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Finanzplanung

Vermögen im Alter schützen
Strategien für die Zeit nach dem Berufsleben

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
Finanzplanung - Titelbild

Eine andere Phase, andere Prioritäten

Das Vermögen im Alter zu schützen erfordert eine andere Denkweise als der Vermögensaufbau in jüngeren Jahren. Die Prioritäten verschieben sich: Wachstum tritt in den Hintergrund, Sicherheit und Verfügbarkeit werden wichtiger.

Wer 30 Jahre Zeit hat, kann Marktschwankungen aussitzen. Wer sein Vermögen in den nächsten 15-20 Jahren braucht, muss anders planen. Ein schlechtes Jahr zur falschen Zeit kann die gesamte Altersplanung gefährden.

Die besonderen Risiken im Alter

Das Reihenfolge-Risiko

Das gefährlichste Risiko für Vermögen im Ruhestand ist das sogenannte Reihenfolge-Risiko. Es beschreibt die Auswirkung schlechter Marktjahre zu Beginn des Ruhestands:

Stellen Sie sich vor, Sie beginnen mit 1 Million Euro und entnehmen jährlich 40.000 Euro. Wenn in den ersten Jahren starke Kursverluste eintreten, während Sie gleichzeitig entnehmen, kann das Vermögen dauerhaft geschädigt werden, selbst wenn die Märkte später wieder steigen.

Inflation als stiller Feind

Im Ruhestand ist Inflation besonders tückisch. Ihre Ausgaben steigen mit der Zeit, aber fixe Renten und Pensionen oft nicht im gleichen Maß. Ein Euro heute ist in 20 Jahren vielleicht nur noch 50 Cent wert.

Schutz gegen Inflation ist daher auch, gerade im Alter ein wichtiges Thema.

Gesundheitskosten

Mit dem Alter steigen statistisch die Gesundheitskosten. Pflegebedürftigkeit ist eines der größten finanziellen Risiken im Alter. Eine einzige schwere Erkrankung kann Jahrzehnte von Ersparnissen aufzehren.

Kognitive Veränderungen

Ein sensibles, aber wichtiges Thema: Mit dem Alter können kognitive Fähigkeiten nachlassen. Die Fähigkeit, komplexe finanzielle Entscheidungen zu treffen, kann abnehmen. Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für Betrug.

Strategien für den Vermögensschutz im Alter

1. Entnahme-Strategie definieren

Eine kluge Entnahmestrategie berücksichtigt verschiedene Szenarien:

  • Basisversorgung: Garantierte Einnahmen (Rente, Pension) für essentielle Ausgaben
  • Flexibler Anteil: Variables Budget aus Vermögen für Zusätzliches
  • Puffer: Reserve für Unvorhergesehenes

2. Liquiditätspuffer vergrößern

Im Alter sollte der Liquiditätspuffer größer sein als in jüngeren Jahren:

  • 1-2 Jahre Lebenshaltungskosten in sofort verfügbarer Form
  • Möglichkeit, mehrere Jahre ohne Verkäufe zu überbrücken
  • Flexibilität für unvorhergesehene Ausgaben

3. Volatilität reduzieren

Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem Sie das Geld brauchen, desto weniger Schwankungen sollte Ihr Vermögen ausgesetzt sein:

  • Anteil an schwankungsanfälligen Anlagen reduzieren
  • Sichere Anlageformen bevorzugen
  • Regelmäßige Umschichtung in stabilere Werte

4. Sachwerte als Sicherheitsanker

Sachwerte spielen im Alter eine besondere Rolle:

  • Inflationsschutz: Substanzwerte behalten langfristig Kaufkraft
  • Keine Gegenparteirisiken: Unabhängig von Banken oder Versicherern
  • Einfachheit: Weniger komplexe Strukturen als Finanzprodukte

Praktische Maßnahmen

Vollmachten und Verfügungen

Bereiten Sie sich auf Situationen vor, in denen Sie selbst nicht mehr handlungsfähig sind:

  • Vorsorgevollmacht: Wer handelt für Sie, wenn Sie nicht können?
  • Patientenverfügung: Welche medizinischen Maßnahmen wünschen Sie?
  • Bankvollmachten: Wer hat Zugriff auf Ihre Konten im Notfall?

Vereinfachung der Strukturen

Komplexe Vermögensstrukturen, die früher sinnvoll waren, können im Alter zur Last werden:

  • Konsolidieren Sie, wo möglich
  • Reduzieren Sie die Anzahl der Depots und Konten
  • Schaffen Sie Übersichtlichkeit für sich und Ihre Erben

Dokumentation aktualisieren

Stellen Sie sicher, dass alle wichtigen Informationen dokumentiert sind:

  • Vollständige Vermögensübersicht
  • Zugangsdaten und Ansprechpartner
  • Wünsche für den Erbfall
  • Kontakte zu Beratern und Vertrauenspersonen

Die Familie einbeziehen

Transparenz schaffen

Im Alter wird es wichtiger, die Familie in finanzielle Angelegenheiten einzubeziehen:

  • Einen Überblick über das Vermögen geben
  • Wichtige Kontakte und Dokumente teilen
  • Erwartungen und Wünsche kommunizieren

Früh übergeben

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, Vermögen bereits zu Lebzeiten zu übergeben:

  • Steuerliche Vorteile durch frühzeitige Schenkungen
  • Möglichkeit, die Übergabe zu begleiten
  • Entlastung der eigenen Verantwortung

Mehr zum Thema Familienvermögen erhalten finden Sie in unserem ausführlichen Leitfaden.

Vor Betrug schützen

Ältere Menschen sind leider überproportional Ziel von Betrügern:

  • Seien Sie skeptisch bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen
  • Treffen Sie keine schnellen Entscheidungen unter Druck
  • Besprechen Sie größere finanzielle Entscheidungen mit Vertrauenspersonen
  • Informieren Sie sich regelmäßig über aktuelle Betrugsmaschen

Der Blick nach vorn

Das Alter muss keine Phase der Angst um das Vermögen sein. Mit den richtigen Strukturen, ausreichend Liquidität und einer durchdachten Vermögensschutz-Strategie können Sie Ihre späteren Jahre entspannt genießen.

Bereiten Sie sich auch auf den Fall der Fälle vor, damit unvorhergesehene Ereignisse Sie nicht aus der Bahn werfen.

Vermögensschutz im Alter ist kein Zeichen von Misstrauen. Es ist Ausdruck von Verantwortung, für sich selbst und für die Menschen, die Ihnen wichtig sind.

Die Checkliste für Vermögensschutz im Alter

BereichPrüfpunktErledigt?
Liquidität1-2 Jahre Lebenshaltungskosten verfügbar
DokumenteVorsorgevollmacht aktuell
DokumentePatientenverfügung vorhanden
FamilieVermögensübersicht geteilt
StrukturAnzahl Konten/Depots reduziert
SachwerteTeil des Vermögens systemunabhängig

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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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