Geld anlegen
Diversifikation verstehen
Warum Streuung Ihr Vermögen schützt


Was ist Diversifikation?
Diversifikation bedeutet, Vermögen auf verschiedene Anlagen zu verteilen, um Risiken zu reduzieren. Das Prinzip ist einfach: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Wenn ein Teil des Portfolios an Wert verliert, können andere Teile dies ausgleichen.
Doch echte Diversifikation geht weit über die bloße Anzahl verschiedener Anlagen hinaus. Es kommt darauf an, wie sich diese Anlagen zueinander verhalten.
Das Konzept der Korrelation
Der Schlüssel zur effektiven Diversifikation liegt in der Korrelation, also der Frage, wie sich verschiedene Anlagen im Verhältnis zueinander bewegen:
- Positive Korrelation: Beide steigen oder fallen gemeinsam
- Negative Korrelation: Wenn eine steigt, fällt die andere
- Keine Korrelation: Die Bewegungen sind unabhängig voneinander
Für echte Diversifikation brauchen Sie Anlagen mit niedriger oder negativer Korrelation. Zehn verschiedene Aktien aus derselben Branche sind keine echte Streuung, da sie oft gemeinsam fallen.
Die Ebenen der Diversifikation
Ebene 1: Anlageklassen
Die grundlegendste Form der Streuung erfolgt über verschiedene Anlageklassen:
- Geldwerte: Tagesgeld, Festgeld, Anleihen
- Produktivvermögen: Aktien, Unternehmensbeteiligungen
- Sachwerte: Gold, Immobilien, Rohstoffe
- Liquidität: Bargeld als Reserve
Jede Anlageklasse reagiert anders auf wirtschaftliche Entwicklungen. In einer Deflation sind Anleihen oft stark, in einer Inflation eher Sachwerte.
Ebene 2: Geografische Streuung
Lokale Krisen, politische Umwälzungen oder Währungsprobleme betreffen meist einzelne Regionen. Eine internationale Streuung schützt vor länderspezifischen Risiken:
- Verschiedene Währungsräume
- Unterschiedliche Wirtschaftsregionen
- Politisch diverse Systeme
Ebene 3: Zeitliche Streuung
Durch gestaffelte Käufe (Cost-Average-Effekt) reduzieren Sie das Risiko, zum ungünstigsten Zeitpunkt einzusteigen. Statt einer großen Summe auf einmal verteilen Sie den Einstieg über mehrere Monate oder Jahre.
Ebene 4: Systeme und Institutionen
Die oft übersehene Ebene: Auch die Verwahrungsstruktur sollte diversifiziert sein:
- Verschiedene Banken (Einlagensicherung pro Institut)
- Physische Werte außerhalb des Bankensystems
- Verschiedene Anbieter und Depots
- Unterschiedliche Rechtsräume
Warum klassische Diversifikation nicht reicht
Viele Anleger glauben, mit einem Mix aus Aktien, Anleihen und vielleicht einem Immobilienfonds ausreichend diversifiziert zu sein. Doch in echten Krisenzeiten zeigt sich oft ein anderes Bild:
Das Problem: In systemischen Krisen steigt die Korrelation zwischen vielen Anlagen sprunghaft an. Was normalerweise unabhängig voneinander schwankt, fällt plötzlich gemeinsam.
Die Lösung: Echte Diversifikation berücksichtigt auch Gegenparteirisiken und Systemrisiken:
- Was passiert, wenn das Bankensystem in Schieflage gerät?
- Wie sind Sie aufgestellt, wenn eine Währung stark abwertet?
- Haben Sie Zugriff auf Vermögen, auch wenn digitale Systeme ausfallen?
Praktische Beispiele für intelligente Streuung
Beispiel 1: Der konservative Ansatz
- 30% Liquidität (Tagesgeld, Festgeld bei verschiedenen Banken)
- 30% Sachwerte (physisches Gold, eventuell Immobilien)
- 25% Produktivvermögen (breit gestreute Aktien)
- 15% Reserve (Bargeld, schnell verfügbar)
Beispiel 2: Der ausgewogene Ansatz
- 20% Liquidität
- 40% Sachwerte (verschiedene Kategorien)
- 30% Produktivvermögen (international gestreut)
- 10% alternative Anlagen
Diese Beispiele dienen der Illustration und stellen keine individuelle Anlageberatung dar.
Häufige Fehler bei der Diversifikation
- Scheinstreuung: Viele ähnliche Produkte statt echter Vielfalt
- Home Bias: Zu starke Konzentration auf das Heimatland
- Vergessen der Systemebene: Alles bei einer Bank oder im selben System
- Übertreibung: So viele Positionen, dass der Überblick verloren geht
- Vernachlässigung der Korrelation: Nur auf die Anzahl, nicht auf die Beziehung der Anlagen achten
Die richtige Balance finden
Diversifikation ist kein Selbstzweck. Es geht darum, ein robustes Portfolio aufzubauen, das verschiedenen Szenarien standhält. Die optimale Struktur hängt von Ihrer persönlichen Situation ab:
- Ihr Anlagehorizont
- Ihre Liquiditätsbedürfnisse
- Ihre Risikobereitschaft
- Ihr Gesamtvermögen
Regelmäßiges Rebalancing
Ein diversifiziertes Portfolio verändert sich durch unterschiedliche Wertentwicklungen. Was heute ausgewogen ist, kann in zwei Jahren aus dem Gleichgewicht geraten sein. Jährliches Rebalancing bringt die Struktur wieder in die gewünschte Form.
Weiterführende Informationen
Vertiefen Sie Ihr Wissen über sichere Anlageformen und erfahren Sie mehr über die Grundlagen von Sachwerten. Unsere Vermögensschutz-Strategien zeigen konkrete Umsetzungswege, während der Artikel zu typischen Fehlern hilft, Fallstricke zu umgehen.
Für einen konkreten Vergleich verschiedener Anlageoptionen empfehlen wir unseren Artikel Gold vs. andere Sachwerte.
Die Diversifikations-Checkliste
- Mehrere Banken (nicht alles bei einer)
- Verschiedene Anlageklassen (Geld + Sachwerte + Produktivvermögen)
- Geografische Streuung (nicht nur Deutschland)
- Physische Werte außerhalb des Bankensystems (Gold, ggf. Diamanten)
- Zeitliche Streuung bei großen Käufen (nicht alles auf einmal)
Wie viele Häkchen haben Sie? Weniger als 3? Dann ist Ihr Portfolio nicht diversifiziert – egal wie viele verschiedene Fonds Sie besitzen.
Die wichtigste Frage
Wenn morgen Banken für 3 Wochen schließen (Griechenland 2015), wie viel Prozent Ihres Vermögens wären davon betroffen?
Bei den meisten Deutschen: 100%. Das ist keine Diversifikation – das ist ein Klumpenrisiko.
Weiterführende Artikel
Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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