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Geld anlegen

Sichere Geldanlage
Was wirklich zählt

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
Geld anlegen - Titelbild

Die Frage nach der sicheren Geldanlage stellen sich die meisten Menschen falsch. Sie fragen: "Welches Produkt ist sicher?" Stattdessen sollten sie fragen: "Sicher wovor?"

Denn Sicherheit ist kein binärer Zustand. Eine Anlage kann sicher vor Kursschwankungen sein, aber unsicher vor Inflation. Sicher vor Bankpleiten, aber unsicher vor staatlichem Zugriff. Sicher vor Diebstahl, aber unsicher vor Währungsreformen.

Die vier Dimensionen der Sicherheit

1. Nominale Sicherheit

Das ist, was die meisten meinen: Sie bekommen Ihr eingezahltes Geld zurück. Festgeld, Tagesgeld, Staatsanleihen bieten dies. Die Einlagensicherung garantiert bis zu 100.000 Euro pro Bank.

Das Problem: Nominale Sicherheit ignoriert Kaufkraftverlust. Wer 2010 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto hatte, hat 2025 nominal immer noch 100.000 Euro – aber kaufen kann er damit nur noch, was damals 75.000 Euro kostete.

Nominale Sicherheit ist eine Illusion, wenn die Inflation höher ist als der Zins.

2. Reale Sicherheit (Kaufkrafterhalt)

Hier geht es um die tatsächliche Kaufkraft. Eine Anlage ist real sicher, wenn sie mindestens die Inflation ausgleicht.

Historisch haben nur wenige Anlageklassen dies über lange Zeiträume zuverlässig geschafft:

  • Aktien (mit hoher Volatilität)
  • Immobilien (mit Klumpenrisiko und Illiquidität)
  • Edelmetalle (ohne laufenden Ertrag)
  • Ausgewählte Sachwerte (mit Expertise-Anforderung)

3. Systemische Sicherheit

Die unterschätzte Dimension: Was passiert mit Ihrer Anlage, wenn das System unter Stress gerät?

Systemische Risiken:

  • Bankpleiten über die Einlagensicherung hinaus
  • Währungsreformen
  • Kapitalverkehrskontrollen
  • Staatliche Zugriffe (Sonderabgaben, Zwangsanleihen)

Die Finanzgeschichte zeigt: Diese Ereignisse sind nicht so selten, wie wir glauben wollen. Deutschland allein hat im 20. Jahrhundert zwei Währungsreformen erlebt.

Vermögensschutz bedeutet auch, für solche Szenarien vorbereitet zu sein.

4. Praktische Sicherheit

Können Sie auf Ihr Vermögen zugreifen, wenn Sie es brauchen? Und zwar unter Stress, nicht nur unter Normalbedingungen?

Praktische Sicherheitsfragen:

  • Wie schnell ist die Anlage liquidierbar?
  • Funktioniert der Zugriff auch bei Banken-Runs?
  • Ist das Vermögen portabel bei Umzug oder Flucht?
  • Weiß jemand außer Ihnen, wo es ist und wie man darauf zugreift?

Das Sicherheits-Paradoxon

Die vermeintlich sicherste Anlage – Geld auf dem Bankkonto – ist nur sicher, solange:

  • Die Bank zahlungsfähig bleibt
  • Die Einlagensicherung funktioniert
  • Der Staat nicht zugreift
  • Die Währung stabil bleibt
  • Sie physischen Zugang haben

Das sind viele Bedingungen. Jede einzelne ist unter Normalbedingungen erfüllt. Unter Stressbedingungen können mehrere gleichzeitig wegfallen.

Wahre Sicherheit erfordert Diversifikation über diese Bedingungen hinweg – nicht nur über Anlageklassen.

Die Hierarchie der Sicherheit

Für substantielle Vermögen empfehlen wir eine Drei-Schichten-Struktur:

Schicht 1: Liquiditätsreserve (10-20%)

  • Bargeld für 3-6 Monate Lebenshaltung
  • Tagesgeld bei soliden Banken
  • Kurzfristig verfügbar für Alltag und Notfälle

Hier akzeptieren Sie bewusst den Kaufkraftverlust für maximale Liquidität.

Schicht 2: Systemkonforme Anlagen (50-70%)

  • Breit gestreute Aktien-ETFs
  • Qualitätsanleihen
  • Vermietete Immobilien

Diese Schicht funktioniert, solange das System funktioniert. Sie bietet Rendite und relativen Inflationsschutz.

Schicht 3: Systemunabhängige Werte (15-30%)

  • Physische Edelmetalle
  • Sachwerte mit intrinsischem Wert
  • Vermögen außerhalb des Bankensystems

Diese Schicht ist Ihre Versicherung gegen systemische Risiken. Sie "bringt nichts" – bis sie alles rettet.

Häufige Denkfehler bei der sicheren Geldanlage

Denkfehler 1: "Die Einlagensicherung schützt mich"

Korrekt bis 100.000 Euro pro Bank, pro Person. Darüber hinaus haben Sie eine Forderung gegen einen Fonds, dessen Mittel bei einer echten Bankenkrise nicht ausreichen würden.

Die Einlagensicherung funktioniert bei einzelnen Bankpleiten. Bei systemischen Krisen ist sie eine politische Zusage, keine mathematische Garantie.

Denkfehler 2: "Staatsanleihen sind sicher"

Deutsche Staatsanleihen sind nominal sicher – der deutsche Staat wird nominell zahlen. Real können Sie trotzdem verlieren, wenn die Inflation die Zinsen übersteigt.

Und historisch haben auch Staaten umgeschuldet, Währungen reformiert oder Anleihen in neue Instrumente umgewandelt. "Too big to fail" ist keine Naturkonstante.

Denkfehler 3: "Diversifikation über viele Banken reicht"

Sie diversifizieren dann über Institutionen, aber nicht über das System. Wenn das Bankensystem unter Stress gerät, sind alle Banken gleichzeitig betroffen.

Echte Diversifikation erfordert Positionen außerhalb des Bankensystems.

Denkfehler 4: "Das ist Panikmache"

Die Szenarien, die wir beschreiben, sind in der deutschen Geschichte mehrfach eingetreten. Sie sind statistisch unwahrscheinlich in jedem einzelnen Jahr – aber über einen 30-jährigen Anlagehorizont durchaus relevant.

Sich darauf vorzubereiten ist nicht paranoid, sondern prudent. Wie eine Versicherung: Sie hoffen, sie nie zu brauchen.

Praktische Schritte zur sicheren Geldanlage

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Listen Sie alle Ihre Anlagen auf und ordnen Sie sie den drei Schichten zu. Die meisten Menschen stellen fest: Sie sind zu 90%+ in Schicht 1 und 2.

Schritt 2: Systemabhängigkeit prüfen

Fragen Sie sich bei jeder Position: Was passiert damit, wenn Banken schließen, der Euro reformiert wird, oder der Staat Sondersteuern erhebt?

Schritt 3: Schrittweise Repositionierung

Beginnen Sie mit 5-10% in systemunabhängigen Werten. Das kann physisches Gold sein, das kann ein Vergleich verschiedener Sachwerte sein. Wichtig ist der Anfang.

Schritt 4: Dokumentation und Nachfolge

Stellen Sie sicher, dass Ihre Familie weiß, wo Ihre Vermögenswerte sind und wie sie darauf zugreifen kann. Besonders für physische Werte ist das kritisch.

Fazit: Sicherheit ist keine Produkteigenschaft

Eine sichere Geldanlage ist keine einzelne Anlage, sondern eine Struktur. Sie kombiniert:

  • Liquidität für den Alltag
  • Wachstum für den langfristigen Vermögensaufbau
  • Schutz für den Extremfall

Wer nur auf eine Dimension optimiert, übersieht die anderen. Die vermögendsten Familien der Geschichte haben das verstanden – sie haben nie alles in einer Form, an einem Ort, in einem System gehalten.

Die Frage ist nicht: "Was ist die sicherste Geldanlage?"

Die Frage ist: "Wie strukturiere ich mein Vermögen, dass es verschiedene Arten von Stress übersteht?"

Die Antwort darauf ist individuell – aber die Prinzipien sind universell: Diversifikation über Systeme, nicht nur über Produkte. Physische Kontrolle über einen Teil des Vermögens. Und die Demut zu akzeptieren, dass wir nicht wissen, welches Risiko sich als nächstes materialisiert.

Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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