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Vermögensschutz

Krisensichere Geldanlage
Was wirklich schützt – und was nicht

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
Vermögensschutz - Titelbild

Die unbequeme Wahrheit: Fast nichts ist wirklich krisensicher

Wenn ich Mandanten frage, was sie unter "krisensicher" verstehen, höre ich meist: "Dass mein Geld nicht weg ist."

Das ist verständlich. Aber es ist die falsche Definition.

Denn die Frage ist nicht: Ist das Geld nominell noch da? Die Frage ist: Kann ich damit noch das Gleiche kaufen? Kann ich darauf zugreifen? Gehört es mir noch?

In echten Krisen – Währungsreformen, Hyperinflation, Systemzusammenbrüchen – versagen die meisten Anlagen, die wir für sicher halten. Nicht weil sie schlecht konstruiert wären, sondern weil sie auf Annahmen basieren, die in Krisen nicht mehr gelten.

Was ist eine echte Krise?

Zunächst eine wichtige Unterscheidung. Es gibt:

Marktkrisen (2000, 2008, 2020)

  • Aktienkurse fallen 30-50%
  • Nach 2-5 Jahren erholt
  • Das System funktioniert weiter

Systemkrisen (1923, 1948, 2008 für Bankkunden)

  • Institutionen versagen
  • Regeln ändern sich über Nacht
  • Zugriff auf Vermögen wird eingeschränkt

Die meisten Anlagestrategien sind für Marktkrisen optimiert. Sie versagen in Systemkrisen.

Die relevante Frage für krisensichere Geldanlage lautet daher: Was passiert mit meinem Vermögen, wenn nicht nur die Kurse fallen, sondern das System selbst unter Stress gerät?

Historische Daten: Was hat Krisen überlebt?

Drei deutsche Krisen des 20. Jahrhunderts und ihre Lehren:

Hyperinflation 1923

Was passierte: Die Reichsmark wurde wertlos. 1 Dollar = 4,2 Billionen Mark.

AnlageformPerformance
BargeldTotalverlust
StaatsanleihenTotalverlust
BankguthabenTotalverlust
ImmobilienWerterhalt, aber Mietausfälle
GoldKaufkraft erhalten, 50-facher nominaler Anstieg
AktienStarke Verluste, dann Erholung

Gewinner: Sachwerte, besonders portable. Ein Bekannter meines Großvaters tauschte im November 1923 eine goldene Taschenuhr gegen ein halbes Haus.

Währungsreform 1948

Was passierte: Die Reichsmark wurde 10:1 in D-Mark umgetauscht. Bankguthaben verloren 90%.

AnlageformPerformance
Bankguthaben93,5% Verlust (100 RM → 6,50 DM)
StaatsanleihenAnnulliert
LebensversicherungenStark entwertet
ImmobilienErhalten, aber belastet (Lastenausgleich)
Gold/SachwerteErhalten
AktienZunächst verfallen, dann erholt

Die Lektion: Nominale Forderungen wurden entwertet. Reale Werte blieben.

Finanzkrise 2008 (aus Kundensicht)

Was passierte: Lehman-Pleite, Bankenrettungen, Vertrauenskrise.

SituationAuswirkung
Zertifikate auf LehmanTotalverlust
Kaupthing-Bank (Island)Einlagen monatelang eingefroren
Aktien-ETFs-50%, nach 5 Jahren erholt
Gold+25% im Krisenjahr
Deutsche BankeinlagenNominell gesichert (dank Staatsgarantie)

Die Lektion: "Too big to fail" ist eine politische Entscheidung, keine Garantie. Und Einlagensicherung funktioniert nur, solange nicht alle gleichzeitig zugreifen.

Die Kriterien für echte Krisensicherheit

Aus der historischen Analyse ergeben sich fünf Kriterien:

1. Keine Gegenpartei

Was das bedeutet: Niemand muss zahlungsfähig bleiben, damit Ihr Vermögen erhalten bleibt.

Ein Bankkonto ist eine Forderung gegen die Bank. Eine Anleihe ist eine Forderung gegen den Emittenten. Selbst ein ETF ist eine Forderung gegen den Fondsanbieter.

Gold in Ihrem Besitz ist Gold. Es gibt keine Gegenpartei.

2. Physische Existenz

Was das bedeutet: Das Vermögen existiert unabhängig von digitalen Systemen.

Im März 2013 wurden in Zypern Bankkonten über Nacht eingefroren. Wer physisches Gold hatte, hatte Zugriff. Wer Gold-ETFs hatte, musste warten, bis die Börsen wieder funktionierten.

3. Portabilität

Was das bedeutet: Das Vermögen kann bei Bedarf bewegt werden.

Ein Haus ist krisensicher im Sinne von: Es brennt nicht bei einer Inflation ab. Aber Sie können es nicht mitnehmen, wenn Sie gehen müssen.

Mein Vater erzählte mir von seiner Tante, die 1939 aus Wien fliehen musste. Sie nahm mit, was sie tragen konnte – Schmuck, Goldmünzen. Das Haus blieb zurück.

4. Universelle Akzeptanz

Was das bedeutet: Das Vermögen wird überall als wertvoll anerkannt.

Gold wird auf jedem Kontinent akzeptiert. Bitcoin? In El Salvador ja, im ländlichen China weniger.

In echten Krisen zählt nicht, was theoretisch wertvoll ist, sondern was praktisch getauscht werden kann.

5. Bewährte Wertbeständigkeit

Was das bedeutet: Nicht ein Asset, das theoretisch sicher sein sollte, sondern eines, das es historisch bewiesen hat.

Gold hat 5000 Jahre Krisengeschichte. Immobilien etwa 200 Jahre dokumentierter Performance. Bitcoin 15 Jahre.

Je länger die Track Record, desto mehr Vertrauen ist gerechtfertigt.

Die Kandidaten im Test

Wie schneiden die gängigen "krisensicheren" Anlagen ab?

Tagesgeld / Festgeld

KriteriumBewertung
Keine GegenparteiNein (Bank)
Physische ExistenzNein
PortabilitätNein
Universelle AkzeptanzNur im System
Bewährte Wertbeständigkeit1923: Nein, 1948: Nein

Fazit: Sicher bei Normalfall-Krisen (Einlagensicherung). Unsicher bei Systemkrisen.

Immobilien

KriteriumBewertung
Keine GegenparteiJa (Sie besitzen das Gebäude)
Physische ExistenzJa
PortabilitätNein
Universelle AkzeptanzRegional
Bewährte WertbeständigkeitJa, aber mit Einschränkungen

Fazit: Guter Inflationsschutz, aber nicht portabel. In 1948 mit Lastenausgleich belegt. Im Grundbuch sichtbar.

Gold (physisch)

KriteriumBewertung
Keine GegenparteiJa
Physische ExistenzJa
PortabilitätMittel (schwer)
Universelle AkzeptanzJa
Bewährte Wertbeständigkeit5000 Jahre: Ja

Fazit: Der Klassiker für Krisensicherheit. Einschränkung: Bei größeren Beträgen schwer zu transportieren.

Diamanten (Investment-Grade)

KriteriumBewertung
Keine GegenparteiJa
Physische ExistenzJa
PortabilitätHervorragend (höchste Wertdichte)
Universelle AkzeptanzJa, bei Kenntnis
Bewährte WertbeständigkeitJahrhunderte: Ja

Fazit: Maximale Wertdichte (1 Mio. € = 50 Gramm). Einschränkung: Weniger liquide als Gold, erfordert Expertise.

Bitcoin

KriteriumBewertung
Keine GegenparteiJa (bei Selbstverwahrung)
Physische ExistenzNein
PortabilitätDigital perfekt, praktisch komplex
Universelle AkzeptanzBegrenzt
Bewährte Wertbeständigkeit15 Jahre, volatil

Fazit: Interessantes Experiment, aber keine bewährte Krisenwährung. In echten Krisen (Stromausfall, Internet-Blackout) nicht zugänglich.

Die realistische Empfehlung

Nach 20 Jahren Erfahrung mit vermögenden Mandanten empfehle ich keine "krisensichere Geldanlage", sondern eine krisenresistente Struktur.

Die Drei-Schichten-Strategie

Schicht 1: Systemkonform (60-70%)

  • Aktien-ETFs, Anleihen, Immobilien
  • Funktioniert, solange das System funktioniert
  • Bietet Wachstum in normalen Zeiten

Schicht 2: Systemunabhängig (20-30%)

  • Physisches Gold, Investment-Grade Diamanten
  • Funktioniert, wenn das System nicht funktioniert
  • Bietet Schutz in Extremszenarien

Schicht 3: Liquidität (10-15%)

  • Bargeld, Tagesgeld
  • Für Alltag und kurzfristige Krisen
  • Akzeptiert bewusst Inflationsverlust

Konkrete Umsetzung für 500.000 € Vermögen

SchichtAnteilBetragInstrumente
Systemkonform65%325.000 €Welt-ETF, Euro-Anleihen
Systemunabhängig25%125.000 €100k Gold, 25k Diamanten
Liquidität10%50.000 €Tagesgeld, Bargeld

Warum diese Aufteilung?

  • Bei normalem Verlauf: 65% wächst mit dem Markt, Rest ist "totes Kapital"
  • Bei Marktkrise: 65% fällt, Gold steigt, Gesamtportfolio stabil
  • Bei Systemkrise: 25% bleibt intakt und zugänglich

Häufige Einwände

"Das ist zu pessimistisch"

Ist es pessimistisch, eine Feuerversicherung zu haben? Sie hoffen auch, dass Ihr Haus nicht brennt. Aber wenn es brennt, sind Sie froh, versichert zu sein.

25% in systemunabhängigen Werten ist keine Weltuntergangsvorbereitung. Es ist vernünftige Vorsorge.

"Gold bringt keine Rendite"

Korrekt. Gold ist keine Anlage im klassischen Sinne, sondern Vermögenserhalt.

Die Frage ist nicht: Was bringt Gold in normalen Zeiten? Die Frage ist: Was ist Gold wert, wenn alles andere fällt?

"Das hat mein Bankberater nie erwähnt"

Natürlich nicht. Ihre Bank verdient an Produkten, die im System bleiben. An Gold und Diamanten verdient sie nichts.

Das bedeutet nicht, dass Ihr Berater böswillig ist. Er kennt einfach nur die Produkte, die er verkaufen kann.

"Ich vertraue dem deutschen Staat"

Das ist vernünftig. Deutschland ist stabil. Aber:

  • 1923 war Deutschland auch stabil
  • 1948 war Deutschland auch stabil (West)
  • Die Zukunft kennt niemand

Vertrauen ist gut. Eine Absicherung für den Fall, dass das Vertrauen enttäuscht wird, ist besser.

Der nächste Schritt

Krisensichere Geldanlage ist keine einzelne Produktentscheidung. Es ist eine Strukturfrage.

Die richtige Struktur hängt ab von:

  • Ihrem Gesamtvermögen
  • Ihrer Lebenssituation (Alter, Familie, Beruf)
  • Ihren Zielen (Erhalt vs. Wachstum)
  • Ihrer Risikobereitschaft

In einem unverbindlichen Gespräch analysieren wir Ihre aktuelle Struktur und zeigen Ihnen, wo Optimierungspotential liegt – unabhängig davon, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.

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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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