Geld. Sie erklären Entscheidungen, vermitteln Werte und beziehen die nächste Generation früh ein – nicht durch sofortige Übertragung, sondern durch Finanzbildung, Teilhabe an Entscheidungen und Verantwortung in kleinen Schritten, in denen Fehler erlaubt sind.

Was wohlhabende Familien anders machen

Familien, die Vermögen über Generationen erhalten haben, folgen Prinzipien, die sich von der Denkweise der Mehrheit unterscheiden. Es sind keine Geheimnisse, sie werden nur selten offen besprochen.

Langfristig denken. Die meisten Menschen planen in Jahren, vermögende Familien in Generationen. Entscheidungen folgen keinen kurzfristigen Trends, Bestände werden nicht bei jeder Schwankung verkauft, und die Leitfrage lautet nicht "Was bringt nächstes Jahr?", sondern "Ist das in 30 Jahren noch wertvoll?".

Auf mehreren Ebenen streuen. Gestreut wird nicht nur über Aktien, sondern über Anlageklassen, Länder und Währungen. Eine typische Verteilung:

KategorieTypischer AnteilZweck
Immobilien25 bis 35 %Substanz, Einkommen
Aktien und Beteiligungen25 bis 35 %Wachstum
Anleihen, Festzins15 bis 20 %Stabilität
Sachwerte (Gold, Diamanten)10 bis 15 %Krisenvorsorge
Liquidität5 bis 10 %Flexibilität

Dazu kommen Konten in mehreren Jurisdiktionen und Sachwerte, die teilweise außerhalb des Heimatlandes liegen.

Substanz vor Spekulation. Erst erhalten, dann wachsen. Ein solider Kern liegt in Sachwerten, spekulativ wird nur mit Geld investiert, dessen Verlust verschmerzbar ist. Vermögen werden häufiger durch schlechte Entscheidungen vernichtet als durch verpasste Chancen.

Unabhängigkeit vom System. Währungsreformen, Staatsbankrotte und eingefrorene Konten haben Geldvermögen immer wieder entwertet. Deshalb liegt ein Teil in Werten ohne Gegenparteirisiko, etwa Gold oder Diamanten (siehe portable Werte).

Diskretion und unabhängige Beratung. Vermögen wird nicht zur Schau gestellt, Konten und Depots nicht an einem Ort gebündelt. Ab einer gewissen Größe arbeiten Familien mit einem Family Office oder mit Honorarberatern, Steuerberatern und Anwälten für Erb- und Gesellschaftsrecht. Entscheidend ist die Unabhängigkeit: Wer Provisionen verdient, hat andere Anreize als jemand auf Honorarbasis.

Frühzeitig und gestaffelt übertragen. Freibeträge werden alle zehn Jahre genutzt, Verantwortung wächst mit der Kompetenz der nächsten Generation, und die Erben lernen den Umgang mit Geld an überschaubaren Beträgen, bevor sie die Kontrolle übernehmen.

Diese Prinzipien funktionieren auch unterhalb der Millionengrenze: langfristig denken, breit streuen, einen Teil in Sachwerten halten, nicht vollständig vom Bankensystem abhängen und die Nachfolge früh planen. Typische Stolperfallen stehen unter Fehler vermeiden.

Die vier teuersten Fehler

Fehler 1: Alles in einer Anlageklasse. Eine Familie hielt 90% ihres Vermögens im eigenen Einzelhandelsunternehmen. Corona 2020 halbierte den Wert – kein Puffer, keine Diversifikation.

Fehler 2: Nachfolge ignorieren. "Ich bin ja noch fit" – bis zum Ernstfall ohne Regelung. Die Kosten: Erbschaftssteuer ohne Planung bis zu 30%, Familienstreit unbezahlbar, Fehlentscheidungen unter Druck die Regel.

Fehler 3: Alles im gleichen System. Siehe oben – 1923 und 1948 sind keine Theorie, sondern deutsche Vermögensgeschichte.

Fehler 4: Nicht mit der Familie reden. Kinder, die nicht wissen, was die Eltern besitzen und warum, werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren. Kommunikation ist kein "nice to have" – sie ist die Voraussetzung. Weitere typische Muster zeigt Fehler vermeiden.

Wie eine robuste Familienstruktur aussieht

Eine Unternehmerfamilie aus dem Rheinland, die wir seit 2019 begleiten, hat ihr Vermögen so strukturiert:

BausteinAnteil
Produktive Anlagen (Aktien, Beteiligungen)40%
Immobilien (selbstgenutzt + vermietet)30%
Physisches Gold15%
Diamanten10%
Liquidität5%

"Nicht alle Eier in einen Korb" klingt banal – aber die meisten Familien halten über 80% in einer einzigen Anlageklasse. Sachwerte übernehmen in dieser Struktur eine Doppelrolle: Inflationsschutz über Jahrzehnte und Übertragbarkeit über Generationen – physisch übergebbar, unabhängig von Banken und Depots.

Praktische Schritte – in dieser Reihenfolge

  1. Das Gespräch führen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie über Geld, Werte und Erwartungen: Was soll das Vermögen leisten? Wer trägt welche Verantwortung? Welche Bedingungen sind an eine Übertragung geknüpft?
  2. Bestandsaufnahme machen. Alle Vermögenswerte, bestehende rechtliche Regelungen, laufende Verpflichtungen, Risiken und Schwachstellen – vollständig dokumentiert.
  3. Ziele definieren. Einkommen, Sicherheit oder Wachstum für die nächste Generation? Klare Ziele ermöglichen klare Entscheidungen.
  4. Strukturen prüfen und aktualisieren. Testament, Vollmachten, Familienverträge – was vor 20 Jahren sinnvoll war, ist es heute vielleicht nicht mehr.
  5. Experten einbeziehen. Erbrechts- und Familienrechtsanwälte, Steuerberater, bei Konflikten Mediatoren – Generationenplanung ist zu komplex für den Alleingang.

Warum der richtige Zeitpunkt jetzt ist

Der beste Zeitpunkt für Generationenplanung war vor 10 Jahren. Der zweitbeste ist heute:

  • Erbschaftssteuer-Freibeträge könnten sinken – die politische Diskussion läuft
  • Strukturelle Änderungen brauchen Vorlauf: Testamente, Schenkungen, Gesellschaftskonstrukte entstehen nicht über Nacht
  • Auch Sachwerte brauchen Zeit – bei Gold beginnt die Steuerfreiheit erst nach 12 Monaten Haltedauer

Ich sehe jeden Tag, wie Familien Vermögen verlieren – nicht durch schlechte Anlagen, sondern durch fehlende Planung. Die Erbschaftssteuer allein kann 30% kosten. Das lässt sich mit Vorlauf vermeiden.

— Steuerberater aus Frankfurt, selbst Mandant

Die Planung endet nicht mit der Übergabe: Wie Sie Ihr Vermögen im Ruhestand schützen und zugleich übergabefähig halten, vertieft Vermögen im Alter. Und wer noch in der Aufbauphase ist, findet in Vermögen aufbauen die Vorstufe dieser Strukturen.

Die drei Fragen, die Sie heute beantworten sollten

  1. Weiß Ihre Familie, was Sie besitzen – und warum?
  2. Gibt es einen Plan für den Ernstfall?
  3. Ist Ihr Vermögen über verschiedene Anlageklassen und Systeme diversifiziert?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit "Nein" beantwortet haben, wissen Sie, wo Sie anfangen.

Häufige Fragen zum Generationenvermögen

Ab welchem Vermögen lohnt sich Generationenplanung?

Früher, als die meisten denken. Sobald ein Vermögen vorhanden ist, dessen Verlust die Familie schmerzen würde, lohnen sich die Grundlagen: Testament, Vollmachten, ein erstes Familiengespräch. Die aufwendigeren Strukturen – Gesellschaftskonstrukte, gestaffelte Schenkungen – werden mit wachsendem Vermögen relevant. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern der Vorlauf.

Schenken zu Lebzeiten oder vererben?

Beides hat seinen Platz. Schenkungen zu Lebzeiten haben zwei Vorteile: Sie können die Übergabe begleiten – die nächste Generation lernt Verantwortung, solange Sie noch korrigieren können – und Sie nutzen steuerliche Gestaltungsspielräume, die im Erbfall verloren sind. Die Diskussion um sinkende Freibeträge spricht eher für früher als für später. Die konkrete Aufteilung gehört in die Hände von Steuerberater und Erbrechtsanwalt.

Was, wenn die nächste Generation kein Interesse zeigt?

Dann ist das ein Planungsfaktor, kein Grund zur Resignation. Möglichkeiten: Verantwortung bei einem Familienmitglied bündeln und die anderen wirtschaftlich gleichstellen, externe Verwaltung mit familiärer Kontrolle, oder Strukturen, die Substanz auch ohne aktive Verwaltung erhalten – physische Sachwerte sind hier im Vorteil, weil sie kein laufendes Management erfordern.

Welche Rolle spielen physische Werte bei der Übergabe?

Eine praktische: Gold und Diamanten lassen sich physisch übergeben – ohne Depotübertrag, ohne Bank als Zwischeninstanz, dokumentiert und mit Zertifikat. Sie funktionieren in jeder Jurisdiktion und überstehen Systembrüche, wie die Tabelle oben zeigt. Als Teil des Familienerbguts verbinden sie Substanzwert mit etwas, das Papierwerte nicht leisten: Greifbarkeit über Generationen.

Das Wichtigste

  • 70% des Familienvermögens gehen bis zur 3. Generation verloren – nur 30% der Familien schaffen den Erhalt
  • Drei Säulen tragen Generationenvermögen: rechtliche Struktur, Diversifikation über Klassen und Systeme, Werte und Kommunikation
  • Die teuersten Fehler: eine Anlageklasse, keine Nachfolgeregelung, ein einziges System, Schweigen in der Familie
  • Sachwerte verbinden Inflationsschutz mit physischer Übertragbarkeit über Generationen
  • Strukturen brauchen Vorlauf – Erbschaftssteuer von bis zu 30% lässt sich nur mit Planung vermeiden

Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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