Geld anlegen
Was tun mit Erspartem? Strategien für Ihr Vermögen


Eine gute Ausgangslage
Sie haben es geschafft: Durch Disziplin und Verzicht haben Sie ein Vermögen aufgebaut. Vielleicht sind es 50.000 Euro, vielleicht 200.000 Euro oder mehr. Nun stellt sich die Frage, die viele Menschen umtreibt: Was ist der beste Weg, dieses Geld sinnvoll anzulegen?
Diese Frage verdient eine durchdachte Antwort. Denn die Entscheidung, die Sie heute treffen, wird die Entwicklung Ihres Vermögens über Jahre und Jahrzehnte beeinflussen.
Der erste Schritt: Bestandsaufnahme
Bevor Sie sich mit Anlageoptionen beschäftigen, sollten Sie sich Klarheit über Ihre Situation verschaffen.
Fragen zur Selbstreflexion
Wie sieht mein finanzieller Gesamtüberblick aus?
- Welche Vermögenswerte besitze ich bereits?
- Habe ich Schulden oder Verbindlichkeiten?
- Wie hoch sind meine monatlichen Fixkosten?
- Ist mein Einkommen stabil?
Was sind meine Ziele?
- Spare ich für einen bestimmten Zweck?
- Will ich Vermögen für die nächste Generation aufbauen?
- Geht es mir primär um Sicherheit oder um Wachstum?
- Wie wichtig ist mir Flexibilität?
Wie ist mein Zeithorizont?
- Brauche ich das Geld möglicherweise in den nächsten Jahren?
- Oder kann ich es für zehn Jahre oder länger anlegen?
Die Notfallreserve: Basis jeder Finanzplanung
Unabhängig von Ihren Zielen sollte der erste Teil Ihres Ersparten in eine Notfallreserve fließen. Diese Rücklage schützt Sie vor unerwarteten Ausgaben, ohne dass Sie andere Anlagen ungünstig auflösen müssen.
Richtwert: Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem leicht zugänglichen Tagesgeldkonto.
Haben Sie diese Reserve bereits? Dann können Sie sich den weiteren Überlegungen widmen.
Strategie 1: Sicherheit und Werterhalt
Wenn Sicherheit Ihre oberste Priorität ist, stehen bewährte Optionen zur Verfügung.
Festgeld und Tagesgeld
Vorteile:
- Einlagensicherung bis 100.000 EUR
- Keine Kursschwankungen
- Planbare Erträge
Zu bedenken:
- Zinsen oft unter der Inflationsrate
- Keine Flexibilität bei Festgeld
- Ihr Geld ist eine Forderung gegen die Bank
Staatsanleihen
Vorteile:
- Hohe Sicherheit bei Staaten mit guter Bonität
- Handelbar an der Börse
- Verschiedene Laufzeiten
Zu bedenken:
- Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
- Komplexer als einfache Sparprodukte
Mehr zu sicheren Anlageformen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel.
Strategie 2: Substanz und Sachwerte
Wer sein Vermögen unabhängig vom Finanzsystem sichern möchte, sollte Sachwerte in Betracht ziehen.
Was sind Sachwerte?
Sachwerte sind materielle Vermögenswerte mit innerem Wert: Edelmetalle, Immobilien, Kunst oder andere physische Besitztümer. Sie existieren unabhängig von Banken, Währungen oder Zahlungsversprechen.
Vorteile:
- Kein Gegenparteirisiko bei direktem Besitz
- Historischer Schutz in Krisenzeiten
- Greifbarer, physischer Besitz
Zu bedenken:
- Keine laufenden Zinserträge
- Lagerung und Versicherung erforderlich
- Preisschwankungen möglich
Immobilien als Sachwert
Immobilien gelten als Klassiker unter den Sachwerten. Sie bieten:
- Physische Substanz
- Mögliche Mieteinnahmen
- Inflationsschutz durch Mietanpassungen
Allerdings erfordern Immobilien hohes Startkapital, sind wenig liquide und mit Aufwand für Verwaltung und Instandhaltung verbunden.
Edelmetalle
Gold und Silber dienen seit Jahrtausenden der Wertaufbewahrung:
- Universell anerkannt und handelbar
- Keine Abhängigkeit von Dritten
- Hochliquide bei physischem Besitz
Strategie 3: Wachstum und Ertrag
Wenn Sie einen langen Anlagehorizont haben und Schwankungen aushalten können, bieten sich wachstumsorientierte Anlagen an.
Aktien und ETFs
Vorteile:
- Langfristig historisch höchste Erträge
- Breite Streuung durch ETFs möglich
- Teilhabe am wirtschaftlichen Wachstum
Zu bedenken:
- Erhebliche Kursschwankungen möglich
- Emotionale Belastung in Krisenzeiten
- Keine Garantien für positive Entwicklung
Unternehmensanleihen
Vorteile:
- Höhere Zinsen als Staatsanleihen
- Regelmäßige Zinszahlungen
Zu bedenken:
- Höheres Ausfallrisiko als bei Staatsanleihen
- Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
Die kluge Kombination: Diversifikation
Die meisten Finanzexperten empfehlen, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Diversifikation bedeutet, Ihr Vermögen auf verschiedene Anlageformen zu verteilen.
Eine mögliche Aufteilung für jemanden mit mittlerem Zeithorizont und moderater Risikobereitschaft:
| Baustein | Anteil | Zweck |
|---|---|---|
| Tagesgeld | 10-15% | Liquidität, Notfallreserve |
| Festgeld/Anleihen | 20-30% | Stabilität, planbare Erträge |
| Sachwerte | 15-25% | Vermögensschutz, Krisenvorsorge |
| Aktien/ETFs | 30-40% | Langfristiges Wachstum |
Diese Aufteilung ist nur ein Beispiel. Ihre optimale Mischung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.
Typische Fehler vermeiden
Bei der Geldanlage gibt es Fallstricke, die Sie kennen sollten. Ausführlich behandeln wir diese in unserem Artikel Fehler vermeiden beim Vermögensschutz. Hier die wichtigsten:
Alles auf eine Karte setzen: Konzentration auf eine einzige Anlageform erhöht das Risiko erheblich.
Zu kurzfristig denken: Wer in Panik verkauft, wenn die Kurse fallen, realisiert Verluste, die sich bei Geduld oft wieder ausgeglichen hätten.
Blindem Vertrauen folgen: Empfehlungen von Bekannten oder Werbung sollten nie die einzige Grundlage für Anlageentscheidungen sein.
Kosten ignorieren: Gebühren, Provisionen und Spreads können die Erträge erheblich schmälern. Achten Sie auf Transparenz.
Der richtige Zeitpunkt?
Viele Menschen warten auf den "perfekten" Zeitpunkt zum Anlegen. Die Wahrheit ist: Diesen Zeitpunkt gibt es nicht. Niemand kann zuverlässig vorhersagen, wie sich Märkte kurzfristig entwickeln.
Was funktioniert: Langfristig denken, schrittweise anlegen und konsequent dabei bleiben. Zeit im Markt schlägt Timing des Marktes.
Nächste Schritte
Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema befassen möchten:
- Definieren Sie Ihre Ziele klar und schriftlich
- Informieren Sie sich über verschiedene Anlageformen
- Erstellen Sie einen Plan, der zu Ihrer Situation passt
- Beginnen Sie mit dem ersten Schritt, auch wenn er klein ist
- Überprüfen Sie Ihre Strategie regelmäßig
Unsere Artikel zu Vermögensschutz-Strategien und die Grundlagen der Diversifikation bieten weitere Orientierung für Ihren Weg.
Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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