Geld anlegen
Erspartes anlegen 2026
Ein Überblick


Erspartes anlegen 2026 – Ein Überblick
Das Jahr 2026 stellt Vermögensinhaber vor eine komplexe Gemengelage: Während die Zinswende erste Früchte trägt, verschärfen sich strukturelle Probleme im Finanzsystem. Die Geschichte lehrt uns, dass solche Übergangsphasen entscheidend für die langfristige Vermögensentwicklung sind – und dass die Weichen oft schon Jahre vorher gestellt werden müssen.
Was Sie wissen sollten
Das Anlegen von Erspartem im Jahr 2026 unterscheidet sich fundamental von den Entscheidungen der vergangenen Dekade. Drei strukturelle Verschiebungen prägen das Umfeld:
Die wichtigsten Punkte
- Systemische Fragilitäten – Das Finanzsystem zeigt zunehmende Spannungen zwischen Staatsfinanzierung und Geldwertstabilität
- Regulatorische Verschärfung – Kapitalverkehrskontrollen und Vermögensabgaben werden diskutiert und teilweise bereits implementiert
- Generationenwechsel – Vermögende Familien müssen ihre Strukturen für veränderte geopolitische Realitäten anpassen
Aus struktureller Sicht erleben wir das Ende einer 40-jährigen Ära fallender Zinsen und steigender Bewertungen. Was danach kommt, erfordert andere Denkweisen.
Hintergrund: Die strukturelle Wende
Das Ende des "Great Moderation"
Seit den 1980er Jahren nutzten Anleger ein außergewöhnliches Umfeld: Fallende Inflation, sinkende Zinsen, globalisierte Märkte und relative geopolitische Stabilität. Dieses Umfeld hat eine ganze Generation von Anlegern und Beratern geprägt – und ihre Erwartungen geformt.
Die Realität 2026 sieht anders aus:
- Strukturelle Inflation: Deglobalisierung, Demografie und Klimakosten treiben die Preise
- Fiskalische Dominanz: Staatsschulden zwingen Zentralbanken zu expansiver Politik
- Geopolitische Fragmentierung: "Weaponized interdependence" bedroht grenzüberschreitende Vermögen
Über Generationen betrachtet sind dies normale Herausforderungen. Die vergangenen 40 Jahre waren die Ausnahme, nicht die Regel.
Warum traditionelle Ansätze an Grenzen stoßen
Das klassische 60/40-Portfolio (60% Aktien, 40% Anleihen) funktionierte in der Ära fallender Zinsen hervorragend. In einem Umfeld struktureller Inflation und fiskalischer Dominanz zeigen sich die Schwächen:
- Korrelationsrisiko: In Krisen steigen die Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen
- Währungsrisiko: Alle Positionen sind letztlich Wetten auf die jeweiligen Währungssysteme
- Systemrisiko: Beide Anlageklassen hängen am gleichen Finanzsystem
Dies bedeutet nicht, dass traditionelle Anlagen wertlos werden. Aber ihre Rolle im Gesamtportfolio muss überdacht werden.
Praktische Umsetzung: Ein Rahmenwerk für 2026
Schritt 1: Bestandsaufnahme der Risiken
Bevor Sie Erspartes anlegen, analysieren Sie Ihre bestehende Vermögensstruktur:
Konzentrationsrisiken identifizieren:
- Geografisch: Wie viel hängt an Deutschland/Europa?
- Währung: Welcher Anteil ist Euro-denominiert?
- System: Wie abhängig sind Sie vom Bankensystem?
- Liquidität: Wie schnell können Sie auf Vermögen zugreifen?
Zeithorizont definieren:
- Kurzfristig (1-3 Jahre): Laufende Ausgaben und Opportunitäten
- Mittelfristig (3-10 Jahre): Größere Projekte und Übergänge
- Langfristig (10+ Jahre): Generationenvermögen und Krisenvorsorge
Schritt 2: Diversifikation neu denken
Der langfristige Trend zeigt: Echte Diversifikation erfordert heute mehr als verschiedene Wertpapiere. Sie brauchen verschiedene Systeme.
Systemdiversifikation:
- Finanzsystem: Traditionelle Wertpapiere, Bankguthaben
- Realsystem: Physische Sachwerte, Immobilien, Rohstoffe
- Privatsystem: Direkte Beteiligungen, persönliche Netzwerke
Jurisdiktionsdiversifikation:
- Nicht alle Vermögenswerte sollten der gleichen Rechtsprechung unterliegen
- Schweiz und Singapur bleiben bevorzugte Standorte für sicheres Vermögen
- Physische Werte können geografisch getrennt gelagert werden
Schritt 3: Liquiditätspuffer strategisch positionieren
Liquidität ist in unsicheren Zeiten wertvoll – aber wo halten Sie sie?
Traditionelle Liquidität:
- Bankguthaben (begrenzt durch Einlagensicherung)
- Geldmarktfonds (Systemrisiko bleibt)
- Kurzlaufende Staatsanleihen (Währungsrisiko)
Alternative Liquidität:
- Physisches Gold (sofort verfügbar, aber Lagerung)
- Schweizer Franken (relative Stabilität)
- Ausgewählte Kryptowährungen (für technisch versierte Anleger)
Schritt 4: Wachstumskomponente strukturieren
Wachstum bleibt wichtig – aber die Quellen verschieben sich.
Bewährte Ansätze:
- Qualitätsaktien mit Preissetzungsmacht
- Sachwerte mit intrinsischem Wert
- Unternehmensbeteiligungen außerhalb öffentlicher Märkte
Neue Überlegungen:
- Inflationsgeschützte Anlagen gewinnen an Bedeutung
- Geografische Streuung wird wichtiger
- Vergleiche verschiedener Ansätze zeigen: Keine Lösung passt für alle
Spezifische Empfehlungen für 2026
Für konservative Anleger (Kapitalerhalt steht im Vordergrund)
Kernallokation (60-70%):
- 30% physisches Gold (Schweizer/Singapur Lagerung)
- 20% Schweizer Franken (Bankguthaben/kurze Laufzeiten)
- 10-20% erstklassige Immobilien (selbstgenutzt oder vermietet)
Wachstumskomponente (20-30%):
- Qualitätsaktien mit langer Dividendenhistorie
- Infrastruktur-Anlagen
- Ausgewählte Rohstoff-Exposures
Liquiditätspuffer (10%):
- Bargeld in verschiedenen Währungen
- Sofort verfügbare Edelmetalle
Für wachstumsorientierte Anleger (Vermögensaufbau bei kontrollierten Risiken)
Wachstumskern (50-60%):
- Globale Qualitätsaktien (geografisch diversifiziert)
- Private Equity/Venture Capital (für qualifizierte Anleger)
- Rohstoff-Produzenten und Ressourcen-Unternehmen
Stabilisator (30-40%):
- Physische Edelmetalle
- Erstklassige Anleihen (verschiedene Währungen)
- Alternative Anlagen (detaillierte Übersicht)
Opportunitäten (10%):
- Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum)
- Distressed Assets
- Spezielle Situationen
Für Unternehmerfamilien (Generationenvermögen)
Die Herausforderung: Wie strukturieren Sie Vermögen, das Jahrzehnte überdauern soll?
Fundament (40-50%):
- Physische Sachwerte (Gold, ausgewählte Diamanten, Kunst)
- Erstklassige Immobilien in stabilen Jurisdiktionen
- Direkte Unternehmensbeteiligungen
Wachstumsmotor (30-40%):
- Familienunternehmen (operativ oder als Beteiligung)
- Internationale Aktienportfolios
- Rohstoff- und Ressourcen-Beteiligungen
Flexibilitätsreserve (10-20%):
- Liquide Mittel in mehreren Währungen
- Opportunistische Anlagen
- Umfassender Vermögensschutz durch Strukturierung
Häufige Fragen
"Ist 2026 der richtige Zeitpunkt für größere Umschichtungen?"
Aus struktureller Sicht befinden wir uns in einer mehrjährigen Übergangsphase. Der "richtige" Zeitpunkt ist weniger wichtig als die richtige Richtung. Wer heute noch vollständig im traditionellen System investiert ist, sollte schrittweise diversifizieren.
Die Geschichte lehrt uns: Große Vermögensverschiebungen kündigen sich lange an, vollziehen sich aber oft schneller als erwartet.
"Wie viel sollte außerhalb des traditionellen Systems liegen?"
Das hängt von Ihrer Situation ab, aber als Orientierung:
- Minimum: 10-20% für alle Vermögenden
- Empfohlen: 20-40% für die meisten Situationen
- Defensiv: 40-60% bei hoher Risikoaversion oder besonderen Umständen
Wichtig: Dies ist kein "Alles oder Nichts". Beginnen Sie mit einem kleinen Anteil und bauen Sie Expertise auf.
"Was ist mit Steuern und Regulierung?"
Regulatorische Risiken sind real und werden zunehmen. Deshalb ist es wichtig:
- Rechtskonform handeln: Alle Positionen ordnungsgemäß deklarieren
- Jurisdiktion wählen: Nicht alle Länder gehen den gleichen Weg
- Flexibilität bewahren: Strukturen sollten anpassbar sein
- Professionell beraten lassen: Die Komplexität steigt
"Wie fange ich praktisch an?"
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Beginnen Sie mit:
- Bildung: Verstehen Sie die Grundlagen (umfassende Informationen zum Geld anlegen)
- Klein anfangen: 5-10% des Vermögens für erste Erfahrungen
- Expertise aufbauen: Lernen Sie die Märkte und Mechanismen kennen
- Schrittweise ausbauen: Erhöhen Sie den Anteil mit wachsender Erfahrung
Fazit: Langfristig denken, pragmatisch handeln
Das Anlegen von Erspartem 2026 erfordert eine Neubewertung bewährter Ansätze. Die strukturellen Veränderungen im Finanzsystem sind nicht vorübergehend – sie markieren den Beginn einer neuen Ära.
Über Generationen betrachtet ist dies eine normale Entwicklung. Vermögende Familien haben schon viele solcher Übergänge gemeistert. Der Schlüssel liegt darin, rechtzeitig die Weichen zu stellen und nicht zu warten, bis die Veränderungen offensichtlich werden.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Diversifikation neu definieren: Verschiedene Systeme, nicht nur verschiedene Wertpapiere
- Liquidität strategisch positionieren: Nicht alle Liquidität gehört ins Bankensystem
- Schrittweise umsetzen: Beginnen Sie heute, aber überstürzen Sie nichts
- Expertise aufbauen: Die Komplexität steigt – investieren Sie in Wissen
Der langfristige Trend zeigt: Vermögen, das nur im traditionellen Finanzsystem liegt, trägt Risiken, die vielen nicht bewusst sind. Wer heute handelt, positioniert sich für die kommenden Jahrzehnte.
Sie möchten Ihre spezifische Situation besprechen? In einem unverbindlichen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam, welche Ansätze für Ihre Ziele und Ihren Zeithorizont geeignet sind.
Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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