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Vermögensabgabe Deutschland
Was droht und wie Sie Ihr Vermögen schützen

Vermögensabgabe Deutschland: Was die Parteien planen, ab welchem Vermögen Sie betroffen wären und wie Sachwerte Ihr Vermögen schützen. Fakten statt Panikmache.

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
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staatszugriff - Titelbild

62 Prozent der Deutschen befürworten eine Vermögensteuer. Mehrere Parteien haben konkrete Modelle vorgelegt. Und der Staat braucht Geld: Verteidigung, Infrastruktur, Energiewende, Sozialausgaben. Die Staatsverschuldung liegt bei rund 2,6 Billionen Euro. Es gibt Stimmen, die sagen, die Rechnung dafür wird am Ende jenen präsentiert, die etwas haben.

Das klingt bedrohlich. Aber bevor Sie Ihr Depot räumen oder einen Umzug nach Dubai planen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten. Denn zwischen der politischen Debatte über eine Vermögensabgabe in Deutschland und der tatsächlichen Umsetzung liegen Welten. Gleichzeitig passiert etwas, das kaum jemand so benennt: Sie zahlen längst eine Art Vermögensabgabe, nur eben nicht unter diesem Namen.

In diesem Artikel erfahren Sie, was eine Vermögensabgabe genau ist, welche Parteien was fordern, wie realistisch die Umsetzung ist, und welche konkreten Maßnahmen Ihr Vermögen tatsächlich schützen. Keine Panikmache, keine Verharmlosung. Wer sein Vermögen langfristig bewahren will, braucht Vermögensschutz-Strategien, keine Schlagzeilen.

62%befürworten Vermögensteuer
2,6 Bio. €Staatsverschuldung
1997Vermögensteuer ausgesetzt

Was ist eine Vermögensabgabe? Der Unterschied zur Vermögensteuer

Eine Vermögensabgabe ist eine einmalige oder zeitlich begrenzte Abgabe auf das Nettovermögen einer Person. Sie unterscheidet sich grundlegend von laufenden Steuern wie der Einkommensteuer, die Ihre Erträge besteuert. Die Vermögensabgabe greift auf die Substanz zu, auf das, was Sie bereits besitzen und versteuert haben.

Das Grundgesetz unterscheidet zwei Varianten:

  • Vermögensteuer (Artikel 106 Absatz 2): Eine jährlich wiederkehrende Steuer auf das Nettovermögen, die den Ländern zusteht. Deutschland hat diese Steuer bis 1997 erhoben.
  • Einmalige Vermögensabgabe (Artikel 106 Absatz 1 Nr. 5): Eine Sonderabgabe, die dem Bund zusteht. Der Lastenausgleich von 1952 war ein solcher Fall: 50 Prozent Abgabe auf das Vermögen, zahlbar über 30 Jahre.

Der entscheidende Punkt: Beide Varianten sind verfassungsrechtlich möglich. Das Grundgesetz nennt sie ausdrücklich als zugelassene Einnahmequellen des Staates. Laut einem Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung erlaubt die Verfassung sowohl die Wiedereinführung einer jährlichen Vermögensteuer als auch eine einmalige Vermögensabgabe. Die Frage ist nicht, ob der Staat es darf. Die Frage ist, ob er es politisch will.

Warum die Vermögensteuer in Deutschland 1997 abgeschafft wurde

Deutschland hat bis 1997 eine jährliche Vermögensteuer erhoben. Dann wurde sie ausgesetzt, nicht abgeschafft. Das Gesetz existiert formell noch. Die Geschichte dieser Aussetzung ist aufschlussreich, weil sie die Probleme zeigt, die auch heute noch gelten.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995

Am 22. Juni 1995 entschied das Bundesverfassungsgericht: Die damalige Ausgestaltung der Vermögensteuer ist verfassungswidrig. Wichtig ist, was das Gericht nicht gesagt hat. Es hat nicht gesagt, dass eine Vermögensteuer grundsätzlich verfassungswidrig ist. Es hat gesagt, dass die ungleiche Bewertung verschiedener Vermögensarten gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt.

Konkret: Immobilien wurden systematisch niedriger bewertet als Finanzvermögen. Wer sein Geld in einem Haus hatte, zahlte weniger Vermögensteuer als jemand mit dem gleichen Betrag auf dem Bankkonto. Das Gericht gab dem Gesetzgeber eine Frist, um das Bewertungsproblem zu lösen. Der Gesetzgeber tat nichts. Am 1. Januar 1997 lief die Vermögensteuer aus.

Das ungelöste Bewertungsproblem

Seit 1997 hat keine Bundesregierung die Wiedereinführung der Vermögensteuer in Deutschland umgesetzt. Der Hauptgrund ist das sogenannte Bewertungsproblem: Wie bewertet man Betriebsvermögen gerecht? Wie bestimmt man den Wert eines Familienunternehmens, das nicht an der Börse gehandelt wird? Und wie verhindert man, dass die Steuer Substanz vernichtet, also Unternehmen zwingt, Anteile zu verkaufen, um die Steuer zu bezahlen?

Das letzte Aufkommen der Vermögensteuer lag 1996 bei rund 4,5 Milliarden Euro, relativ gering im Vergleich zu den rund 900 Milliarden Euro Gesamtsteuereinnahmen heute. Dieses Missverhältnis zwischen Verwaltungsaufwand und Ertrag war ein weiterer Grund, warum keine Regierung das Thema anpackte.

Die aktuelle Debatte: Wer fordert was?

Mit den massiven Ausgabensteigerungen für Verteidigung, den Nachwirkungen der Corona-Krise und der Energiewende hat die Debatte um eine Vermögensteuer-Wiedereinführung neue Dynamik bekommen. Der Sachverständigenrat widmete der Vermögensbesteuerung ein eigenes Kapitel im Jahresgutachten 2025/26. Im Dezember 2025 debattierte der Bundestag über den Siebten Armuts- und Reichtumsbericht unter dem Titel "Reichtum besteuern".

Parteipositionen im Überblick

ParteiPositionFreibetragSteuersatz
CDU/CSUDagegen
SPDDafür2 Mio EUR/Person1 %
GrüneDafürNicht konkretisiertProgressiv
Die LinkeDafür1 Mio EUR/Person1-5 %
BSWDafürNicht konkretisiertNicht konkretisiert
FDPDagegen
AfDDagegen

Die konkreten Modelle unterscheiden sich erheblich. Die SPD sieht 1 Prozent ab 2 Millionen Euro Nettovermögen pro Person vor, für Ehepaare also ab 4 Millionen Euro. Die Linke ist deutlich aggressiver: 1 Prozent ab 1 Million Euro, ansteigend auf 5 Prozent ab 50 Millionen Euro. Für Betriebsvermögen sieht die Linke einen Freibetrag von 5 Millionen Euro vor.

62 Prozent Zustimmung, aber keine Mehrheit im Bundestag

Laut einer Forsa-Umfrage vom Juni 2024 befürworten 62 Prozent der Deutschen eine Vermögensteuer. Die Zustimmung ist besonders hoch bei Anhängern der Grünen (84 Prozent), der SPD (79 Prozent) und des BSW (58 Prozent).

Trotzdem ist die Einführung derzeit unwahrscheinlich. Die CDU-geführte Bundesregierung hat eine Vermögensteuer nicht im Koalitionsvertrag. Solange die CDU regiert, wird es keine Vermögensabgabe geben. Aber Regierungen wechseln. Und 62 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung sind ein politisches Reservoir, das künftige Regierungen nutzen könnten.

Was eine Vermögensteuer einbringen würde

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt das jährliche Aufkommen einer Vermögensteuer auf bis zu 147 Milliarden Euro. Diese Zahl basiert auf der Annahme einer breiten Bemessungsgrundlage und ist eher als theoretisches Maximum zu verstehen. Realistischere Schätzungen liegen bei 20 bis 40 Milliarden Euro jährlich, abhängig von Freibeträgen und Steuersätzen.

Zum Vergleich: Die Einkommensteuer bringt rund 350 Milliarden Euro pro Jahr ein. Eine Vermögensteuer wäre also kein Ersatz, sondern eine Ergänzung.

Was lehrt uns das Ausland?

Die Debatte um Vermögenssteuern ist kein deutsches Phänomen. Ein Blick über die Grenze zeigt, dass verschiedene Länder verschiedene Erfahrungen gemacht haben.

Schweiz: Vermögensteuer funktioniert

Die Schweiz erhebt seit Jahrzehnten eine kantonale Vermögensteuer. Die Sätze liegen je nach Kanton zwischen 0,1 und 1 Prozent des Nettovermögens. Die Schweizer Wirtschaft läuft trotzdem. Allerdings ist die Gesamtsteuerbelastung in der Schweiz deutlich niedriger als in Deutschland. Die Vermögensteuer ersetzt dort teilweise andere Abgaben, sie kommt nicht oben drauf.

Frankreich: Gescheitert und reformiert

Frankreich erhob bis 2017 die ISF (Impôt de solidarité sur la fortune), eine Vermögensteuer auf Nettovermögen ab 1,3 Millionen Euro. Präsident Macron schaffte sie ab und führte stattdessen die IFI ein, die nur noch Immobilienvermögen besteuert. Der Grund: Die ISF trieb Kapital und wohlhabende Bürger ins Ausland. Schätzungen zufolge verlor Frankreich jährlich 10 bis 15 Milliarden Euro an Steuersubstrat durch Abwanderung.

OECD: Trend zur Abschaffung

Von 38 OECD-Ländern erheben nur noch vier eine allgemeine Vermögensteuer: die Schweiz, Norwegen, Spanien und Kolumbien. Die überwiegende Mehrheit hat die Vermögensteuer in den vergangenen Jahrzehnten abgeschafft. Die Hauptgründe sind überall ähnlich: Bewertungsprobleme, Kapitalflucht und ein ungünstiges Verhältnis von Aufwand zu Ertrag.

Das bedeutet nicht, dass eine Vermögensabgabe in Deutschland ausgeschlossen ist. Es bedeutet, dass der internationale Trend in die andere Richtung geht und dass eine Vermögensteuer-Wiedereinführung in Deutschland gegen den Strom schwimmen würde.

Ab welchem Vermögen wären Sie betroffen?

Die diskutierten Modelle sehen Freibeträge zwischen 1 und 2 Millionen Euro Nettovermögen pro Person vor. Im SPD-Modell greift die Vermögensteuer in Deutschland ab 2 Millionen Euro, im Linke-Modell ab 1 Million Euro. Für Ehepaare verdoppeln sich die Freibeträge. Die meisten Artikel über die Vermögensabgabe bleiben abstrakt. Hier wird es konkret. Was würde eine Vermögensteuer für verschiedene Vermögenshöhen bedeuten?

Rechenbeispiele nach dem SPD-Modell (1 % ab 2 Mio EUR/Person)

Nettovermögen 500.000 Euro: Nicht betroffen. Alle diskutierten Modelle sehen Freibeträge vor, die weit über diesem Betrag liegen.

Nettovermögen 2 Millionen Euro: Gerade am Freibetrag. Keine oder minimale Belastung.

Nettovermögen 3 Millionen Euro: 1 Prozent auf 1 Million Euro über dem Freibetrag = 10.000 Euro pro Jahr.

Nettovermögen 5 Millionen Euro: 1 Prozent auf 3 Millionen Euro über dem Freibetrag = 30.000 Euro pro Jahr.

Nettovermögen 10 Millionen Euro: 1 Prozent auf 8 Millionen Euro = 80.000 Euro pro Jahr.

Für Ehepaare verdoppeln sich die Freibeträge in den meisten Modellen. Ein Ehepaar mit 5 Millionen Euro Nettovermögen wäre im SPD-Modell mit 10.000 Euro jährlich belastet, nicht mit 30.000 Euro.

Was zum Nettovermögen zählt

Nettovermögen bedeutet: Gesamtvermögen minus Schulden. Zum Gesamtvermögen gehören Immobilien (Verkehrswert), Bankguthaben, Wertpapiere, Betriebsvermögen und sonstige Vermögenswerte. Die Bewertung von Immobilien und Betriebsvermögen ist der kritische Punkt und der Hauptgrund, warum bisherige Modelle gescheitert sind.

Und hier wird es für vermögensbewusste Anleger interessant: Physische Sachwerte wie Gold, Diamanten oder Luxusuhren sind für den Fiskus äußerst schwer zu bewerten und zu erfassen. Es gibt kein zentrales Register für physische Wertgegenstände. Das ist kein Steuertrick, sondern ein strukturelles Faktum, das jeder Steuerrechtler bestätigt.

Die schleichende Vermögensabgabe: Was bereits Realität ist

Während die Debatte über eine formelle Vermögensabgabe läuft, zahlen Sie längst eine Art Vermögensabgabe. Sie heißt nur anders.

Sie warten auf eine Vermögensabgabe, die vielleicht nie kommt — während die stille Version längst läuft. Inflation, Grundsteuer und kalte Progression kosten vermögensbewusste Anleger jährlich 3 bis 5 Prozent des Vermögens. Das ist mehr als jede diskutierte Vermögensteuer.

Inflation: Die unsichtbare Substanzsteuer

Seit dem Jahr 2000 hat der Euro rund 40 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Das bedeutet: 100.000 Euro aus dem Jahr 2000 haben heute eine Kaufkraft von etwa 60.000 Euro. Das ist eine effektive Vermögensabgabe von 40 Prozent, verteilt über 25 Jahre. Kein Politiker hat sie beschlossen. Kein Wähler hat ihr zugestimmt. Aber sie hat stattgefunden.

Wer 500.000 Euro auf Tagesgeld- und Festgeldkonten hält, verliert bei einer Inflationsrate von 3 Prozent jährlich 15.000 Euro an Kaufkraft. Das ist mehr als die Vermögensteuer, die die SPD für diesen Betrag vorsieht, nämlich null Euro, weil der Freibetrag greift.

Grundsteuer: Massiv gestiegen

Die Grundsteuer-Reform 2025 hat in vielen Regionen zu erheblichen Neubewertungen geführt. Immobilienbesitzer in Ballungsräumen berichten von Verdopplungen oder Verdreifachungen. Das ist eine faktische Vermögensbelastung, auch wenn sie nicht so heißt.

Kalte Progression und Abgeltungssteuer

Die kalte Progression führt dazu, dass inflationsbedingte Gehaltserhöhungen in höhere Steuersätze fallen. Sie verdienen nominal mehr, real nicht. Gleichzeitig besteuert die Abgeltungssteuer Kapitalerträge pauschal mit 26,375 Prozent, auch wenn die reale Rendite nach Inflation bei null oder im negativen Bereich liegt.

Die Gesamtrechnung

Addieren Sie Inflation, Grundsteuer, kalte Progression und Abgeltungssteuer, kommen Sie für vermögensbewusste Anleger leicht auf eine jährliche Belastung von 3 bis 5 Prozent des Vermögens. Wer keinen Inflationsschutz in seinem Portfolio hat, verliert systematisch Substanz. Das ist mehr als jede diskutierte Vermögensteuer. Sie warten auf eine Vermögensabgabe, die vielleicht nie kommt, während die stille Version längst läuft.

Diese Perspektive ändert die Frage. Es geht nicht mehr darum, ob eine Vermögensabgabe kommt. Es geht darum, wie Sie Ihr Vermögen gegen die Belastungen schützen, die bereits existieren. Wer Vermögen außerhalb des Bankensystems diversifiziert, schützt sich nicht nur gegen ein theoretisches Szenario, sondern gegen die Realität.

Vermögen vor einer Vermögensabgabe schützen: Was wirklich hilft

Wenn Sie die schleichende Vermögensabgabe ernst nehmen, und die Zahlen sprechen dafür, dann lohnt sich ein Blick auf die konkreten Optionen. Die meisten Ratgeber empfehlen entweder Auswanderung oder Gold. Beides greift zu kurz.

Diversifikation über Vermögensklassen

Das Prinzip ist simpel: Konzentrieren Sie nicht Ihr gesamtes Vermögen in einer einzigen Klasse, die digital erfasst, steuertechnisch transparent und im Krisenfall einfrierbar ist. Bankguthaben, Wertpapiere und Immobilien sind sämtlich in Registern erfasst. Das macht sie steuerlich greifbar.

Eine sinnvolle Ergänzung sind Sachwerte als Wertanlage: physische Vermögenswerte, die außerhalb des digitalen Systems existieren und langfristigen Werterhalt bieten.

Physische Sachwerte: Das Bewertungsproblem als struktureller Vorteil

Jede Vermögensteuer steht und fällt mit der Frage: Was besitzt der Steuerpflichtige, und was ist es wert? Bei Bankguthaben, Wertpapieren und Immobilien ist die Antwort leicht. Das Kontenabrufverfahren ermöglicht dem Staat bereits heute 1,8 Millionen Abfragen pro Jahr, ohne dass der Kontoinhaber informiert wird.

Bei physischen Sachwerten ist die Lage anders:

  • Gold und Edelmetalle: Physisches Gold kann in Deutschland bis 1.999,99 Euro anonym erworben werden. Es gibt kein zentrales Goldregister. Die Bewertung hängt vom aktuellen Marktpreis ab, aber der Besitz ist nicht automatisch erfasst.
  • Investmentdiamanten: Ein GIA-zertifizierter Diamant im Wert von 100.000 Euro passt in eine Jackentasche. Es gibt kein Diamantenregister. Die Wertermittlung erfordert Expertenwissen und ist nicht standardisiert.
  • Luxusuhren: Eine Rolex Daytona oder eine Patek Philippe Nautilus sind tragbare Wertanlagen. Ihr Marktwert schwankt, und es gibt kein Uhrenregister.

Das bedeutet nicht, dass Sachwerte steuerfrei sind. Gewinne aus dem Verkauf physischer Sachwerte sind innerhalb der Spekulationsfrist steuerpflichtig. Und bei einer tatsächlichen Vermögensabgabe wäre der Steuerpflichtige verpflichtet, auch Sachwerte anzugeben. Aber die praktische Erfassung und Bewertung ist ein ungelöstes Problem, das selbst der Gesetzgeber anerkennt.

Was NICHT funktioniert

Ehrlichkeit gehört zum Vermögensschutz. Drei häufig genannte Strategien sind problematisch:

Kapitalflucht ohne rechtliche Grundlage: Wer Vermögen ins Ausland verschiebt, ohne es steuerlich anzugeben, begeht Steuerhinterziehung. Die automatischen Informationsaustauschabkommen (CRS) machen das zunehmend riskant. Über 100 Länder melden Kontostände an das deutsche Finanzamt.

Panikverkäufe von Immobilien: Wer aus Angst vor einer Vermögensteuer seine Immobilie unter Wert verkauft, realisiert einen garantierten Verlust, um sich gegen ein unsicheres Risiko zu schützen. Das ist selten rational.

Einseitige Umschichtung in Gold: Gold ist ein sinnvoller Baustein, aber kein Allheilmittel. Wer sein gesamtes Vermögen in Gold umschichtet, tauscht ein Risiko gegen ein anderes: Preisschwankungen, Lagerkosten, eingeschränkte Liquidität.

Was sinnvoll sein kann

Ein Drei-Säulen-Modell bietet eine pragmatische Struktur:

  1. Bankeinlagen und Wertpapiere: Für Liquidität und langfristigen Vermögensaufbau, innerhalb der gesetzlichen Sicherungsgrenzen
  2. Immobilien: Für Stabilität und laufende Erträge, mit dem Bewusstsein, dass Immobilien steuerlich voll transparent sind
  3. Physische Sachwerte: 10 bis 20 Prozent des Gesamtvermögens in Gold, Diamanten oder Luxusuhren als bankensystemunabhängige Sicherungsschicht

Die genaue Aufteilung hängt von Ihrer individuellen Situation, Ihrem Risikoprofil und Ihrem Anlagehorizont ab. Pauschale Empfehlungen wären unseriös. Aber das Prinzip ist klar: Nicht alles in einem System konzentrieren, das der Staat vollständig einsehen und im Zweifelsfall belasten kann.

Das Wichtigste

  • Eine Vermögensabgabe ist verfassungsrechtlich möglich — das Grundgesetz nennt sie ausdrücklich
  • Unter der aktuellen CDU-geführten Regierung ist eine Vermögensteuer unwahrscheinlich, aber 62 % der Bevölkerung befürworten sie
  • Die diskutierten Freibeträge liegen bei 1-2 Mio. EUR pro Person — darunter wäre man nicht betroffen
  • Die schleichende Vermögensabgabe durch Inflation und Abgaben kostet bereits 3-5 % jährlich
  • Physische Sachwerte bieten strukturellen Schutz: kein Register, schwer bewertbar, außerhalb des Bankensystems

Häufig gestellte Fragen zur Vermögensabgabe

Was ist der Unterschied zwischen Vermögensteuer und Vermögensabgabe?

Die Vermögensteuer ist eine jährlich wiederkehrende Steuer auf das Nettovermögen und steht den Bundesländern zu. Die Vermögensabgabe ist eine einmalige Sonderabgabe in einer Ausnahmesituation und steht dem Bund zu.

Beide sind im Grundgesetz als zulässige Einnahmequellen genannt. Deutschland hat von 1952 bis 1982 eine einmalige Vermögensabgabe erhoben (Lastenausgleich) und bis 1997 eine jährliche Vermögensteuer.

Kommt eine Vermögensabgabe in Deutschland?

Unter der aktuellen CDU-geführten Regierung ist weder eine Vermögensteuer noch eine Vermögensabgabe in Deutschland geplant. CDU, FDP und AfD lehnen beide ab.

SPD, Grüne, Linke und BSW befürworten eine Vermögensteuer, haben aber derzeit keine Mehrheit im Bundestag. Die entscheidende Frage ist nicht, ob es heute kommt, sondern ob sich die politischen Mehrheiten ändern.

Ab welchem Vermögen würde eine Vermögensteuer greifen?

Die diskutierten Freibeträge liegen zwischen 1 Million Euro (Linke) und 2 Millionen Euro (SPD) pro Person. Für Ehepaare verdoppeln sich die Beträge in den meisten Modellen. Wer unter diesen Schwellen liegt, wäre nach aktuellem Diskussionsstand nicht betroffen.

Ist eine Vermögensabgabe verfassungskonform?

Ja, grundsätzlich. Das Grundgesetz nennt sowohl die Vermögensteuer als auch einmalige Vermögensabgaben ausdrücklich. Das BVerfG hat 1995 nicht die Vermögensteuer als solche für verfassungswidrig erklärt, sondern die ungleiche Bewertung verschiedener Vermögensarten. Eine Vermögensteuer mit gleichmäßiger Bewertung wäre verfassungskonform.

Wie kann ich mein Vermögen vor einer Vermögensabgabe schützen?

Diversifikation ist der Schlüssel. Verteilen Sie Ihr Vermögen auf verschiedene Klassen: Bankeinlagen innerhalb der Einlagensicherung, Wertpapiere, Immobilien und physische Sachwerte.

Sachwerte wie Gold, Diamanten und Luxusuhren bieten den Vorteil, dass sie außerhalb des digitalen Bankensystems existieren und schwer zu bewerten sind. Wichtig: Keine Anlagestrategie sollte auf Steuerhinterziehung abzielen. Es geht um legale Diversifikation, nicht um Steuerflucht.

Warum wurde die Vermögensteuer in Deutschland abgeschafft?

Das Bundesverfassungsgericht erklärte 1995 die ungleiche Bewertung von Immobilien und Finanzvermögen für verfassungswidrig. Der Gesetzgeber hatte bis Ende 1996 Zeit, das Bewertungsproblem zu lösen. Er tat es nicht. Die Steuer wurde zum 1. Januar 1997 ausgesetzt. Das Gesetz existiert formal noch, wird aber nicht angewendet.

Fazit: Nicht ob, sondern wie

Eine klassische Vermögensabgabe in Deutschland ist unter der aktuellen Regierung unwahrscheinlich. Aber politische Mehrheiten ändern sich. 62 Prozent der Bevölkerung befürworten eine Vermögensteuer. Die Instrumente, Grundgesetz, Kontenabrufverfahren, automatischer Informationsaustausch, sind vorhanden. Die Debatte wird nicht verschwinden.

Wichtiger noch: Die schleichende Vermögensabgabe durch Inflation, Grundsteuer und kalte Progression ist bereits Realität. Sie kostet vermögensbewusste Anleger jährlich mehr als jede diskutierte Vermögensteuer.

Die Lösung liegt nicht in Panik und nicht in Ignoranz. Sie liegt in pragmatischer Diversifikation: Ihr Vermögen auf mehrere Säulen verteilen, von denen nicht alle im digitalen Bankensystem stehen. Physische Sachwerte bieten Werterhalt und Inflationsschutz, kein Allheilmittel, aber ein sinnvoller Baustein, der in den meisten Portfolios fehlt.

Wenn Sie wissen möchten, ob und wie Sachwerte zu Ihrer persönlichen Vermögenssituation passen, können Sie ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren. Ohne Verkaufsdruck, ohne Renditeversprechen. Nur eine ehrliche Einschätzung, die zu Ihrer Situation passt.

Quellen: Grundgesetz Art. 106, Hans-Böckler-Stiftung, Sachverständigenrat Jahresgutachten 2025/26

Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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