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Geld anlegen

Sichere Anlageformen
Welche Geldanlagen bieten echte Sicherheit?

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
Geld anlegen - Titelbild

"Sicher" heißt nicht "gut".

Tagesgeld ist sicher. Aber bei 2% Zins und 3% Inflation verlieren Sie real 1% pro Jahr. In 10 Jahren sind das 10% Kaufkraftverlust. Ist das sicher – oder sicher schlecht?

Ein Steuerberater aus München, 58, der 2020 zu uns kam: "Ich hatte 800.000 € auf dem Tagesgeldkonto. Mein Bankberater sagte: 'Das ist sicher.' Nach 4 Jahren Inflation hatte ich real 100.000 € weniger Kaufkraft. Das war keine Sicherheit – das war langsamer Verlust."

Die Wahrheit: "Sicher" ist ein relativer Begriff. Die Frage ist: Sicher gegen was?

Die verschiedenen Dimensionen von Sicherheit

Wenn wir über sichere Anlagen sprechen, müssen wir verschiedene Risikotypen unterscheiden:

Ausfallrisiko

Das Risiko, dass Ihr Vertragspartner nicht zahlen kann oder will. Bei Bankeinlagen greift die Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Bei Staatsanleihen hängt alles von der Bonität des Landes ab.

Inflationsrisiko

Das versteckte Risiko, das die meisten unterschätzen. Wenn Ihre Anlage 2% bringt, die Inflation aber 4% beträgt, verlieren Sie real 2% Kaufkraft pro Jahr. Über Jahrzehnte summiert sich das erheblich.

Währungsrisiko

Anlagen in Fremdwährungen können durch Wechselkursschwankungen an Wert zunehmen oder abnehmen, selbst wenn der Nominalwert stabil bleibt.

Liquiditätsrisiko

Manche Anlagen lassen sich nicht sofort verkaufen oder nur mit erheblichen Abschlägen. In einer Krise kann genau das zum Problem werden.

Klassische "sichere" Anlageformen im Überblick

Tagesgeld und Festgeld

Vorteile:

  • Einlagensicherung bis 100.000 Euro
  • Sofortige (Tagesgeld) oder planbare (Festgeld) Verfügbarkeit
  • Keine Kursschwankungen

Nachteile:

  • Oft unterhalb der Inflationsrate verzinst
  • Abhängig vom Bankensystem
  • Keine Substanzwerte

Staatsanleihen

Anleihen von Staaten mit hoher Bonität gelten als sicher. Doch die Geschichte zeigt: Auch Staaten können zahlungsunfähig werden oder ihre Schulden durch Inflation entwerten.

Zu beachten:

  • Bonität des Emittenten prüfen
  • Laufzeit und Zinsbindung verstehen
  • Bei vorzeitigem Verkauf möglich Kursverluste

Sachwerte als Sicherheitsanker

Sachwerte wie Gold, Immobilien oder andere physische Güter bieten eine andere Art von Sicherheit: Sie haben einen inneren Wert, der nicht von Zahlungsversprechen abhängt.

Der Zielkonflikt: Sicherheit vs. Kaufkrafterhalt

Hier liegt das Dilemma vieler Sparer: Die vermeintlich sichersten Anlagen schützen zwar vor Kursschwankungen, nicht aber vor Inflation. Wer sein Geld jahrzehntelang auf einem Sparbuch lässt, hat am Ende nominell denselben Betrag, kann sich davon aber deutlich weniger kaufen.

Ein Rechenbeispiel:

  • 100.000 Euro heute
  • 3% jährliche Inflation
  • Nach 20 Jahren: Kaufkraft von nur noch etwa 55.000 Euro

Diese stille Entwertung ist das größte Risiko für konservative Anleger.

Was wirklich Sicherheit bietet

Echte Sicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Anlageform, sondern durch eine durchdachte Struktur:

  1. Diversifikation über verschiedene Anlageklassen
  2. Streuung über verschiedene Gegenparteien und Systeme
  3. Liquiditätsplanung für verschiedene Zeithorizonte
  4. Substanzwerte als Absicherung gegen Systemrisiken

Die persönliche Definition von Sicherheit

Was "sicher" bedeutet, hängt von Ihrer individuellen Situation ab:

  • Kurzfristig (unter 3 Jahre): Tagesgeld und Festgeld haben ihre Berechtigung
  • Mittelfristig (3-10 Jahre): Mischung aus verschiedenen Bausteinen sinnvoll
  • Langfristig (über 10 Jahre): Sachwerte und diversifizierte Strukturen werden wichtiger

Fragen, die Sie sich stellen sollten

Bevor Sie sich für eine Anlageform entscheiden, reflektieren Sie:

  • Welche Risiken kann ich tragen, welche nicht?
  • Wann brauche ich Zugriff auf das Geld?
  • Wie lange ist mein Anlagehorizont?
  • Vertraue ich ausschließlich auf das Finanzsystem?

Was echte Sicherheit bedeutet

Echte Sicherheit ist nicht eine einzelne Anlage – es ist eine Struktur:

  1. Liquidität für den Alltag (Tagesgeld, ok trotz Inflation)
  2. Sachwerte gegen Systemrisiken (Gold, ggf. Diamanten)
  3. Produktive Anlagen für Wachstum (Aktien, ETFs)
  4. Diversifikation über Systeme und Länder

Wer 100% seines Vermögens in einer Anlageklasse hält – egal welche – hat keine Sicherheit. Er hat ein Klumpenrisiko.

Die Illusion der Sicherheit (Februar 2026)

AnlageformNominalzinsRealer Ertrag (bei 3% Inflation)
Tagesgeld2,0-2,5%-0,5 bis -1,0%
Festgeld 1 Jahr2,5-3,0%-0,5 bis 0%
Bundesanleihe 10 Jahre2,3%-0,7%
Gold (5J-Durchschnitt)+25%/Jahr+22%/Jahr

Die Zahlen sprechen für sich: "Sichere" Anlagen sind oft sichere Verlustgeschäfte.

Häufige Denkfehler

"Ich verliere nichts, wenn ich bei 0 bleibe" Doch. Bei 3% Inflation verlieren Sie 3% Kaufkraft pro Jahr – auch wenn Ihr Kontostand gleich bleibt.

"Sachwerte sind spekulativ" Gold existiert seit 5.000 Jahren als Wertspeicher. Der Euro seit 25 Jahren. Was ist spekulativer?

"Mein Bankberater sagt, das reicht" Ihr Bankberater verdient an Tagesgeld und Fonds. An Gold verdient er nichts.

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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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