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Vergleiche

ETF vs. Sachwerte
Vergleich und Bewertung

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Vergleiche - Vergleich

ETF vs. Sachwerte – Vergleich und Bewertung

Wenn Sie Ihr Vermögen strukturieren, stehen Sie vor grundlegenden Entscheidungen über die Aufteilung zwischen verschiedenen Vermögensklassen. ETFs und Sachwerte repräsentieren dabei zwei völlig unterschiedliche Philosophien: den effizienten Zugang zu Finanzmärkten versus den Besitz physischer Werte außerhalb des Systems.

Die Analyse zeigt, dass beide ihre Berechtigung haben – aber für unterschiedliche Funktionen in einer durchdachten Vermögensstruktur.

Überblick

ETFs (Exchange Traded Funds) bieten kostengünstigen, liquiden Zugang zu diversifizierten Portfolios von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen. Sachwerte wie Gold, Diamanten oder Kunstwerke sind physische Vermögenswerte, die Sie direkt besitzen und kontrollieren können.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Wertentwicklung, sondern in der Funktion: ETFs optimieren Ertrag und Diversifikation innerhalb des Finanzsystems. Sachwerte bieten Schutz vor Systemrisiken und ermöglichen wahre Vermögensportabilität.

Vergleichskriterien

Im Vergleich über fünf Dimensionen ergeben sich folgende Bewertungen:

KriteriumETFsSachwerteAnmerkung
LiquiditätSehr hochMittel bis niedrigETFs täglich handelbar, Sachwerte benötigen Verkaufsprozess
WertstabilitätMarktabhängigHoch in KrisenETFs folgen Märkten, Sachwerte bewähren sich bei Systemstress
PortabilitätDigitalPhysischETFs ortsunabhängig, Sachwerte diskret transportierbar
SystemrisikoHochNiedrigETFs vollständig im Finanzsystem, Sachwerte außerhalb
KosteneffizienzSehr hochNiedrigETFs 0,1-0,5% p.a., Sachwerte höhere Transaktionskosten

Detaillierte Analyse

ETFs: Stärken und Grenzen

Vorteile:

  • Sofortige Diversifikation über tausende Unternehmen oder Anleihen
  • Extrem niedrige Kosten (oft unter 0,2% jährlich)
  • Tägliche Handelbarkeit während Börsenzeiten
  • Transparente Preisbildung und einfache Bewertung
  • Keine physische Lagerung erforderlich
  • Automatische Dividenden- oder Zinserträge

Nachteile:

  • Vollständige Abhängigkeit vom Funktionieren der Finanzmärkte
  • Kein Schutz vor Systemkrisen (alle Korrelationen steigen gegen 1)
  • Counterparty-Risiko gegenüber Fondsgesellschaft und Depotbank
  • Potenzielle Liquiditätsprobleme in Stresssituationen
  • Keine physische Kontrolle über die zugrundeliegenden Werte
  • Vollständige Transparenz gegenüber Behörden und Banken

Sachwerte: Eigenschaften und Herausforderungen

Vorteile:

  • Echter Besitz ohne Counterparty-Risiko
  • Bewährung in historischen Krisen und Währungsreformen
  • Schutz vor Inflation und Währungsabwertung
  • Portabilität und Diskretion bei hochwertigen Objekten
  • Unabhängigkeit vom Bankensystem
  • Werterhalt über Jahrhunderte dokumentiert

Nachteile:

  • Keine laufenden Erträge (außer bei vermieteten Immobilien)
  • Höhere Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf
  • Lager- und Versicherungskosten
  • Expertise erforderlich für Qualitätsbewertung
  • Längere Verkaufsprozesse
  • Preisvolatilität in normalen Marktphasen

Alternativen im Vergleich

Bei nüchterner Betrachtung ergeben sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten:

StrategieETF-AnteilSachwert-AnteilGeeignet für
Traditionell80-90%10-20%Ertragsorientierte in stabilen Zeiten
Ausgewogen60-70%30-40%Vermögende mit Systembedenken
Defensiv40-50%50-60%Krisenvorsorge und Vermögensschutz
Portabilität20-30%70-80%Internationale Mobilität erforderlich

Spezifische Sachwert-Optionen

Gold: Liquidester Sachwert, etablierte Märkte, aber sperrig bei größeren Beträgen

Diamanten: Höchste Wertdichte, diskret transportierbar, erfordern jedoch Expertise beim Erwerb

Kunstwerke: Potenzial für Wertsteigerung, aber illiquide und subjektive Bewertung

Immobilien: Laufende Erträge möglich, aber ortsgebunden und schwer teilbar

Für wen eignet sich welche Option?

ETF-fokussierte Strategien eignen sich für:

  • Vermögensaufbau in stabilen Marktphasen
  • Anleger mit hoher Risikotoleranz
  • Personen ohne Systembedenken
  • Kostenoptimierte Portfolios
  • Regelmäßige Liquiditätsbedürfnisse

Sachwert-fokussierte Strategien eignen sich für:

  • Vermögensschutz vor Systemrisiken
  • Internationale Mobilität und Diskretion
  • Langfristige Werterhaltung über Generationen
  • Schutz vor Währungsreformen oder politischen Risiken
  • Ergänzung zu bestehenden Finanzanlagen

Die Kombination macht oft Sinn für:

  • Unternehmer mit konzentrierten Risiken
  • Vermögende ab 500.000 Euro liquide Mittel
  • Familien mit langfristigem Planungshorizont
  • Personen mit internationalen Bezügen

Unsere Einschätzung

Die Evidenz deutet darauf hin, dass ETFs und Sachwerte unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich ergänzen, statt konkurrieren.

ETFs sind überlegene Werkzeuge für:

  • Kosteneffiziente Marktpartizipation
  • Kurzfristige Liquidität
  • Diversifikation innerhalb des Finanzsystems

Sachwerte sind überlegen für:

  • Schutz vor Systemrisiken
  • Langfristige Werterhaltung
  • Vermögensportabilität und Diskretion

Praktische Empfehlung

Für vermögende Privatpersonen empfehlen wir typischerweise eine Struktur mit beiden Elementen:

  1. Basis-Allokation (60-80%): Kostengünstige ETFs für Markterträge und Liquidität
  2. Schutz-Komponente (20-40%): Hochwertige Sachwerte für Krisenresilienz

Die genaue Gewichtung hängt von Ihrer Risikoeinschätzung, Liquiditätsbedürfnissen und Ihrem Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems ab.

Der häufigste Fehler ist die "Entweder-oder"-Denkweise. Erfolgreiche Vermögensstrukturen nutzen beide Ansätze für ihre jeweiligen Stärken.

Über den Autor

Dr. Katharina Meier

Dr. Katharina Meier

Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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