Geld anlegen
Festgeld und seine Alternativen
Ein umfassender Vergleich


Festgeld: Der Klassiker unter den Sparformen
Festgeld galt jahrzehntelang als Inbegriff der sicheren Geldanlage. Sie legen einen Betrag für einen festgelegten Zeitraum bei einer Bank an und erhalten dafür einen garantierten Zinssatz. Am Ende der Laufzeit bekommen Sie Ihr Kapital plus Zinsen zurück.
Doch die Bedingungen haben sich verändert. Nach Jahren der Niedrigzinsphase und angesichts steigender Inflation stellen sich viele die Frage: Ist Festgeld noch eine sinnvolle Option?
Die aktuelle Situation bei Festgeld
Die Zinsen für Festgeldanlagen sind in den letzten Jahren wieder gestiegen. Stand 2026 erhalten Sparer je nach Laufzeit zwischen 2,5 und 3,5 Prozent pro Jahr. Das klingt zunächst attraktiv, doch der Schein kann trügen.
Was viele übersehen:
Die entscheidende Frage ist nicht, wie hoch der Nominalzins ist, sondern wie sich die Realverzinsung entwickelt. Diese ergibt sich aus dem Zinssatz abzüglich der Inflationsrate.
| Jahr | Festgeldzins (Durchschnitt) | Inflation | Realzins |
|---|---|---|---|
| 2021 | 0,3% | 3,1% | -2,8% |
| 2022 | 0,8% | 6,9% | -6,1% |
| 2023 | 2,5% | 5,9% | -3,4% |
| 2024 | 3,0% | 2,8% | +0,2% |
| 2025 | 3,2% | 2,5% | +0,7% |
Selbst bei positiven Realzinsen bleibt der Ertrag überschaubar. Und: Die Inflation kann jederzeit wieder steigen.
Vorteile von Festgeld
Trotz der Einschränkungen hat Festgeld seine Berechtigung:
Planungssicherheit: Sie wissen genau, wie viel Geld Sie am Ende der Laufzeit zurückbekommen. Es gibt keine Kursschwankungen oder unerwartete Verluste.
Einlagensicherung: In Deutschland sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Viele Banken bieten darüber hinaus freiwillige Sicherungssysteme.
Kein Aufwand: Einmal angelegt, kümmert sich das Festgeld um sich selbst. Sie müssen keine Kurse beobachten oder Entscheidungen treffen.
Keine Gebühren: In der Regel fallen keine laufenden Kosten für die Festgeldanlage an.
Nachteile von Festgeld
Die Schattenseiten sollten Sie kennen:
Inflationsrisiko: Übersteigt die Inflation den Zinssatz, verliert Ihr Geld real an Kaufkraft. Dies war in den vergangenen Jahren häufig der Fall.
Keine Flexibilität: Während der Laufzeit kommen Sie nicht an Ihr Geld heran, oder nur gegen empfindliche Strafgebühren.
Begrenztes Potenzial: Die Zinsen werden nie spektakulär hoch sein. Festgeld ist per Definition konservativ.
Emittentenrisiko: Ihr Geld ist eine Forderung gegen die Bank. Bei einer Bankenpleite greift zwar die Einlagensicherung, aber bei Beträgen über 100.000 Euro besteht ein Restrisiko.
Alternative 1: Tagesgeld
Tagesgeld bietet ähnliche Sicherheit wie Festgeld, aber mit voller Flexibilität.
Vorteile:
- Jederzeit verfügbar
- Einlagensicherung wie bei Festgeld
- Variable Zinsen können bei steigenden Marktzinsen mitziehen
Nachteile:
- Meist niedrigere Zinsen als Festgeld
- Keine Zinsgarantie, Konditionen können sich ändern
Geeignet für: Notfallreserven und kurzfristig benötigtes Geld.
Alternative 2: Staatsanleihen
Deutsche Bundesanleihen oder Anleihen anderer Staaten mit hoher Bonität bieten eine weitere Option.
Vorteile:
- Hohe Sicherheit bei Anleihen von Staaten mit guter Bonität
- Handelbar, also vor Laufzeitende verkaufbar
- Verschiedene Laufzeiten verfügbar
Nachteile:
- Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
- Komplexer als Festgeld
- Depotgebühren möglich
Geeignet für: Anleger, die etwas mehr Flexibilität wünschen und bereit sind, sich mit dem Anleihemarkt zu beschäftigen.
Alternative 3: Sachwerte
Sachwerte wie Edelmetalle, Immobilien oder andere physische Vermögenswerte bieten einen anderen Ansatz zum Vermögensschutz.
Vorteile:
- Kein Gegenparteirisiko (bei physischem Besitz)
- Historischer Schutz gegen Inflation
- Unabhängig vom Bankensystem
Nachteile:
- Keine laufenden Zinserträge
- Lagerung und Versicherung erforderlich
- Preisschwankungen möglich
Geeignet für: Langfristig orientierte Anleger, die einen Teil ihres Vermögens außerhalb des Finanzsystems halten möchten.
Mehr dazu in unserem detaillierten Vergleich Festgeld vs. Sachwerte.
Alternative 4: Mischung verschiedener Anlageformen
Statt alles auf eine Karte zu setzen, kombinieren viele Anleger verschiedene Bausteine.
Eine mögliche Aufteilung könnte sein:
- Tagesgeld für die Notfallreserve (3-6 Monatsausgaben)
- Festgeld für mittelfristige Ziele mit fixem Datum
- Sachwerte für langfristigen Vermögensschutz
- Aktien/ETFs für langfristiges Wachstum (wenn Risikotoleranz vorhanden)
Diese Diversifikation reduziert das Risiko und kombiniert die Vorteile verschiedener Anlageformen.
Was ist die richtige Wahl?
Es gibt keine universell richtige Antwort. Die beste Strategie hängt von Ihrer persönlichen Situation ab:
Ihr Zeithorizont: Brauchen Sie das Geld in zwei Jahren für einen Hauskauf? Oder möchten Sie langfristig Vermögen aufbauen?
Ihre Risikobereitschaft: Können Sie Kursschwankungen aushalten? Oder ist Ihnen Sicherheit wichtiger als Ertragschancen?
Ihre Gesamtsituation: Welche anderen Vermögenswerte besitzen Sie bereits? Wie sieht Ihr Einkommen aus?
Ihr Schutzbedürfnis: Machen Sie sich Sorgen über Inflation, Währungsrisiken oder systemische Risiken? Dann könnten Maßnahmen gegen Inflation relevant sein.
Fazit
Festgeld hat seinen Platz in einer ausgewogenen Finanzplanung, aber es sollte nicht die einzige Säule Ihrer Strategie sein. Die reale Verzinsung bleibt oft enttäuschend, und die mangelnde Flexibilität kann in bestimmten Lebenssituationen zum Problem werden.
Eine Kombination aus verschiedenen sicheren Anlageformen gibt Ihnen mehr Handlungsspielraum und verteilt Risiken besser. Informieren Sie sich gründlich, bevor Sie sich festlegen, und überprüfen Sie Ihre Strategie regelmäßig.
Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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