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Alternativen

Alternativen zu ETFs
Vermögensaufbau jenseits der Börse

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
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Warum Alternativen zu ETFs suchen?

Exchange Traded Funds (ETFs) gelten vielen als ideale Anlageform: kostengünstig, diversifiziert, einfach zu handhaben. Dennoch haben auch ETFs Eigenschaften, die nicht zu jedem Anleger passen.

Mögliche Bedenken:

  • ETFs bleiben im Finanzsystem und bieten keinen Schutz vor systemischen Krisen
  • Marktrisiko bleibt bestehen – bei einem Crash fallen auch breit gestreute ETFs
  • Keine physische Substanz – Sie besitzen Anteile an einem Fonds, nicht die Unternehmen selbst
  • Abhängigkeit von Börsen und deren Funktionieren
  • Steuerliche Komplexität bei Thesaurierern und ausländischen ETFs

Wer sein Portfolio über die Börse hinaus diversifizieren möchte, findet verschiedene Alternativen.

Kategorien von ETF-Alternativen

1. Physische Edelmetalle

Gold, Silber, Platin und Palladium als physischer Besitz unterscheiden sich fundamental von ETFs:

Unterschiede zu Edelmetall-ETFs:

  • Bei physischem Besitz haben Sie direktes Eigentum, kein Fondsanteil
  • Kein Emittentenrisiko – der Wert ist in Ihren Händen
  • Unabhängig von Börsenöffnungszeiten und Handelsplattformen

Vorteile:

  • Realer Sachwert ohne Gegenparteirisiko
  • Schutz außerhalb des Finanzsystems
  • Historische Wertbeständigkeit über Jahrhunderte

Nachteile:

  • Verwahrung erfordert Aufwand und Kosten
  • Keine Dividenden oder laufende Erträge
  • Weniger liquide als börsengehandelte Produkte

2. Immobilien (direkt)

Direkter Immobilienbesitz statt Immobilien-ETFs oder REITs:

Vorteile:

  • Vollständige Kontrolle über das Objekt
  • Mieteinnahmen als laufende Erträge
  • Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Physischer Sachwert mit Nutzwert

Nachteile:

  • Sehr hoher Kapitalbedarf
  • Klumpenrisiko durch Einzelobjekt
  • Verwaltungsaufwand und Instandhaltung
  • Geringe Liquidität

3. Sammlerstücke und Raritäten

Kunst, seltene Uhren, Weine oder Oldtimer bieten alternative Wertspeicher:

Vorteile:

  • Oft unkorreliert zu Finanzmärkten
  • Kombination von Leidenschaft und Wertanlage
  • Bei richtiger Auswahl hohe Wertdichten möglich

Nachteile:

  • Erfordert tiefgehendes Fachwissen
  • Eingeschränkte und spezialisierte Märkte
  • Subjektive Bewertungen
  • Pflegeaufwand und Lagerkosten

4. Direktbeteiligungen

Beteiligung an Unternehmen außerhalb der Börse:

Formen:

  • Stille Beteiligungen an Mittelständlern
  • Crowdfunding für Startups
  • Genossenschaftsanteile
  • Beteiligungen an Sachwertgesellschaften

Vorteile:

  • Potenziell höhere Erträge als Standardanlagen
  • Direkte Verbindung zur wirtschaftlichen Aktivität
  • Unabhängig von Börsenschwankungen

Nachteile:

  • Hohes Einzelrisiko
  • Oft lange Bindungsfristen
  • Wenig Transparenz bei manchen Angeboten
  • Erfordert sorgfältige Prüfung

Vergleich: ETFs vs. Alternativen

KriteriumETFsPhysische SachwerteImmobilien direktBeteiligungen
EinstiegskapitalSehr niedrigNiedrig bis mittelSehr hochVariabel
LiquiditätSehr hochMittelSehr niedrigNiedrig
SystemrisikoVorhandenGeringGeringMittel
Laufende ErträgeDividendenKeineMietenVariabel
VerwaltungsaufwandMinimalGeringHochVariabel
Expertise nötigGeringGering bis mittelMittelHoch

Wann machen ETF-Alternativen Sinn?

Szenario 1: Systemische Absicherung

Wenn Sie befürchten, dass größere Finanzkrisen auch breit gestreute ETFs betreffen könnten, bieten physische Sachwerte eine nicht korrelierte Absicherung.

Szenario 2: Hohes Vermögen diversifizieren

Ab einer gewissen Vermögensgröße ist es sinnvoll, nicht alles im Finanzsystem zu halten. ETF-Alternativen ergänzen das Portfolio um neue Anlageklassen.

Szenario 3: Langfristiger Vermögenserhalt

Für generationenübergreifendes Vermögen können physische Sachwerte stabiler sein als Finanzprodukte, die kommen und gehen.

Szenario 4: Persönliche Präferenz

Manche Menschen fühlen sich mit greifbaren Werten einfach wohler als mit Depotauszügen. Das ist ein legitimer Grund.

Die richtige Mischung finden

ETFs und deren Alternativen schließen sich nicht gegenseitig aus. Eine durchdachte Kombination könnte so aussehen:

Basis (liquide und wachstumsorientiert):

  • Breit gestreute ETFs für langfristiges Wachstum
  • Anteil: 40-60% je nach Risikoprofil

Absicherung (systemunabhängig):

  • Physische Edelmetalle als Krisenversicherung
  • Anteil: 10-20%

Ergänzung (nach Präferenz):

  • Immobilie, falls Kapital vorhanden
  • Sammlerstücke bei entsprechendem Interesse
  • Anteil: variabel

Reserve:

  • Tagesgeld und Bargeld für Liquidität
  • Anteil: 3-6 Monatsausgaben

Häufige Fehler bei ETF-Alternativen

Alles auf einmal umschichten: Bauen Sie Alternativen schrittweise auf, nicht durch abrupte Umschichtungen.

Ohne Fachwissen in spezielle Märkte: Sammlerstücke oder Beteiligungen erfordern Expertise. Bleiben Sie bei dem, was Sie verstehen.

Liquidität unterschätzen: Halten Sie immer genug liquide Mittel. Sachwerte zu Notverkäufen abzugeben ist ungünstig.

Verwahrung vernachlässigen: Physische Werte brauchen sichere Aufbewahrung. Kalkulieren Sie diese Kosten ein.

Fazit

ETFs sind ein sinnvoller Baustein, aber nicht die einzige Option. Wer über den Tellerrand der Börse hinausschaut, findet ergänzende Anlageklassen, die das Portfolio robuster machen können.

Weiterführende Informationen

Lernen Sie mehr über Sachwerte als Anlageklasse und die Bedeutung von Diversifikation. Der Vergleich Festgeld vs. Sachwerte zeigt Unterschiede auf, und unsere Vermögensschutz-Strategien bieten konkrete Ansätze. Ein umfassender Sachwerte-Vergleich hilft bei der Auswahl der richtigen Alternative.

Über den Autor

Dr. Katharina Meier

Dr. Katharina Meier

Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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