Finanzplanung
Vermögen im Alter schützen
Strategien für die Zeit nach dem Berufsleben


Eine andere Phase, andere Prioritäten
Das Vermögen im Alter zu schützen erfordert eine andere Denkweise als der Vermögensaufbau in jüngeren Jahren. Die Prioritäten verschieben sich: Wachstum tritt in den Hintergrund, Sicherheit und Verfügbarkeit werden wichtiger.
Wer 30 Jahre Zeit hat, kann Marktschwankungen aussitzen. Wer sein Vermögen in den nächsten 15-20 Jahren braucht, muss anders planen. Ein schlechtes Jahr zur falschen Zeit kann die gesamte Altersplanung gefährden.
Die besonderen Risiken im Alter
Das Reihenfolge-Risiko
Das gefährlichste Risiko für Vermögen im Ruhestand ist das sogenannte Reihenfolge-Risiko. Es beschreibt die Auswirkung schlechter Marktjahre zu Beginn des Ruhestands:
Stellen Sie sich vor, Sie beginnen mit 1 Million Euro und entnehmen jährlich 40.000 Euro. Wenn in den ersten Jahren starke Kursverluste eintreten, während Sie gleichzeitig entnehmen, kann das Vermögen dauerhaft geschädigt werden, selbst wenn die Märkte später wieder steigen.
Inflation als stiller Feind
Im Ruhestand ist Inflation besonders tückisch. Ihre Ausgaben steigen mit der Zeit, aber fixe Renten und Pensionen oft nicht im gleichen Maß. Ein Euro heute ist in 20 Jahren vielleicht nur noch 50 Cent wert.
Schutz gegen Inflation ist daher auch, gerade im Alter ein wichtiges Thema.
Gesundheitskosten
Mit dem Alter steigen statistisch die Gesundheitskosten. Pflegebedürftigkeit ist eines der größten finanziellen Risiken im Alter. Eine einzige schwere Erkrankung kann Jahrzehnte von Ersparnissen aufzehren.
Kognitive Veränderungen
Ein sensibles, aber wichtiges Thema: Mit dem Alter können kognitive Fähigkeiten nachlassen. Die Fähigkeit, komplexe finanzielle Entscheidungen zu treffen, kann abnehmen. Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für Betrug.
Strategien für den Vermögensschutz im Alter
1. Entnahme-Strategie definieren
Eine kluge Entnahmestrategie berücksichtigt verschiedene Szenarien:
- Basisversorgung: Garantierte Einnahmen (Rente, Pension) für essentielle Ausgaben
- Flexibler Anteil: Variables Budget aus Vermögen für Zusätzliches
- Puffer: Reserve für Unvorhergesehenes
2. Liquiditätspuffer vergrößern
Im Alter sollte der Liquiditätspuffer größer sein als in jüngeren Jahren:
- 1-2 Jahre Lebenshaltungskosten in sofort verfügbarer Form
- Möglichkeit, mehrere Jahre ohne Verkäufe zu überbrücken
- Flexibilität für unvorhergesehene Ausgaben
3. Volatilität reduzieren
Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem Sie das Geld brauchen, desto weniger Schwankungen sollte Ihr Vermögen ausgesetzt sein:
- Anteil an schwankungsanfälligen Anlagen reduzieren
- Sichere Anlageformen bevorzugen
- Regelmäßige Umschichtung in stabilere Werte
4. Sachwerte als Sicherheitsanker
Sachwerte spielen im Alter eine besondere Rolle:
- Inflationsschutz: Substanzwerte behalten langfristig Kaufkraft
- Keine Gegenparteirisiken: Unabhängig von Banken oder Versicherern
- Einfachheit: Weniger komplexe Strukturen als Finanzprodukte
Praktische Maßnahmen
Vollmachten und Verfügungen
Bereiten Sie sich auf Situationen vor, in denen Sie selbst nicht mehr handlungsfähig sind:
- Vorsorgevollmacht: Wer handelt für Sie, wenn Sie nicht können?
- Patientenverfügung: Welche medizinischen Maßnahmen wünschen Sie?
- Bankvollmachten: Wer hat Zugriff auf Ihre Konten im Notfall?
Vereinfachung der Strukturen
Komplexe Vermögensstrukturen, die früher sinnvoll waren, können im Alter zur Last werden:
- Konsolidieren Sie, wo möglich
- Reduzieren Sie die Anzahl der Depots und Konten
- Schaffen Sie Übersichtlichkeit für sich und Ihre Erben
Dokumentation aktualisieren
Stellen Sie sicher, dass alle wichtigen Informationen dokumentiert sind:
- Vollständige Vermögensübersicht
- Zugangsdaten und Ansprechpartner
- Wünsche für den Erbfall
- Kontakte zu Beratern und Vertrauenspersonen
Die Familie einbeziehen
Transparenz schaffen
Im Alter wird es wichtiger, die Familie in finanzielle Angelegenheiten einzubeziehen:
- Einen Überblick über das Vermögen geben
- Wichtige Kontakte und Dokumente teilen
- Erwartungen und Wünsche kommunizieren
Früh übergeben
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, Vermögen bereits zu Lebzeiten zu übergeben:
- Steuerliche Vorteile durch frühzeitige Schenkungen
- Möglichkeit, die Übergabe zu begleiten
- Entlastung der eigenen Verantwortung
Mehr zum Thema Familienvermögen erhalten finden Sie in unserem ausführlichen Leitfaden.
Vor Betrug schützen
Ältere Menschen sind leider überproportional Ziel von Betrügern:
- Seien Sie skeptisch bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen
- Treffen Sie keine schnellen Entscheidungen unter Druck
- Besprechen Sie größere finanzielle Entscheidungen mit Vertrauenspersonen
- Informieren Sie sich regelmäßig über aktuelle Betrugsmaschen
Der Blick nach vorn
Das Alter muss keine Phase der Angst um das Vermögen sein. Mit den richtigen Strukturen, ausreichend Liquidität und einer durchdachten Vermögensschutz-Strategie können Sie Ihre späteren Jahre entspannt genießen.
Bereiten Sie sich auch auf den Fall der Fälle vor, damit unvorhergesehene Ereignisse Sie nicht aus der Bahn werfen.
Vermögensschutz im Alter ist kein Zeichen von Misstrauen. Es ist Ausdruck von Verantwortung, für sich selbst und für die Menschen, die Ihnen wichtig sind.
Die Checkliste für Vermögensschutz im Alter
| Bereich | Prüfpunkt | Erledigt? |
|---|---|---|
| Liquidität | 1-2 Jahre Lebenshaltungskosten verfügbar | ☐ |
| Dokumente | Vorsorgevollmacht aktuell | ☐ |
| Dokumente | Patientenverfügung vorhanden | ☐ |
| Familie | Vermögensübersicht geteilt | ☐ |
| Struktur | Anzahl Konten/Depots reduziert | ☐ |
| Sachwerte | Teil des Vermögens systemunabhängig | ☐ |
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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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