Vergleiche
ETF vs. Sachwerte
Vergleich und Bewertung


ETF vs. Sachwerte – Vergleich und Bewertung
Wenn Sie Ihr Vermögen strukturieren, stehen Sie vor grundlegenden Entscheidungen über die Aufteilung zwischen verschiedenen Vermögensklassen. ETFs und Sachwerte repräsentieren dabei zwei völlig unterschiedliche Philosophien: den effizienten Zugang zu Finanzmärkten versus den Besitz physischer Werte außerhalb des Systems.
Die Analyse zeigt, dass beide ihre Berechtigung haben – aber für unterschiedliche Funktionen in einer durchdachten Vermögensstruktur.
Überblick
ETFs (Exchange Traded Funds) bieten kostengünstigen, liquiden Zugang zu diversifizierten Portfolios von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen. Sachwerte wie Gold, Diamanten oder Kunstwerke sind physische Vermögenswerte, die Sie direkt besitzen und kontrollieren können.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Wertentwicklung, sondern in der Funktion: ETFs optimieren Ertrag und Diversifikation innerhalb des Finanzsystems. Sachwerte bieten Schutz vor Systemrisiken und ermöglichen wahre Vermögensportabilität.
Vergleichskriterien
Im Vergleich über fünf Dimensionen ergeben sich folgende Bewertungen:
| Kriterium | ETFs | Sachwerte | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Liquidität | Sehr hoch | Mittel bis niedrig | ETFs täglich handelbar, Sachwerte benötigen Verkaufsprozess |
| Wertstabilität | Marktabhängig | Hoch in Krisen | ETFs folgen Märkten, Sachwerte bewähren sich bei Systemstress |
| Portabilität | Digital | Physisch | ETFs ortsunabhängig, Sachwerte diskret transportierbar |
| Systemrisiko | Hoch | Niedrig | ETFs vollständig im Finanzsystem, Sachwerte außerhalb |
| Kosteneffizienz | Sehr hoch | Niedrig | ETFs 0,1-0,5% p.a., Sachwerte höhere Transaktionskosten |
Detaillierte Analyse
ETFs: Stärken und Grenzen
Vorteile:
- Sofortige Diversifikation über tausende Unternehmen oder Anleihen
- Extrem niedrige Kosten (oft unter 0,2% jährlich)
- Tägliche Handelbarkeit während Börsenzeiten
- Transparente Preisbildung und einfache Bewertung
- Keine physische Lagerung erforderlich
- Automatische Dividenden- oder Zinserträge
Nachteile:
- Vollständige Abhängigkeit vom Funktionieren der Finanzmärkte
- Kein Schutz vor Systemkrisen (alle Korrelationen steigen gegen 1)
- Counterparty-Risiko gegenüber Fondsgesellschaft und Depotbank
- Potenzielle Liquiditätsprobleme in Stresssituationen
- Keine physische Kontrolle über die zugrundeliegenden Werte
- Vollständige Transparenz gegenüber Behörden und Banken
Sachwerte: Eigenschaften und Herausforderungen
Vorteile:
- Echter Besitz ohne Counterparty-Risiko
- Bewährung in historischen Krisen und Währungsreformen
- Schutz vor Inflation und Währungsabwertung
- Portabilität und Diskretion bei hochwertigen Objekten
- Unabhängigkeit vom Bankensystem
- Werterhalt über Jahrhunderte dokumentiert
Nachteile:
- Keine laufenden Erträge (außer bei vermieteten Immobilien)
- Höhere Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf
- Lager- und Versicherungskosten
- Expertise erforderlich für Qualitätsbewertung
- Längere Verkaufsprozesse
- Preisvolatilität in normalen Marktphasen
Alternativen im Vergleich
Bei nüchterner Betrachtung ergeben sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten:
| Strategie | ETF-Anteil | Sachwert-Anteil | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Traditionell | 80-90% | 10-20% | Ertragsorientierte in stabilen Zeiten |
| Ausgewogen | 60-70% | 30-40% | Vermögende mit Systembedenken |
| Defensiv | 40-50% | 50-60% | Krisenvorsorge und Vermögensschutz |
| Portabilität | 20-30% | 70-80% | Internationale Mobilität erforderlich |
Spezifische Sachwert-Optionen
Gold: Liquidester Sachwert, etablierte Märkte, aber sperrig bei größeren Beträgen
Diamanten: Höchste Wertdichte, diskret transportierbar, erfordern jedoch Expertise beim Erwerb
Kunstwerke: Potenzial für Wertsteigerung, aber illiquide und subjektive Bewertung
Immobilien: Laufende Erträge möglich, aber ortsgebunden und schwer teilbar
Für wen eignet sich welche Option?
ETF-fokussierte Strategien eignen sich für:
- Vermögensaufbau in stabilen Marktphasen
- Anleger mit hoher Risikotoleranz
- Personen ohne Systembedenken
- Kostenoptimierte Portfolios
- Regelmäßige Liquiditätsbedürfnisse
Sachwert-fokussierte Strategien eignen sich für:
- Vermögensschutz vor Systemrisiken
- Internationale Mobilität und Diskretion
- Langfristige Werterhaltung über Generationen
- Schutz vor Währungsreformen oder politischen Risiken
- Ergänzung zu bestehenden Finanzanlagen
Die Kombination macht oft Sinn für:
- Unternehmer mit konzentrierten Risiken
- Vermögende ab 500.000 Euro liquide Mittel
- Familien mit langfristigem Planungshorizont
- Personen mit internationalen Bezügen
Unsere Einschätzung
Die Evidenz deutet darauf hin, dass ETFs und Sachwerte unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich ergänzen, statt konkurrieren.
ETFs sind überlegene Werkzeuge für:
- Kosteneffiziente Marktpartizipation
- Kurzfristige Liquidität
- Diversifikation innerhalb des Finanzsystems
Sachwerte sind überlegen für:
- Schutz vor Systemrisiken
- Langfristige Werterhaltung
- Vermögensportabilität und Diskretion
Praktische Empfehlung
Für vermögende Privatpersonen empfehlen wir typischerweise eine Struktur mit beiden Elementen:
- Basis-Allokation (60-80%): Kostengünstige ETFs für Markterträge und Liquidität
- Schutz-Komponente (20-40%): Hochwertige Sachwerte für Krisenresilienz
Die genaue Gewichtung hängt von Ihrer Risikoeinschätzung, Liquiditätsbedürfnissen und Ihrem Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems ab.
Der häufigste Fehler ist die "Entweder-oder"-Denkweise. Erfolgreiche Vermögensstrukturen nutzen beide Ansätze für ihre jeweiligen Stärken.
Über den Autor

Dr. Katharina Meier
Leiterin Research & Analyse
Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.
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