Finanzplanung
Generationenübergreifend planen
Vermögen für die Zukunft strukturieren


Über den eigenen Horizont hinausdenken
Generationenübergreifende Finanzplanung bedeutet, über das eigene Leben hinauszudenken. Es geht nicht nur darum, was Sie selbst brauchen, sondern was Sie hinterlassen möchten, und wie Sie sicherstellen, dass dieses Erbe auch tatsächlich ankommt.
Viele wohlhabende Familien scheitern an dieser Aufgabe. Das Vermögen, das eine Generation aufgebaut hat, ist oft bereits in der dritten Generation verschwunden. Doch mit den richtigen Strukturen, klaren Werten und einer durchdachten Kommunikation kann Wohlstand über viele Generationen erhalten und sogar vermehrt werden.
Warum Vermögen oft nicht überlebt
Die statistische Realität
Studien zeigen: Etwa 70 Prozent des Familienvermögens gehen bereits in der zweiten Generation verloren. Bis zur dritten Generation sind es über 90 Prozent. Diese Zahlen sollten jeden nachdenklich stimmen, der Vermögen aufgebaut hat.
Die häufigsten Ursachen
- Fehlende Vorbereitung der Erben: Die nächste Generation wurde nicht auf die Verantwortung vorbereitet
- Unklare Strukturen: Keine rechtlichen Regelungen, die das Vermögen schützen
- Konflikte innerhalb der Familie: Streitigkeiten, die zu Zersplitterung führen
- Externe Einflüsse: Scheidungen, Insolvenzen, politische Veränderungen
- Inflation und Krisen: Geldwertverluste, die nicht ausgeglichen wurden
Die Säulen der generationenübergreifenden Planung
1. Werte vor Vermögen
Das wichtigste Element ist oft immateriell: Die Werte, die Sie weitergeben. Familien, deren Vermögen Generationen überdauert, teilen bestimmte Charakteristiken:
- Arbeitsethos: Der Wert von Arbeit und Leistung wird vermittelt
- Bescheidenheit: Wohlstand wird nicht zur Schau gestellt
- Verantwortungsbewusstsein: Vermögen als Aufgabe, nicht als Recht
- Zusammenhalt: Die Familie steht über dem Individuum
2. Rechtliche Strukturen
Die zweite Säule sind rechtliche Konstrukte, die das Vermögen schützen und ordnen:
- Testamente und Erbverträge: Klare Regelungen für den Erbfall
- Vollmachten: Handlungsfähigkeit bei Handlungsunfähigkeit
- Familienverträge: Regelungen für Konflikte und Entscheidungen
- Gütertrennung: Schutz vor Verlusten durch Scheidungen
3. Vermögensstruktur
Die dritte Säule ist die Struktur des Vermögens selbst:
- Diversifikation: Streuung über Anlageklassen und Regionen
- Sachwerte: Substanzwerte, die Inflation und Krisen überstehen
- Liquidität: Ausreichend flexible Mittel für Unvorhergesehenes
- Wachstum: Anteile, die langfristig Wert schaffen
Praktische Schritte zur Umsetzung
Das Gespräch suchen
Der erste und wichtigste Schritt ist das Gespräch innerhalb der Familie. Viele vermeiden dieses Thema, dabei ist offene Kommunikation der Schlüssel:
- Was sind die gemeinsamen Werte?
- Was soll das Vermögen leisten?
- Wer trägt welche Verantwortung?
- Wie werden Entscheidungen getroffen?
Bestandsaufnahme machen
Nur wer weiß, was vorhanden ist, kann sinnvoll planen. Eine vollständige Übersicht umfasst:
- Alle Vermögenswerte und ihre Strukturen
- Bestehende rechtliche Regelungen
- Laufende Verpflichtungen
- Risiken und Schwachstellen
Experten einbeziehen
Generationenübergreifende Planung ist komplex. Verschiedene Fachleute können helfen:
- Rechtsanwälte für Erbrecht und Familienrecht
- Steuerberater für optimale Strukturen
- Vermögensverwalter für die Anlagestruktur
- Mediatoren bei Konflikten
Die Rolle der nächsten Generation
Früh einbeziehen
Je früher die nächste Generation einbezogen wird, desto besser ist sie vorbereitet. Das bedeutet nicht, sofort Vermögen zu übertragen, sondern:
- Grundlagen der Finanzbildung vermitteln
- An Entscheidungen teilhaben lassen
- Verantwortung schrittweise übertragen
- Fehler in kleinem Rahmen erlauben
Erwartungen klären
Klare Erwartungen verhindern spätere Enttäuschungen:
- Was wird erwartet, um das Erbe anzutreten?
- Welche Bedingungen sind an die Übertragung geknüpft?
- Wie wird mit verschiedenen Lebensentwürfen umgegangen?
Sachwerte in der generationenübergreifenden Planung
Sachwerte spielen eine besondere Rolle in der langfristigen Vermögensplanung. Sie bieten:
- Inflationsschutz über Jahrzehnte
- Unabhängigkeit von Bankensystemen
- Übertragbarkeit über Generationen
- Substanzwert in Krisenzeiten
Erfahren Sie mehr über bewährte Vermögensschutz-Strategien und wie Sie typische Fehler vermeiden können.
Der lange Blick nach vorn
Generationenübergreifende Planung erfordert Geduld und Weitsicht. Es geht nicht um schnelle Ergebnisse, sondern um Strukturen, die Jahrzehnte überdauern.
Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen können Sie dafür sorgen, dass Ihr Vermögen nicht nur erhalten bleibt, sondern auch den Zusammenhalt Ihrer Familie stärkt. Vermögen kann eine Last oder ein Segen sein. Die Strukturen, die Sie heute schaffen, entscheiden darüber.
Die Statistik, die nachdenklich macht
| Generation | Vermögen erhalten |
|---|---|
| Gründer | 100% |
| 2. Generation | ~30% |
| 3. Generation | ~10% |
| 4. Generation | ~3% |
Warum? Nicht weil die Erben unfähig sind – sondern weil niemand sie vorbereitet hat.
Die drei wichtigsten Schritte (heute beginnen)
- Das Gespräch führen – Sprechen Sie mit Ihrer Familie über Geld, Werte, Erwartungen
- Dokumente aktualisieren – Testament, Vollmachten, Familienverträge prüfen
- Sachwerte einbeziehen – Gold, Diamanten als Teil des Familienerbguts
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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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