Azar Wealth

Vergleiche

Sachwerte
Vor – und Nachteile im Überblick

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Vergleiche - Vergleich

Sachwerte vor und nachteile – Ein Überblick

Sachwerte polarisieren: Die einen sehen sie als unverzichtbaren Baustein jeder Vermögensstrategie, die anderen als überholte Relikte vergangener Zeiten. Die Wahrheit liegt – wie so oft – in einer differenzierten Betrachtung.

Als Leiterin Research & Analyse bei Azar Wealth analysiere ich regelmäßig, wie sich verschiedene Vermögensklassen in unterschiedlichen Marktphasen verhalten. Die Analyse zeigt: Sachwerte haben spezifische Stärken und Schwächen, die sie für bestimmte Anlegertypen und Situationen geeignet machen – für andere jedoch nicht.

Überblick

Wenn Sie sachwerte vor und nachteile in Betracht ziehen, sollten Sie fünf zentrale Dimensionen systematisch bewerten: Sicherheit, Liquidität, Wertstabilität, Portabilität und Komplexität. Nur eine mehrdimensionale Analyse führt zu fundierten Entscheidungen.

Vergleichskriterien

Im Vergleich über fünf Dimensionen schneiden Sachwerte unterschiedlich ab – je nach spezifischem Asset und Marktumfeld:

KriteriumPhysisches GoldDiamantenImmobilienKunst/Sammlerobjekte
SicherheitSehr hochHochMittel-hochVariabel
LiquiditätHochNiedrig-mittelNiedrigSehr niedrig
WertstabilitätHochSehr hochMittelHoch (bei Qualität)
PortabilitätHochSehr hochNicht vorhandenNiedrig-mittel
KomplexitätNiedrigHochHochSehr hoch

Detaillierte Analyse

Vorteile

Systemunabhängigkeit: Der fundamentale Vorteil von Sachwerten liegt in ihrer Existenz außerhalb des Finanzsystems. Während Aktien, Anleihen und Bankguthaben Forderungen gegen Institutionen darstellen, sind Sachwerte eigenständige Vermögenswerte. In meiner Analyse der Finanzkrise 2008 zeigte sich: Während Lehman Brothers-Anleihen wertlos wurden, behielten physische Sachwerte ihren intrinsischen Wert.

Inflationsschutz: Historische Daten über 50 Jahre zeigen eine starke Korrelation zwischen Sachwertpreisen und Inflationsraten. Gold beispielsweise hat seit 1971 eine durchschnittliche jährliche Wertsteigerung von 7,8% erzielt – deutlich über der Inflationsrate von 4,2% im gleichen Zeitraum.

Portabilität und Diskretion: Besonders bei hochwertigen Sachwerten wie Diamanten oder Gold erreichen Sie extreme Wertdichte. Ein Vermögen von einer Million Euro lässt sich in Form von Anlage-Diamanten in einer Jackentasche transportieren – ein entscheidender Vorteil für internationale Mobilität.

Krisenresilienz: Die Evidenz deutet darauf hin, dass Sachwerte in verschiedenen Krisentypen unterschiedlich, aber meist positiv reagieren. Währungskrisen begünstigen Edelmetalle, geopolitische Spannungen treiben Kunstpreise, Hyperinflation macht alle physischen Werte attraktiv.

Steuerliche Vorteile: In Deutschland sind private Veräußerungserträge bei Sachwerten nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei – ein Vorteil, den Finanzanlagen nicht bieten.

Nachteile

Keine laufenden Erträge: Sachwerte generieren keine Dividenden, Zinsen oder Mieterträge. Ein Goldbarren produziert keinen Cashflow – er bewahrt Wert, vermehrt ihn aber nicht aktiv. Für einkommensorientierte Anleger ist das ein entscheidender Nachteil.

Lager- und Versicherungskosten: Physische Sachwerte verursachen laufende Kosten. Professionelle Lagerung kostet 0,5-1,5% des Wertes jährlich, Versicherung weitere 0,1-0,3%. Bei einem Portfolio von 500.000 Euro in Gold entstehen so jährliche Kosten von 3.000-9.000 Euro.

Liquiditätsunterschiede: Während Gold binnen Stunden verkaufbar ist, kann der Verkauf von Kunstobjekten oder seltenen Diamanten Monate dauern. Bei nüchterner Betrachtung müssen Sie zwischen Liquidität (schnelle Verkaufbarkeit) und Marketability (Verkaufbarkeit zum fairen Preis) unterscheiden.

Bewertungskomplexität: Außer bei standardisierten Edelmetallen ist die Bewertung komplex und subjektiv. Ein Picasso hat keinen objektiven "Marktwert" – nur den Preis, den ein Käufer zu einem bestimmten Zeitpunkt zu zahlen bereit ist.

Volatilität: Entgegen der landläufigen Meinung können Sachwerte erheblich schwanken. Gold verlor zwischen 1980 und 2001 real über 60% seines Wertes. Kunstmärkte können jahrelang stagnieren oder einbrechen.

Alternativen im Vergleich

Um Sachwerte richtig einzuordnen, müssen Sie sie im Kontext alternativer Vermögensklassen betrachten:

Sachwerte vs. Aktien

AspektSachwerteAktien
Langfristertrag3-7% p.a.7-10% p.a.
VolatilitätMittelHoch
LiquiditätVariabelHoch
InflationsschutzSehr gutMittel
KomplexitätHochNiedrig-mittel

Sachwerte vs. Immobilien

Gemeinsamkeiten: Beide sind physische Assets mit Inflationsschutz und steuerlichen Vorteilen.

Unterschiede: Immobilien generieren Mieteinnahmen, sind aber standortgebunden und illiquide. Sachwerte wie Gold oder Diamanten sind mobil, aber ertraglos.

Sachwerte vs. Kryptowährungen

Beide gelten als "alternative" Vermögensklassen, unterscheiden sich aber fundamental:

  • Sachwerte: Jahrtausendealte Wertaufbewahrung, physisch greifbar, moderate Volatilität
  • Kryptowährungen: Digitale Innovation, extrem volatil, technologieabhängig

Für konservative Vermögensbewahrung sind etablierte Sachwerte die reifere Option.

Für wen eignet sich diese Option?

Geeignet für:

Vermögende mit Systemskepsis: Wenn Sie dem Finanzsystem misstrauen oder strukturelle Risiken sehen, bieten Sachwerte echte Diversifikation außerhalb des Systems.

Internationale Familien: Bei häufigen Wohnsitzwechseln oder unsicherer politischer Lage in Ihrem Heimatland ermöglichen portable Sachwerte Vermögenstransfer ohne Bankensystem.

Langfristige Vermögensbewahrer: Wenn Ihr Ziel Werterhalt über Jahrzehnte ist, nicht Maximierung des Ertrags, passen Sachwerte zur Strategie.

Inflationsbesorgte: Bei Sorge vor Währungsentwertung oder Hyperinflation bieten Sachwerte historisch bewährten Schutz.

Weniger geeignet für:

Einkommenssuchende: Ohne laufende Erträge sind Sachwerte für Anleger ungeeignet, die auf Dividenden oder Zinsen angewiesen sind.

Liquiditätsbedürftige: Wenn Sie kurzfristig auf Ihr Kapital zugreifen müssen, sind die meisten Sachwerte zu illiquide.

Ertragsorientierte: Historisch erzielen Sachwerte niedrigere Erträge als Aktien. Für Wachstumsziele sind sie suboptimal.

Unerfahrene Anleger: Die Komplexität bei Bewertung, Lagerung und Verkauf überfordert Einsteiger oft.

Unsere Einschätzung

Nach 15 Jahren Analyse verschiedener Vermögensklassen ist mein Fazit differenziert: Sachwerte sind weder Allheilmittel noch überflüssig – sie sind Spezialwerkzeuge für spezifische Situationen.

Für vermögende Deutsche empfehle ich typischerweise eine Allokation von 10-25% in Sachwerte, abhängig von:

  • Systemvertrauen: Je skeptischer Sie gegenüber dem Finanzsystem sind, desto höher der Anteil
  • Liquiditätsbedarf: Je geringer Ihr Liquiditätsbedarf, desto mehr Sachwerte sind möglich
  • Anlagehorizont: Je länger Ihr Horizont, desto besser passen Sachwerte
  • Komplexitätstoleranz: Je mehr Sie sich einarbeiten möchten, desto vielfältiger die Optionen

Die Evidenz deutet darauf hin, dass eine moderate Beimischung von Sachwerten die Portfoliostabilität erhöht, ohne den Ertrag übermäßig zu belasten. Der optimale Mix hängt jedoch stark von Ihrer individuellen Situation ab.

Eine professionelle Analyse Ihrer spezifischen Umstände ist daher unerlässlich, bevor Sie sich für oder gegen Sachwerte entscheiden. Die Komplexität dieser Entscheidung rechtfertigt eine individuelle Beratung – denn bei Vermögensschutz gibt es keine Standardlösungen.

Sachwerte auf einen Blick (Februar 2026)

SachwertLiquiditätWertdichteLagerkostenEmpfehlung
GoldSehr hochHochMittelBasis für jeden
DiamantenMittelSehr hochGeringAb 500k Vermögen
ImmobilienGeringNiedrigHochKlumpenrisiko beachten
KunstSehr geringVariabelHochNur für Experten
UhrenMittelHochGeringSehr volatil

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Über den Autor

Dr. Katharina Meier

Dr. Katharina Meier

Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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