Finanzplanung
Familienvermögen erhalten
So bewahren Sie aufgebauten Wohlstand


70% des Familienvermögens geht bis zur dritten Generation verloren.
Das ist keine Meinung – das ist Statistik. Die Williams Group hat 3.250 wohlhabende Familien untersucht. Das Ergebnis: Nur 30% schaffen den Vermögenserhalt über drei Generationen.
"Die erste Generation baut auf, die zweite verwaltet, die dritte verbraucht." Dieses Sprichwort existiert in fast jeder Kultur – weil es universell zutrifft.
Ein Familienunternehmer aus Baden-Württemberg, 67, Großvater von drei Enkeln, brachte es auf den Punkt: "Ich habe 40 Jahre gearbeitet, um dieses Vermögen aufzubauen. Wenn meine Enkel es in 10 Jahren durchbringen, war alles umsonst. Das ist meine größte Angst."
Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strukturen kann Familienvermögen über Generationen erhalten werden. Die 30%, die es schaffen, machen einige Dinge grundlegend anders.
Die drei Säulen des Vermögenserhalts
1. Strukturelle Absicherung
Die rechtliche und organisatorische Struktur Ihres Vermögens ist das Fundament. Dazu gehören Fragen wie:
- Wie ist das Vermögen aufgeteilt?
- Welche rechtlichen Konstrukte schützen es vor Zugriffen?
- Gibt es klare Regelungen für den Erbfall?
- Wie werden Entscheidungen innerhalb der Familie getroffen?
Eine durchdachte Struktur verhindert, dass externe Einflüsse wie Scheidungen, Insolvenzverfahren oder politische Veränderungen das Familienvermögen gefährden.
2. Diversifikation über Anlageklassen
Die zweite Säule ist die breite Streuung des Vermögens. Keine einzelne Anlageklasse ist immun gegen alle Risiken. Daher sollte Familienvermögen auf verschiedene Bausteine verteilt sein:
- Immobilien für stabile Erträge
- Sachwerte für Substanzwert
- Liquide Mittel für Flexibilität
- Beteiligungen für Wachstum
Die genaue Aufteilung hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Wichtig ist, dass kein einzelner Bereich dominiert.
3. Generationenübergreifende Kommunikation
Die dritte und oft unterschätzte Säule ist die Kommunikation. Vermögen, das die nachfolgende Generation nicht versteht oder wertschätzt, ist in Gefahr.
Erfolgreiche Familien sprechen offen über Geld. Sie vermitteln Werte, erklären Entscheidungen und beziehen die nächste Generation früh in die Vermögensverwaltung ein.
Häufige Fehler beim Familienvermögen
Fehler 1: Alles in einer Anlageklasse
Manche Familien setzen alles auf ein Pferd: Das Familienunternehmen, die Immobiliensammlung oder das Aktiendepot.
Beispiel: Eine Familie hatte 90% ihres Vermögens im Familienunternehmen (Einzelhandel). Corona 2020 hat den Wert halbiert. Kein Puffer, keine Diversifikation.
Fehler 2: Nachfolge ignorieren
Viele Menschen schieben das Thema vor sich her. "Ich bin ja noch fit." Das Ergebnis: Im Ernstfall keine klaren Regelungen.
Die Kosten:
- Erbschaftssteuer ohne Planung: bis zu 30%
- Familienstreit: unbezahlbar
- Fehlentscheidungen unter Druck: häufig
Fehler 3: Alles im gleichen System
Wenn Ihr gesamtes Vermögen bei deutschen Banken liegt, in deutschen Depots, in deutschen Immobilien – dann sind Sie zu 100% von einem System abhängig.
Die Geschichte lehrt: Systeme können kippen. 1923. 1948. Vielleicht irgendwann wieder. Wer diversifiziert, schläft besser.
Fehler 4: Nicht mit der Familie reden
Kinder, die nicht wissen, was die Eltern haben und warum, werden es wahrscheinlich verlieren. Kommunikation ist kein "nice to have" – sie ist essentiell.
Praktische Schritte zum Vermögenserhalt
Bestandsaufnahme machen
Der erste Schritt ist eine vollständige Übersicht über Ihr Vermögen. Was gehört der Familie? Wie ist es strukturiert? Welche Risiken bestehen?
Ziele definieren
Was soll das Vermögen leisten? Soll es Einkommen generieren, Sicherheit bieten oder für zukünftige Generationen wachsen? Klare Ziele ermöglichen klare Entscheidungen.
Strukturen prüfen
Sind die bestehenden Strukturen noch zeitgemäß? Rechtliche Rahmenbedingungen ändern sich, und was vor 20 Jahren sinnvoll war, ist es heute vielleicht nicht mehr.
Experten einbeziehen
Vermögenserhalt ist ein komplexes Thema. Steuerberater, Rechtsanwälte und Vermögensberater können helfen, blinde Flecken zu identifizieren und Strukturen zu optimieren.
Die Rolle von Sachwerten beim Generationenvermögen
In einer Welt, in der Papiergeld durch Inflation entwertet wird, spielen Sachwerte eine besondere Rolle für den Vermögenserhalt.
Historische Perspektive:
| Zeitraum | Was passierte | Was überlebte |
|---|---|---|
| 1923 (Hyperinflation) | Bankguthaben → wertlos | Gold, Immobilien, Land |
| 1948 (Währungsreform) | 100 RM → 6,50 DM | Sachwerte blieben |
| 2008 (Finanzkrise) | Lehman-Anleihen → 0 | Gold +5,8% |
Eine Unternehmerfamilie aus dem Rheinland, die wir seit 2019 begleiten, hat ihr Vermögen so strukturiert:
- 40% produktive Anlagen (Aktien, Beteiligungen)
- 30% Immobilien (selbstgenutzt + vermietet)
- 15% physisches Gold
- 10% Diamanten
- 5% Liquidität
"Nicht alle Eier in einen Korb" – klingt banal, aber die meisten Familien halten 80%+ in einer Anlageklasse.
Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Der beste Zeitpunkt, um über den Erhalt des Familienvermögens nachzudenken, war vor 10 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute.
Warum Warten gefährlich ist:
- Erbschaftssteuer-Freibeträge könnten sinken (politische Diskussion läuft)
- Strukturelle Änderungen brauchen Zeit (Testament, Schenkungen, Gesellschaften)
- Sachwerte brauchen Vorlauf (mindestens 12 Monate für Steuerfreiheit bei Gold)
Ein Steuerberater aus Frankfurt, der selbst Mandant ist: "Ich sehe jeden Tag, wie Familien Vermögen verlieren – nicht durch schlechte Anlagen, sondern durch fehlende Planung. Die Erbschaftssteuer allein kann 30% kosten. Das lässt sich mit Vorlauf vermeiden."
Die drei Fragen, die Sie heute klären sollten:
- Weiß Ihre Familie, was Sie besitzen und warum?
- Gibt es einen Plan für den Ernstfall?
- Ist Ihr Vermögen über verschiedene Systeme diversifiziert?
Wenn Sie eine dieser Fragen mit "Nein" beantwortet haben, sollten Sie handeln.
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Über den Autor

Dr. Markus Hartmann
Leiter Vermögensstrategie
Berät Unternehmerfamilien seit über 20 Jahren zu Fragen der generationenübergreifenden Vermögenssicherung.
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