Vergleiche
Festgeld vs. Sachwerte
Welche Anlage schützt Ihr Vermögen besser?


Festgeld galt lange als Inbegriff der sicheren Geldanlage: garantierte Zinsen, Einlagensicherung, kein Kursschwankungen. Doch in einer Zeit niedriger Zinsen und hoher Inflation stellt sich die Frage: Schützt Festgeld das Vermögen wirklich - oder vernichtet es schleichend Kaufkraft? Ein ehrlicher Vergleich mit Sachwerten.
Die Grundlagen verstehen
Was ist Festgeld?
Festgeld ist eine Bankeinlage mit fester Laufzeit und festem Zinssatz. Sie leihen der Bank Geld und erhalten dafür Zinsen. Am Ende der Laufzeit bekommen Sie Ihr Kapital plus Zinsen zurück.
Merkmale:
- Feste Laufzeit (1 Monat bis 10 Jahre)
- Garantierter Zinssatz
- Einlagensicherung bis 100.000 EUR pro Bank
- Keine vorzeitige Verfügbarkeit (oder nur mit Strafzinsen)
Was sind Sachwerte?
Sachwerte sind physische Vermögensgegenstände mit intrinsischem Wert: Gold, Diamanten, Immobilien, Kunst, Oldtimer. Ihr Wert beruht nicht auf einem Zahlungsversprechen, sondern auf dem Gegenstand selbst.
Der entscheidende Unterschied: Realzins vs. Nominalzins
Hier liegt der Kern des Problems mit Festgeld. Die Bank zahlt Ihnen einen Nominalzins. Was zählt, ist aber der Realzins - also der Nominalzins abzüglich der Inflation.
| Jahr | Typischer Festgeldzins | Inflation | Realzins |
|---|---|---|---|
| 2015 | 1,0% | 0,3% | +0,7% |
| 2019 | 0,5% | 1,4% | -0,9% |
| 2022 | 1,5% | 7,9% | -6,4% |
| 2023 | 3,5% | 5,9% | -2,4% |
Die bittere Wahrheit: Selbst mit 3,5% Festgeldzins verlor Geld 2023 real an Wert. 100.000 EUR hatten nach einem Jahr nur noch die Kaufkraft von etwa 97.600 EUR.
Festgeld: Die vermeintliche Sicherheit
Vorteile von Festgeld
- Nominale Garantie: Sie bekommen den vereinbarten Betrag zurück
- Einlagensicherung: Bis 100.000 EUR pro Bank und Kunde geschützt
- Planbarkeit: Zinsen und Rückzahlung sind bekannt
- Kein Aufwand: Keine Lagerung, keine Versicherung, keine Verwaltung
Die versteckten Risiken
1. Kaufkraftverlust durch Inflation
Dies ist das größte Risiko - und es wird systematisch unterschätzt. Bei 3% Inflation pro Jahr verliert Geld in 10 Jahren etwa 26% seiner Kaufkraft. Festgeld schützt davor nicht, wenn der Realzins negativ ist.
2. Begrenzung der Einlagensicherung
Die 100.000 EUR Grenze ist absolut. Wer mehr bei einer Bank anlegt, trägt das volle Ausfallrisiko für den übersteigenden Betrag.
3. Gegenparteirisiko
Festgeld ist eine Forderung gegen eine Bank. Scheitert die Bank und reicht die Einlagensicherung nicht, verlieren Sie Geld. In der Finanzkrise 2008 und der Zypernkrise 2013 wurde dieses Risiko real.
4. Zugangsrisiken
In Krisenzeiten können Bankkonten eingefroren werden. Griechenland 2015 und Zypern 2013 haben gezeigt, dass der Zugang zum eigenen Geld nicht selbstverständlich ist.
Sachwerte: Echtes Eigentum ohne Gegenpartei
Vorteile von Sachwerten
| Vorteil | Erläuterung |
|---|---|
| Kein Gegenparteirisiko | Physischer Besitz ohne Abhängigkeit von Dritten |
| Inflationsschutz | Historisch wertbeständig gegenüber Papiergeld |
| Nicht einfrierbar | Kein Staat kann den Zugang blockieren |
| Steuervorteile | Nach 12 Monaten Haltedauer oft steuerfrei |
| Wertdichte | Besonders bei Diamanten: hoher Wert auf kleinstem Raum |
Die Herausforderungen
1. Keine laufenden Erträge
Gold und Diamanten zahlen keine Zinsen. Der Ertrag entsteht ausschließlich durch Wertsteigerung.
2. Lagerung und Versicherung
Physische Sachwerte müssen sicher aufbewahrt werden. Dies verursacht Kosten:
- Tresor: einmalig 500-2.000 EUR
- Schließfach: 50-200 EUR pro Jahr
- Versicherung: ca. 0,1-0,5% des Wertes pro Jahr
3. Transaktionskosten
Beim Kauf und Verkauf entstehen Kosten (Spread). Bei Gold typischerweise 2-5%, bei Diamanten 10-20%.
4. Keine Garantie
Anders als beim Festgeld gibt es keine nominale Garantie. Der Wert kann schwanken.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Festgeld | Gold | Diamanten |
|---|---|---|---|
| Nominale Sicherheit | Hoch | Keine | Keine |
| Reale Sicherheit (Kaufkraft) | Gering | Hoch | Hoch |
| Gegenparteirisiko | Vorhanden | Keines | Keines |
| Zugang in Krisen | Unsicher | Gesichert | Gesichert |
| Laufende Erträge | Ja (Zinsen) | Nein | Nein |
| Lagerkosten | Keine | Ja | Gering |
| Liquidität | Eingeschränkt | Hoch | Mittel |
| Steuer nach 12 Mon. | Abgeltungssteuer | Steuerfrei | Steuerfrei |
| Einlagensicherung | Bis 100.000 EUR | Nicht nötig | Nicht nötig |
Wann macht welche Anlage Sinn?
Festgeld ist sinnvoll für:
- Kurzfristige Liquiditätsreserve (6-12 Monate Lebenshaltungskosten)
- Geld, das zu einem festen Zeitpunkt benötigt wird
- Beträge unter 100.000 EUR mit positivem Realzins
- Menschen, die absolut keine Wertschwankungen tolerieren
Sachwerte sind sinnvoll für:
- Langfristigen Vermögenserhalt (5+ Jahre)
- Schutz vor systemischen Risiken im Finanzsystem
- Vermögen oberhalb der Einlagensicherungsgrenze
- Diskretion und Unabhängigkeit von Banken
- Diversifikation eines zu bankenlastigen Portfolios
Die kluge Kombination
Ein ausgewogenes Vermögen nutzt beide Welten:
Liquiditätsreserve (10-20%): Tagesgeld und Festgeld für kurzfristigen Bedarf und bekannte Ausgaben.
Sachwerte (20-40%): Gold und Diamanten für langfristigen Vermögensschutz, unabhängig vom Bankensystem.
Andere Anlagen (Rest): Je nach Risikoneigung Aktien, Anleihen, Immobilien.
Fazit: Sicherheit neu denken
Die gefühlte Sicherheit von Festgeld kann trügen. Nominale Garantien schützen nicht vor Kaufkraftverlust. Und in echten Systemkrisen kann der Zugang zum eigenen Bankkonto eingeschränkt werden.
Sachwerte wie Gold und Diamanten bieten eine andere Art von Sicherheit: Sie sind echtes Eigentum, ohne Gegenpartei, ohne Einfrierungsrisiko, mit historisch bewährtem Inflationsschutz.
Die Frage ist nicht "Festgeld oder Sachwerte?" - sondern: Welche Mischung passt zu meiner Situation? Eine ehrliche Analyse der eigenen Bedürfnisse, Risiken und Ziele ist der erste Schritt zu einer robusten Vermögensstruktur.
Wenn Sie Ihre aktuelle Vermögensaufteilung überprüfen möchten, kann ein unverbindliches Gespräch Klarheit schaffen - ohne Verkaufsdruck, mit Fokus auf Ihre individuelle Situation.
Über den Autor

Dr. Katharina Meier
Leiterin Research & Analyse
Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.
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