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Vergleiche

Was wohlhabende Familien anders machen
Strategien der Vermögenden

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Vergleiche - Vergleich

Was unterscheidet Vermögende?

Wohlhabende Familien, die ihr Vermögen über Generationen erhalten haben, folgen bestimmten Prinzipien, die sich von der Denkweise der Mehrheit unterscheiden. Diese Strategien sind keine Geheimnisse, aber sie werden selten offen diskutiert.

In diesem Artikel beleuchten wir, was vermögende Familien anders machen und welche Lehren daraus für jeden Vermögensaufbau relevant sind.

Prinzip 1: Langfristiges Denken

Der vielleicht wichtigste Unterschied liegt im Zeithorizont. Während die meisten Menschen in Jahren denken, denken vermögende Familien in Generationen.

Was das konkret bedeutet:

  • Investitionsentscheidungen werden nicht nach kurzfristigen Trends getroffen
  • Vermögenswerte werden nicht bei jeder Schwankung verkauft
  • Die Frage lautet nicht "Was bringt nächstes Jahr?", sondern "Ist das in 30 Jahren noch wertvoll?"
  • Geduld gilt als Tugend, nicht als Schwäche

Diese langfristige Perspektive ermöglicht es, Marktzyklen auszusitzen, günstig zu kaufen, wenn andere panisch verkaufen, und von Zinseszinseffekten zu nutzen.

Prinzip 2: Breite Streuung auf mehreren Ebenen

Diversifikation ist ein Begriff, den jeder kennt. Vermögende Familien praktizieren sie jedoch umfassender als die meisten.

Streuung über Anlageklassen

KategorieTypischer AnteilZweck
Immobilien25-35%Substanz, Einkommen
Aktien/Beteiligungen25-35%Wachstum
Anleihen/Festzins15-20%Stabilität
Sachwerte (Gold, Diamanten)10-15%Krisenvorsorge
Liquidität5-10%Flexibilität

Streuung über Regionen

Vermögende Familien legen nicht alles in einem Land an:

  • Immobilien in verschiedenen Ländern
  • Bankkonten in mehreren Jurisdiktionen
  • Sachwerte teilweise außerhalb des Heimatlandes verwahrt

Streuung über Währungen

Das Vermögen ist nicht vollständig in einer Währung gebunden:

  • Teile in USD, CHF oder anderen stabilen Währungen
  • Sachwerte wie Gold sind währungsunabhängig

Prinzip 3: Substanz vor Spekulation

Vermögende Familien unterscheiden klar zwischen Vermögenserhalt und Vermögenswachstum. Ein Grundsatz lautet: Erst erhalten, dann wachsen.

Konkret bedeutet das:

  • Ein solider Kern des Vermögens liegt in Sachwerten mit realem Wert
  • Spekulative Anlagen werden nur mit Geld getätigt, dessen Verlust verschmerzbar wäre
  • Die Jagd nach dem schnellen Euro wird als Risiko für den Gesamtbestand gesehen

Die Geschichte zeigt: Vermögen werden häufiger durch schlechte Entscheidungen vernichtet als durch fehlende Chancennutzung.

Prinzip 4: Unabhängigkeit vom System

Ein Merkmal vermögender Familien ist ein gewisses Misstrauen gegenüber Institutionen und Systemen. Das klingt zunächst kritisch, ist aber historisch begründet.

Historische Erfahrungen:

  • Währungsreformen haben Spareinlagen vernichtet
  • Staatsbankrotte haben Anleihen wertlos gemacht
  • Bankenkrisen haben Vermögen eingefroren
  • Politische Umwälzungen haben Enteignungen gebracht

Die Konsequenz: Vermögende Familien halten einen Teil ihres Vermögens in Sachwerten, die unabhängig von Banken, Staaten und Zahlungsversprechen Dritter existieren. Gold, Diamanten oder Kunstwerke gehören einem direkt, ohne Gegenparteirisiko.

Details zu den Unterschieden zwischen portablen und immobilen Werten finden Sie in unserem Vergleich Portable vs. immobile Werte.

Prinzip 5: Diskretion als Wert

Über Geld spricht man nicht, sagt das alte Sprichwort. Vermögende Familien leben nach diesem Grundsatz.

Warum Diskretion wichtig ist:

  • Schutz vor Neid und sozialer Missgunst
  • Sicherheit vor Kriminalität
  • Vermeidung ungebetener Ratschläge und Anfragen
  • Bewahrung familiärer Harmonie

Praktische Umsetzung:

  • Vermögenswerte nicht öffentlich zur Schau stellen
  • Bankverbindungen und Depots nicht an einem Ort konzentrieren
  • Portable Sachwerte diskret aufbewahren
  • Zurückhaltung bei öffentlichen Vermögensangaben

Prinzip 6: Professionelle Strukturierung

Ab einer gewissen Vermögensgröße arbeiten Familien mit Experten zusammen:

Family Office

Sehr vermögende Familien haben oft ein eigenes "Family Office", das sich um alle finanziellen Angelegenheiten kümmert:

  • Koordination verschiedener Berater
  • Überwachung der Vermögensentwicklung
  • Steuer- und Nachlassplanung
  • Risikomanagement

Externe Berater

Auch ohne eigenes Family Office nutzen vermögende Familien:

  • Unabhängige Vermögensberater (nicht provisionsgetrieben)
  • Steuerberater mit Spezialisierung auf Vermögende
  • Rechtsanwälte für Erbschafts- und Gesellschaftsrecht
  • Spezialisierte Versicherungsmakler

Der Schlüssel liegt in der Unabhängigkeit der Berater. Wer Provisionen verdient, hat andere Anreize als jemand, der auf Honorarbasis arbeitet.

Prinzip 7: Generationenübergreifende Planung

Vermögenserhalt über Generationen erfordert aktive Planung:

Frühzeitige Übertragung

Statt alles bis zum Lebensende zu behalten, übertragen vermögende Familien schrittweise:

  • Nutzung von Freibeträgen alle 10 Jahre
  • Übergabe von Verantwortung an die nächste Generation
  • Vermeidung hoher Erbschaftssteuern

Bildung der Erben

Geld allein reicht nicht. Die nächste Generation muss lernen, damit umzugehen:

  • Finanzielle Bildung von früh an
  • Einbindung in Entscheidungen
  • Vermittlung der Familienwerte bezüglich Geld
  • Lernen aus Fehlern (mit überschaubaren Beträgen)

Strukturierte Übergabe

Nicht alles auf einmal, sondern gestaffelt:

  • Erste Übertragungen in jungen Jahren mit klaren Regeln
  • Wachsende Verantwortung mit zunehmendem Alter
  • Vollständige Kontrolle erst nach bewiesener Kompetenz

Mehr zu Vermögensschutz-Strategien und typischen Fehlern, die es zu vermeiden gilt, finden Sie in unseren ausführlichen Artikeln.

Was Sie daraus lernen können

Diese Prinzipien sind nicht nur für Millionäre relevant. Auch mit kleineren Beträgen können Sie:

  1. Langfristig denken: Nicht jeden Trend mitmachen, Geduld haben
  2. Breit streuen: Nicht alles auf eine Karte setzen
  3. Substanz aufbauen: Einen Teil in Sachwerten halten
  4. Unabhängigkeit wahren: Nicht vollständig vom Bankensystem abhängig sein
  5. Diskret bleiben: Nicht über Vermögen prahlen
  6. Professionell beraten lassen: Bei wichtigen Entscheidungen Experten einbeziehen
  7. An die Zukunft denken: Nachfolge frühzeitig planen

Fazit

Die Strategien vermögender Familien sind keine Geheimnisse. Sie basieren auf Prinzipien, die jeder anwenden kann: langfristiges Denken, breite Streuung, Substanz, Unabhängigkeit und vorausschauende Planung.

Der Unterschied liegt oft nicht im Wissen, sondern in der konsequenten Umsetzung. Vermögende Familien handeln nach ihren Prinzipien, auch wenn kurzfristige Versuchungen locken.

Beginnen Sie dort, wo Sie stehen, und bauen Sie Schritt für Schritt auf bewährten Grundsätzen auf. Das ist der Weg, der funktioniert.

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Über den Autor

Dr. Katharina Meier

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Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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