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Vergleiche

Immobilien als Anlage
Vor – und Nachteile im Überblick

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Vergleiche - Vergleich

Immobilien gelten in Deutschland traditionell als sichere Anlageform. "Betongold" wird oft als krisensicher beschrieben. Doch diese pauschale Einschätzung verdient eine differenzierte Betrachtung. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Immobilien als Anlageform - ehrlich, objektiv und ohne Beschönigung.

Die emotionale Komponente

Bevor wir in die Fakten einsteigen, ein wichtiger Hinweis: Immobilien haben eine starke emotionale Komponente. Das eigene Haus, die vermietete Wohnung - sie vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit, das Zahlen allein nicht erfassen. Diese emotionale Bindung ist legitim, sollte aber bei einer nüchternen Analyse ausgeklammert werden.

Die Vorteile von Immobilien

1. Substanzwert und Inflationsschutz

Immobilien sind reale Sachwerte. Die Bausubstanz, das Grundstück - sie haben einen intrinsischen Wert, der nicht auf null fallen kann. Historisch haben Immobilien in Inflationsphasen ihren Wert weitgehend erhalten, oft sogar gesteigert.

2. Mieteinnahmen als laufender Ertrag

AspektVorteil
Regelmäßiger CashflowMonatliche Mieteinnahmen
InflationsanpassungMieterhöhungen möglich
Steuerliche GestaltungAbschreibungen, Werbungskosten

3. Hebelwirkung durch Finanzierung

Immobilien können mit Fremdkapital finanziert werden. Bei einer Finanzierung von 80% und einer Wertsteigerung von 20% hat sich Ihr Eigenkapital verdoppelt. Diese Hebelwirkung kann die Eigenkapitalentwicklung erheblich beschleunigen.

4. Steuervorteile

  • Abschreibung: 2-3% pro Jahr auf den Gebäudewert
  • Werbungskosten: Zinsen, Instandhaltung, Verwaltung absetzbar
  • Spekulationsfrist: Nach 10 Jahren Haltedauer steuerfreier Verkauf

5. Selbstnutzung als Option

Im Gegensatz zu Gold oder Diamanten können Sie eine Immobilie selbst nutzen. Diese Flexibilität kann in bestimmten Lebensphasen wertvoll sein.

Die Nachteile von Immobilien

1. Illiquidität

Der vielleicht größte Nachteil: Immobilien sind extrem illiquide. Ein Verkauf dauert typischerweise 3-12 Monate und verursacht erhebliche Kosten:

KostenartHöhe
Maklercourtage3-6% des Kaufpreises
Notarkosten Käuferca. 1,5%
Grunderwerbsteuer Käufer3,5-6,5% je nach Bundesland
Vorfälligkeitsentschädigungvariabel, oft mehrere tausend Euro

Wichtig: Diese Kosten tragen zwar meist die Käufer, reduzieren aber den erzielbaren Preis. In dringenden Verkaufssituationen müssen Verkäufer oft erhebliche Abschläge akzeptieren.

2. Transparenz im Grundbuch

Immobilien sind öffentlich einsehbar. Jeder kann beim Grundbuchamt nachfragen, wem ein Grundstück gehört. Für vermögende Privatpersonen kann diese Transparenz unerwünscht sein - sei es aus Sicherheitsgründen oder wegen ungebetener Anfragen.

3. Regulatorische Risiken

Immobilien unterliegen umfangreichen staatlichen Eingriffen:

  • Mietpreisbremse: Begrenzt Mieterhöhungen in angespannten Märkten
  • Mietdeckel: Kann Mieteinnahmen drastisch reduzieren (siehe Berlin 2020-2021)
  • Energetische Sanierungspflichten: Hohe Kosten durch EU-Gebäuderichtlinie
  • Grundsteuerreform: Ungewisse künftige Belastung
  • Enteignungsdebatte: Politisch diskutiert, rechtlich möglich

Diese Risiken sind nicht theoretisch - sie greifen bereits heute in die Eigentumsrechte von Immobilienbesitzern ein.

4. Klumpenrisiko

Eine typische Immobilie bindet oft 200.000 bis 500.000 EUR oder mehr. Damit ist ein erheblicher Teil des Vermögens in einem einzigen Objekt konzentriert:

  • In einer Stadt
  • In einer Mikrolage
  • Abhängig von einem oder wenigen Mietern

Fällt der lokale Markt oder gibt es Probleme mit der spezifischen Immobilie, ist ein großer Teil des Vermögens betroffen.

5. Laufende Kosten und Aufwand

Immobilien erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit und Kapital:

Laufende Kosten:

  • Instandhaltungsrücklage (ca. 1-2% des Wertes pro Jahr)
  • Verwaltungskosten
  • Versicherungen
  • Grundsteuer
  • Nicht umlegbare Nebenkosten

Zeitaufwand:

  • Mietersuche und -auswahl
  • Mietvertragsmanagement
  • Handwerkerkoordination
  • Nebenkostenabrechnungen
  • Rechtsstreitigkeiten

6. Mieterrisiken

RisikoAuswirkung
MietausfälleLaufende Kosten ohne Einnahmen
MietnomadenMonate bis Jahre bis zur Räumung
SachbeschädigungRenovierungskosten, Rechtsstreitigkeiten
LeerstandKeine Einnahmen bei vollen Kosten

Die deutsche Gesetzgebung schützt Mieter stark. Eine Räumungsklage kann 12-24 Monate dauern. In dieser Zeit laufen alle Kosten weiter.

7. Zinsänderungsrisiko

Bei fremdfinanzierten Immobilien kann eine Zinserhöhung bei der Anschlussfinanzierung die Kalkulation zerstören. Wer 2021 zu 1% finanziert hat und 2031 zu 4% anschlussfinanzieren muss, sieht seine monatliche Belastung drastisch steigen.

Immobilien im Vergleich zu anderen Sachwerten

KriteriumImmobilienGoldDiamanten
LiquiditätSehr geringHochMittel
Laufender ErtragJa (Miete)NeinNein
AnonymitätKeineHochSehr hoch
TeilbarkeitKeineGutGut
LagerkostenHoch (Instandhaltung)MittelGering
RegulierungsrisikoSehr hochGeringGering
FremdfinanzierungJaNeinNein

Für wen eignen sich Immobilien?

Immobilien können sinnvoll sein, wenn Sie:

  • Einen sehr langen Anlagehorizont haben (15+ Jahre)
  • Freude an der Verwaltung haben oder diese delegieren können
  • Das Klumpenrisiko durch ausreichend anderes Vermögen ausgleichen können
  • Die lokalen Marktbedingungen gut kennen
  • Die emotionale Komponente des "Betongolds" schätzen

Immobilien sind weniger geeignet, wenn Sie:

  • Flexibilität und Liquidität benötigen
  • Diskretion bei Ihrem Vermögen wünschen
  • Regulatorische Risiken minimieren möchten
  • Wenig Zeit für Verwaltungsaufgaben haben
  • Ihr Vermögen breit diversifizieren möchten

Fazit

Immobilien sind keine "sichere" Anlage im absoluten Sinn. Sie sind ein komplexes Anlagevehikel mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Die Illiquidität, die regulatorischen Risiken und das Klumpenrisiko werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt.

Für eine umfassende Vermögensstrategie kann es sinnvoll sein, Immobilien durch mobile, diskrete und liquide Sachwerte wie Gold oder Diamanten zu ergänzen. Diese Kombination vereint die Stärken verschiedener Anlageklassen und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Risikofaktoren.

Eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Situation - inklusive der emotionalen Bindung an "Betongold" - ist der erste Schritt zu einer ausgewogenen Vermögensstruktur.

Über den Autor

Dr. Katharina Meier

Dr. Katharina Meier

Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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