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Vergleiche

Edelmetalle
Vor – und Nachteile ehrlich bewertet

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Vergleiche - Vergleich

Gold +128% in 5 Jahren. Silber +180%. Aber keine Dividenden.

Das ist das Edelmetall-Paradox: Starke Wertentwicklung, aber kein laufendes Einkommen. Edelmetalle sind Versicherung, nicht Anlage.

Ein Mandant aus Hamburg, 57: "Mein Bankberater hat mich 2020 ausgelacht, als ich 150.000 € in Gold stecken wollte. Heute ist das Gold 340.000 € wert. Er ruft nicht mehr an."

Edelmetalle sind keine Spekulation. Sie sind Absicherung gegen das, was niemand vorhersagen kann.

Überblick

Wenn Sie edelmetalle vor und nachteile in Betracht ziehen, sollten Sie mehrere Faktoren berücksichtigen. Bei nüchterner Betrachtung der vergangenen 50 Jahre zeigen Edelmetalle – insbesondere Gold – eine bemerkenswerte Eigenschaft: Sie korrelieren in Krisenzeiten oft negativ mit traditionellen Anlageklassen.

Vergleichskriterien

Im Vergleich über fünf Dimensionen bewerten wir Edelmetalle systematisch:

KriteriumGoldSilberPlatinPalladium
SicherheitSehr gutGutGutMittel
LiquiditätSehr gutGutMittelMittel
WertstabilitätGutVolatilVolatilSehr volatil
PortabilitätSehr gutMittelSehr gutSehr gut
AkzeptanzUniversalGutBegrenztBegrenzt

Detaillierte Analyse

Vorteile

Systemunabhängigkeit: Edelmetalle existieren außerhalb des Bankensystems. Während Kontoguthaben durch Bail-ins, Kapitalverkehrskontrollen oder Währungsreformen bedroht sein können, bleiben physische Edelmetalle davon unberührt.

Inflationsschutz über lange Zeiträume: Gold behielt über Jahrhunderte seine Kaufkraft. Eine Unze Gold kaufte im Jahr 1900 etwa so viel wie heute – trotz aller Währungskrisen dazwischen.

Hohe Liquidität: Gold und Silber können weltweit schnell verkauft werden. Märkte existieren in praktisch jedem Land, Preise sind transparent und standardisiert.

Portabilität: Ein Vermögen von 100.000 Euro in Gold wiegt etwa 2,5 Kilogramm – problemlos transportabel. Diese Eigenschaft war historisch in Flucht- und Migrationssituationen entscheidend.

Keine Gegenparteirisiken: Im Gegensatz zu Anleihen, Aktien oder Bankguthaben hängt der Wert nicht vom Überleben einer Institution ab.

Steuerliche Vorteile: Physisches Gold ist nach einem Jahr Haltedauer in Deutschland steuerfrei veräußerbar. Silber unterliegt als Anlage der Differenzbesteuerung.

Nachteile

Keine laufenden Erträge: Edelmetalle generieren keine Zinsen, Dividenden oder Mieten. Der gesamte Ertrag muss über Preissteigerungen kommen.

Lager- und Versicherungskosten: Sichere Aufbewahrung kostet typischerweise 0,5-1,5% des Werts jährlich. Diese Kosten schmälern den realen Ertrag erheblich.

Volatilität: Besonders Silber und Industriemetalle schwanken stark. Gold verlor zwischen 1980 und 2001 real über 80% seines Werts.

Begrenzte industrielle Nachfrage: Anders als Kupfer oder Öl haben Gold und Silber primär monetären Charakter. Die Nachfrage ist daher psychologisch getrieben und kann schnell schwanken.

Regulierungsrisiken: Staaten können Besitz beschränken oder besteuern. Die USA verboten privaten Goldbesitz von 1933-1974.

Alternativen im Vergleich

Die Evidenz deutet darauf hin, dass verschiedene Sachwerte unterschiedliche Stärken haben:

EigenschaftEdelmetalleDiamantenImmobilienKunst
WertdichteGutHervorragendSchlechtMittel
LiquiditätSehr gutMittel*MittelSchlecht
TransparenzSehr gutMittelGutSchlecht
Laufende KostenMittelNiedrigHochHoch
DiskretionGutHervorragendSchlechtMittel

*Diamanten erfordern Expertise, bieten aber bei richtiger Auswahl gute Liquidität über spezialisierte Händler.

Praktische Überlegungen

Welche Edelmetalle?

Gold (80-90% der Allokation): Bewährteste monetäre Reserve. Münzen wie Krügerrand oder Maple Leaf sind weltweit anerkannt.

Silber (10-20%): Höhere Volatilität, aber auch größeres Aufwärtspotenzial bei Inflationsschüben. Gold-Silber-Ratio schwankt historisch zwischen 15:1 und 100:1.

Platin/Palladium: Nur für Spezialisten. Starke industrielle Nachfrageschwankungen machen sie ungeeignet als monetäre Reserve.

Aufbewahrungsformen

Physisch zu Hause: Maximale Kontrolle, aber Sicherheitsrisiken und Versicherungsprobleme.

Bankschließfach: Guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Zugang. Risiko: Bail-in-Szenarien könnten auch Schließfächer betreffen.

Zollfreilager: Professionelle Lagerung außerhalb des Bankensystems. Höchste Sicherheit, aber weniger schneller Zugriff.

Für wen eignet sich diese Option?

Geeignet für:

Vermögende mit Systemskepsis: Wer dem Finanzsystem nicht vollständig vertraut, sollte 5-15% in physischen Edelmetallen halten.

Langfristorientierte: Edelmetalle funktionieren über Jahrzehnte, nicht Jahre. Wer binnen fünf Jahren Liquidität braucht, ist falsch beraten.

Inflationsschutz-Suchende: Bei steigenden Preisen haben Edelmetalle historisch gut abgeschnitten – allerdings mit erheblichen Schwankungen.

Ungeeignet für:

Ertragsorientierte Anleger: Wer regelmäßige Einkommen aus seinem Vermögen braucht, findet bessere Alternativen.

Spekulanten: Kurzfristige Preisbewegungen sind unvorhersagbar. Edelmetalle sind Versicherung, nicht Spekulation.

Vollständige Systemverweigerer: Wer glaubt, nur Edelmetalle seien sicher, übersieht andere wichtige Risiken (Diebstahl, Konfiskation, Liquiditätsengpässe).

Unsere Einschätzung

Edelmetalle verdienen einen Platz in jeder durchdachten Vermögensstrategie – aber nicht als Allheilmittel. Die optimale Allokation liegt für die meisten vermögenden Familien zwischen 5-15% des Gesamtvermögens.

Der größte Fehler ist die Erwartung hoher Erträge. Edelmetalle sind Versicherung gegen Systemrisiken, nicht Ertragsbringer. Wer das versteht, kann sie sinnvoll einsetzen.

Für höhere Wertdichte bei ähnlichen Schutzeigenschaften sollten Sie auch alternative Sachwerte prüfen. Die Kombination verschiedener physischer Werte bietet bessere Diversifikation als Edelmetalle allein.

Eine fundierte Gesamtstrategie berücksichtigt Ihre persönliche Situation, Risikobereitschaft und Liquiditätsbedürfnisse.

Edelmetalle in Zahlen (Februar 2026)

MetallPreis5-Jahres-EntwicklungMwSt.Steuerfrei nach
Gold127 €/g+128%0%12 Monaten
Silber1,25 €/g+180%19%12 Monaten
Platin32 €/g+45%19%12 Monaten
Palladium28 €/g-15%19%12 Monaten

Die Faustregeln

  • 10-15% des liquiden Vermögens in Edelmetallen
  • 80-90% davon in Gold (der bewährte Standard)
  • 10-20% in Silber (höhere Volatilität, höheres Potential)
  • Platin/Palladium nur für Spezialisten

Der häufigste Fehler

Zu spät kaufen. Die meisten kaufen Edelmetalle, wenn die Krise schon da ist. Dann sind die Preise hoch und die Verfügbarkeit knapp.

Der richtige Zeitpunkt für Edelmetalle ist jetzt – wenn niemand darüber redet und die Preise noch nicht durch Panik getrieben sind.

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Über den Autor

Dr. Katharina Meier

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Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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