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Finanzplanung

Für den Fall der Fälle
Finanzielle Vorsorge für Krisensituationen

Dr. Markus Hartmann
Dr. Markus Hartmann · Leiter Vermögensstrategie
Finanzplanung - Titelbild

Griechenland 2015: Banken zu. 60 € pro Tag. Drei Wochen lang.

Das war kein Drittweltland. Das war die Eurozone, vor 10 Jahren.

Ein griechischer Unternehmer, den wir 2019 trafen: "Ich hatte 400.000 € auf der Bank. Drei Wochen konnte ich nur 60 € pro Tag abheben. Meine Firma hätte fast nicht überlebt. Seitdem habe ich immer einen Plan B."

Die Frage ist nicht, ob Krisen kommen. Die Frage ist, wie gut Sie vorbereitet sind.

Finanzielle Vorsorge für den Ernstfall ist keine Schwarzmalerei. Es ist die gleiche Vernunft, die Sie dazu bringt, eine Krankenversicherung abzuschließen oder einen Ersatzreifen im Auto zu haben. Sie hoffen, dass Sie es nie brauchen, aber Sie sind froh, es zu haben, wenn es soweit ist.

Welche Szenarien sollten Sie bedenken?

Persönliche Krisen

  • Krankheit oder Unfall: Plötzliche Arbeitsunfähigkeit kann Einkommen und Lebensplanung erschüttern
  • Scheidung oder Trennung: Vermögensaufteilungen und rechtliche Auseinandersetzungen
  • Berufsrisiken: Jobverlust, Insolvenz des Arbeitgebers, Branchenumbrüche
  • Tod eines Familienmitglieds: Plötzliche finanzielle Verantwortung oder Erbschaftsfragen

Systemische Krisen

  • Wirtschaftskrisen: Rezessionen, Bankenzusammenbrüche, Währungsabwertungen
  • Inflation: Schleichende oder plötzliche Entwertung von Geldvermögen
  • Politische Umbrüche: Verstaatlichungen, Kapitalkontrollen, Steuerverschärfungen
  • Naturkatastrophen: Regionale Ereignisse mit wirtschaftlichen Folgen

Die Grundlagen der Krisenvorsorge

1. Liquiditätsreserve aufbauen

Eine sofort verfügbare Reserve ist das Fundament jeder Krisenvorsorge. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatseinkommen in liquider Form. Dieses Geld sollte:

  • Schnell verfügbar sein, ohne Wertverlust
  • Getrennt vom Alltagskonto geführt werden
  • Nicht für andere Zwecke verwendet werden

2. Versicherungen prüfen

Versicherungen sind kein glamouröses Thema, aber sie sind essentiell. Prüfen Sie regelmäßig:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Unfallversicherung

Sind die Deckungssummen noch angemessen? Entspricht der Versicherungsschutz Ihrer aktuellen Lebenssituation?

3. Dokumentation in Ordnung bringen

Im Krisenfall müssen Sie schnell handeln können. Dafür brauchen Sie:

  • Übersicht über alle Vermögenswerte
  • Wichtige Dokumente griffbereit (Testamente, Vollmachten, Verträge)
  • Zugangsdaten für Online-Konten sicher verwahrt
  • Eine Person Ihres Vertrauens, die im Notfall handeln kann

Vermögensstruktur für Krisenzeiten

Diversifikation ist keine Option, sondern Pflicht

Wer alles auf einer Bank, in einer Währung oder in einem Land hält, geht ein hohes Klumpenrisiko ein. Kluge Diversifikation bedeutet:

  • Mehrere Banken: Nicht das gesamte liquide Vermögen bei einer Institution
  • Verschiedene Anlageklassen: Geldwerte und Sachwerte kombinieren
  • Geografische Streuung: Nicht ausschließlich auf den Heimatmarkt setzen

Sachwerte als Sicherheitsanker

In Krisenzeiten haben sich Sachwerte historisch bewährt. Sie bieten:

  • Werterhalt unabhängig von Bankensystemen
  • Portabilität in bestimmten Fällen
  • Substanzwert, der nicht von Zahlungsversprechen abhängt

Mehr zu sicheren Anlageformen und den verschiedenen Optionen finden Sie in unserem Ratgeber.

Praktische Checkliste für den Ernstfall

Kurzfristig (sofort umsetzbar)

  • Liquiditätsreserve prüfen und ggf. aufstocken
  • Wichtige Dokumente zusammenstellen
  • Vollmachten und Notfallregelungen erstellen
  • Versicherungen auf Aktualität prüfen

Mittelfristig (nächste Monate)

  • Vermögensstruktur analysieren
  • Klumpenrisiken identifizieren und reduzieren
  • Sachwert-Anteil prüfen
  • Mit Steuerberater über Strukturoptimierung sprechen

Langfristig (strategische Ebene)

  • Generationenübergreifende Planung aufsetzen
  • Notfallszenarien durchspielen
  • Strukturen regelmäßig überprüfen und anpassen
  • Familie in die Planung einbeziehen

Was Krisen uns lehren

Die Geschichte zeigt, dass Krisen immer wieder kommen, aber auch immer wieder vorbeigehen. Menschen, die vorbereitet waren, kamen besser durch schwierige Zeiten, nicht weil sie die Zukunft vorhergesagt hatten, sondern weil sie auf verschiedene Szenarien vorbereitet waren.

Informieren Sie sich über bewährte Vermögensschutz-Strategien und darüber, wie Sie Ihr Familienvermögen erhalten können.

Der ruhige Moment vor dem Sturm

Jetzt, wo keine akute Krise herrscht, ist der beste Zeitpunkt, um Strukturen zu schaffen. Wer in ruhigen Zeiten plant, kann in turbulenten Zeiten handeln. Vorsorge ist der Schlüssel zur Gelassenheit, auch wenn das Unerwartete eintritt.

Was uns die Geschichte lehrt

JahrEreignisFolge für Vermögende
2008Lehman-PleiteBankguthaben teils eingefroren
2013Zypern-KriseBail-in: Guthaben >100k € teilweise konfisziert
2015GriechenlandKapitalverkehrskontrollen für Wochen
2020CoronaKurzzeitige Börsencrashs, Lieferkettenprobleme

All das ist in Europa passiert. Innerhalb einer Generation.

Die 3 Säulen der Krisenvorsorge

1. Liquidität – Bargeld und Tagesgeld für 3-6 Monate Lebenshaltungskosten

2. Sachwerte – 10-20% in Gold oder anderen physischen Werten außerhalb des Bankensystems

3. Dokumentation – Alle wichtigen Unterlagen griffbereit, Vollmachten erteilt

Unsere Empfehlung

Beginnen Sie klein:

  • 5.000-10.000 € Bargeld zuhause (nicht auf der Bank)
  • Eine Notfall-Mappe mit allen wichtigen Dokumenten
  • Eine Person Ihres Vertrauens mit Vollmacht

Das ist keine Panik. Das ist Vernunft.

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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann

Dr. Markus Hartmann

Leiter Vermögensstrategie

Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.

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