Vergleiche
Immobilien als Anlage
Vor – und Nachteile im Überblick


Immobilien gelten in Deutschland traditionell als sichere Anlageform. "Betongold" wird oft als krisensicher beschrieben. Doch diese pauschale Einschätzung verdient eine differenzierte Betrachtung. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Immobilien als Anlageform - ehrlich, objektiv und ohne Beschönigung.
Die emotionale Komponente
Bevor wir in die Fakten einsteigen, ein wichtiger Hinweis: Immobilien haben eine starke emotionale Komponente. Das eigene Haus, die vermietete Wohnung - sie vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit, das Zahlen allein nicht erfassen. Diese emotionale Bindung ist legitim, sollte aber bei einer nüchternen Analyse ausgeklammert werden.
Die Vorteile von Immobilien
1. Substanzwert und Inflationsschutz
Immobilien sind reale Sachwerte. Die Bausubstanz, das Grundstück - sie haben einen intrinsischen Wert, der nicht auf null fallen kann. Historisch haben Immobilien in Inflationsphasen ihren Wert weitgehend erhalten, oft sogar gesteigert.
2. Mieteinnahmen als laufender Ertrag
| Aspekt | Vorteil |
|---|---|
| Regelmäßiger Cashflow | Monatliche Mieteinnahmen |
| Inflationsanpassung | Mieterhöhungen möglich |
| Steuerliche Gestaltung | Abschreibungen, Werbungskosten |
3. Hebelwirkung durch Finanzierung
Immobilien können mit Fremdkapital finanziert werden. Bei einer Finanzierung von 80% und einer Wertsteigerung von 20% hat sich Ihr Eigenkapital verdoppelt. Diese Hebelwirkung kann die Eigenkapitalentwicklung erheblich beschleunigen.
4. Steuervorteile
- Abschreibung: 2-3% pro Jahr auf den Gebäudewert
- Werbungskosten: Zinsen, Instandhaltung, Verwaltung absetzbar
- Spekulationsfrist: Nach 10 Jahren Haltedauer steuerfreier Verkauf
5. Selbstnutzung als Option
Im Gegensatz zu Gold oder Diamanten können Sie eine Immobilie selbst nutzen. Diese Flexibilität kann in bestimmten Lebensphasen wertvoll sein.
Die Nachteile von Immobilien
1. Illiquidität
Der vielleicht größte Nachteil: Immobilien sind extrem illiquide. Ein Verkauf dauert typischerweise 3-12 Monate und verursacht erhebliche Kosten:
| Kostenart | Höhe |
|---|---|
| Maklercourtage | 3-6% des Kaufpreises |
| Notarkosten Käufer | ca. 1,5% |
| Grunderwerbsteuer Käufer | 3,5-6,5% je nach Bundesland |
| Vorfälligkeitsentschädigung | variabel, oft mehrere tausend Euro |
Wichtig: Diese Kosten tragen zwar meist die Käufer, reduzieren aber den erzielbaren Preis. In dringenden Verkaufssituationen müssen Verkäufer oft erhebliche Abschläge akzeptieren.
2. Transparenz im Grundbuch
Immobilien sind öffentlich einsehbar. Jeder kann beim Grundbuchamt nachfragen, wem ein Grundstück gehört. Für vermögende Privatpersonen kann diese Transparenz unerwünscht sein - sei es aus Sicherheitsgründen oder wegen ungebetener Anfragen.
3. Regulatorische Risiken
Immobilien unterliegen umfangreichen staatlichen Eingriffen:
- Mietpreisbremse: Begrenzt Mieterhöhungen in angespannten Märkten
- Mietdeckel: Kann Mieteinnahmen drastisch reduzieren (siehe Berlin 2020-2021)
- Energetische Sanierungspflichten: Hohe Kosten durch EU-Gebäuderichtlinie
- Grundsteuerreform: Ungewisse künftige Belastung
- Enteignungsdebatte: Politisch diskutiert, rechtlich möglich
Diese Risiken sind nicht theoretisch - sie greifen bereits heute in die Eigentumsrechte von Immobilienbesitzern ein.
4. Klumpenrisiko
Eine typische Immobilie bindet oft 200.000 bis 500.000 EUR oder mehr. Damit ist ein erheblicher Teil des Vermögens in einem einzigen Objekt konzentriert:
- In einer Stadt
- In einer Mikrolage
- Abhängig von einem oder wenigen Mietern
Fällt der lokale Markt oder gibt es Probleme mit der spezifischen Immobilie, ist ein großer Teil des Vermögens betroffen.
5. Laufende Kosten und Aufwand
Immobilien erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit und Kapital:
Laufende Kosten:
- Instandhaltungsrücklage (ca. 1-2% des Wertes pro Jahr)
- Verwaltungskosten
- Versicherungen
- Grundsteuer
- Nicht umlegbare Nebenkosten
Zeitaufwand:
- Mietersuche und -auswahl
- Mietvertragsmanagement
- Handwerkerkoordination
- Nebenkostenabrechnungen
- Rechtsstreitigkeiten
6. Mieterrisiken
| Risiko | Auswirkung |
|---|---|
| Mietausfälle | Laufende Kosten ohne Einnahmen |
| Mietnomaden | Monate bis Jahre bis zur Räumung |
| Sachbeschädigung | Renovierungskosten, Rechtsstreitigkeiten |
| Leerstand | Keine Einnahmen bei vollen Kosten |
Die deutsche Gesetzgebung schützt Mieter stark. Eine Räumungsklage kann 12-24 Monate dauern. In dieser Zeit laufen alle Kosten weiter.
7. Zinsänderungsrisiko
Bei fremdfinanzierten Immobilien kann eine Zinserhöhung bei der Anschlussfinanzierung die Kalkulation zerstören. Wer 2021 zu 1% finanziert hat und 2031 zu 4% anschlussfinanzieren muss, sieht seine monatliche Belastung drastisch steigen.
Immobilien im Vergleich zu anderen Sachwerten
| Kriterium | Immobilien | Gold | Diamanten |
|---|---|---|---|
| Liquidität | Sehr gering | Hoch | Mittel |
| Laufender Ertrag | Ja (Miete) | Nein | Nein |
| Anonymität | Keine | Hoch | Sehr hoch |
| Teilbarkeit | Keine | Gut | Gut |
| Lagerkosten | Hoch (Instandhaltung) | Mittel | Gering |
| Regulierungsrisiko | Sehr hoch | Gering | Gering |
| Fremdfinanzierung | Ja | Nein | Nein |
Für wen eignen sich Immobilien?
Immobilien können sinnvoll sein, wenn Sie:
- Einen sehr langen Anlagehorizont haben (15+ Jahre)
- Freude an der Verwaltung haben oder diese delegieren können
- Das Klumpenrisiko durch ausreichend anderes Vermögen ausgleichen können
- Die lokalen Marktbedingungen gut kennen
- Die emotionale Komponente des "Betongolds" schätzen
Immobilien sind weniger geeignet, wenn Sie:
- Flexibilität und Liquidität benötigen
- Diskretion bei Ihrem Vermögen wünschen
- Regulatorische Risiken minimieren möchten
- Wenig Zeit für Verwaltungsaufgaben haben
- Ihr Vermögen breit diversifizieren möchten
Fazit
Immobilien sind keine "sichere" Anlage im absoluten Sinn. Sie sind ein komplexes Anlagevehikel mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Die Illiquidität, die regulatorischen Risiken und das Klumpenrisiko werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt.
Für eine umfassende Vermögensstrategie kann es sinnvoll sein, Immobilien durch mobile, diskrete und liquide Sachwerte wie Gold oder Diamanten zu ergänzen. Diese Kombination vereint die Stärken verschiedener Anlageklassen und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Risikofaktoren.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Situation - inklusive der emotionalen Bindung an "Betongold" - ist der erste Schritt zu einer ausgewogenen Vermögensstruktur.
Über den Autor

Dr. Katharina Meier
Leiterin Research & Analyse
Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.
Bereit für den nächsten Schritt?
Ein unverbindliches Gespräch zeigt, ob und wie wir Ihnen helfen können.
Gespräch anfragen