Vermögensschutz für Ärzte
Vermögensschutz für Ärzte
Was Mediziner anders machen sollten


Warum dieses Thema gerade Ärzte betrifft
Auslöser
- →MVZ-Übernahmen
- →Praxisübergabe
- →Hohe Steuerlast
Risiken
- →Haftung über Berufsleben hinaus
- →Praxis als Klumpenrisiko
- →Wenig Zeit für Finanzen
357.000 € Reinertrag pro Jahr. 70-90% davon in der Praxis gebunden.
Das ist die Realität für viele niedergelassene Ärzte in Deutschland. Ein überdurchschnittliches Einkommen – aber konzentriert in einem einzigen Vermögenswert, der an Ihre Arbeitsfähigkeit gekoppelt ist.
Dazu kommt: Kaum eine Berufsgruppe ist so exponiert wie Mediziner. Haftungsrisiken, hohe Steuerlast, wachsender Druck durch MVZ-Ketten, und ein Gesundheitssystem, das sich permanent verändert.
Ich arbeite seit Jahren mit Ärzten, Zahnärzten und anderen medizinischen Fachkräften. Was ich gelernt habe: Die üblichen Finanzberatungen verstehen Ihre Situation nicht wirklich. Sie verkaufen Produkte, die für Angestellte konzipiert sind.
Dieser Artikel zeigt, warum Ärzte einen anderen Ansatz brauchen – und wie dieser aussehen kann.
Die Zahlen: Was Ärzte wirklich verdienen
Das Statistische Bundesamt hat 2023 die aktuellsten Daten veröffentlicht:
| Kennzahl | Durchschnitt | Median |
|---|---|---|
| Einnahmen pro Praxis | 812.000 € | – |
| Aufwendungen | 455.000 € | – |
| Reinertrag | 357.000 € | 242.000 € |
| Netto nach Steuern | ~180.000 € | ~130.000 € |
Der Unterschied zwischen Durchschnitt und Median ist enorm. Das bedeutet: Einige wenige Großverdiener (Radiologen mit 1,1 Mio. € Reinertrag) ziehen den Schnitt nach oben. Die meisten niedergelassenen Ärzte liegen deutlich darunter.
Ein Hausarzt aus Niederbayern, 52, erzählte mir: "Ich arbeite 55 Stunden die Woche, verdiene nach Abzug aller Kosten und Steuern etwa 140.000 € netto. Mein Steuerberater sagt, das ist gut. Aber ich habe keinen freien Tag mehr, und meine Praxis ist das Einzige, was ich habe."
Das Klumpenrisiko: Die Praxis als Vermögensfalle
Für niedergelassene Ärzte stellt die eigene Praxis oft 70-90% des Gesamtvermögens dar.
Das klingt nach solidem Vermögensaufbau – ist aber ein Klumpenrisiko ersten Ranges.
Was der Praxiswert wirklich ist
Der Wert einer Arztpraxis hängt von mehreren Faktoren ab:
- Umsatz und Reinertrag – messbar, aber schwankend
- Patientenstamm – an Ihre Person gebunden
- Standort – kann sich entwerten
- Nachfolgesituation – oft problematisch
Die Bundesärztekammer-Methode zur Praxisbewertung ist komplex. Was sie nicht misst: Wie schnell der Wert verfallen kann.
Eine Orthopädin aus dem Ruhrgebiet, 58, berichtete: "Mein Steuerberater hat die Praxis auf 450.000 € bewertet. Als ich wegen einer Schulter-OP sechs Monate ausgefallen bin, haben drei Patienten pro Woche abgesagt. Nach meiner Rückkehr waren es 30% weniger Privatpatienten. Der reale Wert meiner Praxis? Vielleicht noch 300.000 €."
Die MVZ-Disruption
Der Trend ist unübersehbar: Private-Equity-finanzierte MVZ-Ketten kaufen systematisch Arztpraxen auf. Für Einzelpraxen bedeutet das:
- Sinkende Praxisbewertungen durch Marktüberhang
- Schwierige Nachfolgesuche für inhabergeführte Praxen
- Wettbewerbsdruck durch größere Strukturen mit mehr Marketing-Budget
Ein Gastroenterologe aus Frankfurt, 61: "Ich wollte meine Praxis in fünf Jahren abgeben. Drei MVZ haben angerufen, alle bieten weniger als den Ertragswert. Einzelnachfolger? Kaum Interesse. Die jungen Kollegen wollen angestellt arbeiten."
Das Haftungsrisiko: 15.000 Klagen pro Jahr
Keine Berufsgruppe ist so haftungsexponiert wie Mediziner.
Die Zahlen (Medizinischer Dienst Bund, 2024):
| Kennzahl | Zahl |
|---|---|
| Begutachtete Fälle | 12.304 |
| Bestätigte Behandlungsfehler | 2.825 (23%) |
| Jährliche Kunstfehler-Klagen (Schätzung) | 15.000-19.000 |
| Durchschnittliche Verfahrensdauer | 3-5 Jahre |
Das bedeutet: Jeder fünfte begutachtete Verdacht wird als Behandlungsfehler bestätigt. Auch wenn Sie gewinnen – die Jahre der Unsicherheit und die Anwaltskosten bleiben.
Die Haftungslücke
Mit einer Berufshaftpflicht sind Sie gegen Schadensersatzansprüche abgesichert – theoretisch.
Aber:
- Deckungssummen können erschöpft sein bei Großschäden
- Grobe Fahrlässigkeit kann ausgeschlossen sein
- Bei Einzelpraxis haften Sie persönlich mit Ihrem gesamten Privatvermögen
Ein Chirurg aus München, 55, nach einem gewonnenen Prozess: "Der Patient hat geklagt, ich habe gewonnen. Aber: 4 Jahre Prozess, 60.000 € Anwaltskosten aus eigener Tasche, schlaflose Nächte. Und während des Verfahrens: Null Planungssicherheit für alles andere."
Das Problem: Ihr Vermögen – Praxis, Haus, Ersparnisse – ist im Ernstfall sichtbar und angreifbar. Im Grundbuch, im Handelsregister, auf deutschen Bankkonten.
Die Steuerlast: 42-45% auf alles
Mit einem Reinertrag von 357.000 € zahlen Sie Spitzensteuersatz: 42% plus Solidaritätszuschlag, ggf. Kirchensteuer.
Vereinfachte Rechnung:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Reinertrag | 357.000 € |
| Einkommensteuer (~42%) | ~150.000 € |
| Soli, ggf. Kirchensteuer | ~8.000 € |
| Private Krankenversicherung | ~12.000 € |
| Altersvorsorge (Versorgungswerk) | ~25.000 € |
| Netto verfügbar | ~162.000 € |
Von 812.000 € Praxisumsatz bleiben 162.000 € zum Leben – das sind 20%.
Die klassischen Steuerstrategien – und ihre Grenzen
Viele Ärzte reagieren mit:
- Praxisimmobilien – binden Kapital auf Jahrzehnte
- Photovoltaik-Anlagen – Steuereffekt sinkt
- Geschlossene Fonds – illiquide, oft enttäuschend
- Rürup/Basis-Rente – Kapital unwiderruflich gebunden
Was fehlt: Vermögenswerte, die Substanz bieten, ohne Sie zusätzlich an Deutschland zu binden.
Was wohlhabende Ärzte anders machen
In meiner Arbeit sehe ich zwei Typen von Ärzten:
Typ 1: Der klassische Arzt
- 90% des Vermögens = Praxis + deutsches Bankkonto
- Altersvorsorge = Versorgungswerk + evtl. Immobilie
- Liquidität = Tagesgeld bei der Hausbank
Typ 2: Der strategische Arzt
- 60-70% des Vermögens = Praxis + produktive Anlagen
- 15-25% = mobile Sachwerte (Gold, ggf. Diamanten)
- 10-15% = Liquidität, teils außerhalb Deutschlands
Der Unterschied? Typ 2 hat Optionen. Wenn etwas passiert – Klage, Krankheit, politische Veränderung – ist nicht alles an einem Ort, in einem System.
Drei konkrete Beispiele
Dr. K., Radiologe, München, 49:
Reinertrag ca. 850.000 €. Nach 15 Jahren Praxis hatte er 2,1 Mio. € angesammelt – alles auf deutschen Konten und in einer vermieteten Eigentumswohnung.
"Ich habe gemerkt: Mein ganzes Vermögen ist abhängig davon, dass Deutschland so bleibt wie es ist. Was, wenn nicht?"
Heute: 300.000 € in physischem Gold (teils Zürich), 150.000 € in GIA-zertifizierten Diamanten (DMCC Dubai), der Rest diversifiziert. Die Struktur hat er in 18 Monaten aufgebaut, ohne seine Liquidität zu gefährden.
Dr. S., Hausärztin, Niedersachsen, 54:
Reinertrag ca. 270.000 €. Vermögen nach 20 Jahren: 1,2 Mio. €, davon 650.000 € Praxiswert.
"Mein Steuerberater hat immer gesagt: Investier in die Praxis. Aber was ist die Praxis wert, wenn ich nicht mehr kann?"
Heute: Praxiswert auf 400.000 € reduziert (schlankere Struktur), 200.000 € in Gold, Rest in ETFs und Liquidität. Falls sie morgen aufhören muss, ist sie nicht vom Praxisverkauf abhängig.
Dr. M., Zahnarzt, Köln, 47:
Nach einer Kunstfehler-Klage (die er gewonnen hat) hat er umgedacht.
"Vier Jahre lang konnte ich nichts planen. Jede größere Kapitalanlage hätte im Prozess sichtbar werden können. Danach habe ich beschlossen: Ein Teil meines Vermögens ist für niemanden sichtbar außer mir."
Heute: Sachwerte in Höhe von 15% seines Vermögens, diskret gelagert. "Nicht weil ich etwas verstecke – alles ist legal und dokumentiert. Aber nicht alles muss für jeden zugänglich sein."
Was Ärzte für echten Vermögensschutz brauchen
Basierend auf Hunderten von Gesprächen mit medizinischen Fachkräften: Hier sind die Kriterien, die wirklich zählen.
1. Unabhängigkeit von der Arbeitsfähigkeit
Ihre Praxis ist an Sie gebunden. Ihr Gold nicht.
Wenn Sie morgen einen Schlaganfall haben, verliert die Praxis sofort an Wert. Der Goldbarren in Zürich bleibt, was er ist.
2. Mobilität
Ein Chirurg aus Hamburg, 52: "Meine Eltern sind 1979 aus dem Iran geflohen. Sie konnten nur mitnehmen, was sie tragen konnten. Diese Geschichte vergesse ich nie."
500.000 € in Gold: 4 kg. 500.000 € in Diamanten: 50 Gramm.
Eine Immobilie können Sie nicht mitnehmen. Eine Praxis auch nicht.
3. Diskretion
Nicht Heimlichkeit – Diskretion. Der Unterschied:
- Heimlichkeit = Vermögen verstecken, um Steuern zu hinterziehen (illegal)
- Diskretion = Vermögen legal so strukturieren, dass nicht jeder es sehen kann
Für Ärzte mit Haftungsrisiko ist Diskretion keine Paranoia, sondern Umsicht.
4. Liquidität im Ernstfall
Ein Anästhesist aus Berlin, 58: "Als meine Frau krank wurde, brauchte ich innerhalb von zwei Wochen 80.000 € für eine Behandlung im Ausland. Mein Depot war eingefroren wegen eines Bankwechsels. Meine Praxis konnte ich nicht über Nacht verkaufen. Gold hätte ich in 24 Stunden liquidieren können."
Die praktische Umsetzung: Eine Empfehlung
Für einen niedergelassenen Arzt mit 1,5 Mio. € Vermögen (inkl. Praxiswert) empfehle ich typischerweise diese Struktur:
| Vermögensteil | Anteil | Betrag | Funktion |
|---|---|---|---|
| Praxis | 30-40% | 450-600k | Einkommen, nicht Vermögen |
| Produktive Anlagen | 25-35% | 375-525k | Wachstum (ETFs, ggf. Immobilie) |
| Physisches Gold | 10-15% | 150-225k | Liquidität, Krisenabsicherung |
| Diamanten (ab 1M+) | 5-10% | 75-150k | Wertdichte, Diskretion |
| Liquiditätsreserve | 10-15% | 150-225k | 12 Monate Ausgaben |
Wichtig: Das ist ein Ziel-Bild, keine Sofort-Lösung. Der Aufbau dauert typischerweise 2-3 Jahre.
Die Reihenfolge
- Liquiditätsreserve sichern – 12 Monate Ausgaben, verfügbar
- Gold aufbauen – Beginnen Sie mit 50.000-100.000 €
- Praxisabhängigkeit reduzieren – Struktur optimieren, Nachfolge vorbereiten
- Diamanten – Erst ab 500.000 € in Sachwerten sinnvoll
Häufige Fragen von Ärzten
"Ist das legal?"
Ja. Vollständig. Physisches Gold und Diamanten zu kaufen und zu lagern – auch im Ausland – ist in Deutschland legal. Die Steuerpflicht bleibt bestehen, die Meldepflichten gelten, aber der Besitz ist Ihr Recht.
Mehr dazu: Ist das legal? Alle rechtlichen Fragen
"Ich habe keine Zeit für so etwas."
Das verstehe ich. 55-Stunden-Wochen, Dokumentation, Fortbildung – wann soll man sich um Vermögensstruktur kümmern?
Deshalb arbeiten wir mit Prozessen, die wenig Zeit kosten: Ein Erstgespräch (30 Min), eine Analyse, ein Plan. Die Umsetzung läuft dann mit minimalem Zeitaufwand Ihrerseits.
"Mein Steuerberater sagt, ich soll in Immobilien investieren."
Immobilien können sinnvoll sein – für Cashflow und Steueroptimierung. Aber sie sind illiquide, an Deutschland gebunden, und fügen dem Praxis-Klumpenrisiko ein Immobilien-Klumpenrisiko hinzu.
Die Frage ist nicht "Immobilie oder Gold?" – sondern "Was fehlt in meiner Struktur?"
"Ich vertraue Deutschland."
Das ist gut. Ich auch.
Aber: Die Geschichte zeigt, dass auch stabile Länder sich verändern können. 1923, 1948, 2008 – Deutschland hat mehrfach erlebt, dass "sicher" relativ ist.
Vermögensschutz ist keine Wette gegen Deutschland. Es ist eine Versicherung für Szenarien, die hoffentlich nie eintreten.
Ihr nächster Schritt
Sie haben jetzt ein Bild davon, warum Ärzte einen anderen Ansatz zum Vermögensschutz brauchen – und wie dieser aussehen kann.
Die Frage ist: Was bedeutet das für Ihre konkrete Situation?
In einem unverbindlichen Gespräch analysieren wir:
- Ihre aktuelle Struktur – Wie viel hängt an der Praxis?
- Ihre Risikoexposition – Haftung, Steuern, Abhängigkeiten?
- Ihre Ziele – Ruhestand, Nachfolge, Absicherung?
- Mögliche Optimierungen – Was würde konkret Sinn machen?
Ich arbeite ausschließlich mit Mandanten, bei denen eine Zusammenarbeit wirklich Sinn macht. Etwa 30% der Ärzte, die zu uns kommen, rate ich von Sachwerten ab – weil ihre Situation anders ist.
Kein Verkaufsdruck. Keine Verpflichtung. Nur Klarheit.
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Über den Autor

Elisabeth Förster
Leiterin Mandantenbetreuung
Mit 15 Jahren Erfahrung in der Privatbank kennt sie die Sorgen vermögender Familien aus unzähligen Gesprächen.
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