Alternativen
Uhren als Wertanlage
Zwischen Leidenschaft und Wertspeicherung


Der Hype ist vorbei. Gut so.
Eine Rolex Daytona Stahl kostete 2022 auf dem Graumarkt 50.000 €. Heute? 32.000 €. Das sind -36% in drei Jahren.
Ein Sammler aus Frankfurt, 54: "Ich habe 2022 eine Patek Nautilus für 85.000 € gekauft. Heute ist sie 55.000 € wert. Mein Bankberater hat sie mir als 'sicheres Sachwert-Anlage' verkauft."
Das ist die Realität des Uhrenmarkts 2026. Der Hype ist vorbei – und das ist gut so. Denn jetzt können wir nüchtern analysieren.
Uhren als Wertanlage sind ein Nischenthema. Für die richtige Zielgruppe mit dem richtigen Ansatz können sie funktionieren. Für die meisten sind sie ein teures Hobby, das man nicht mit Anlage verwechseln sollte.
Vergleichskriterien
| Kriterium | Bewertung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Sicherheit | Mittel | Abhängig von Marke, Modell und Zustand |
| Liquidität | Mittel | Etablierte Marken gut handelbar |
| Wertstabilität | Variabel | Nur ausgewählte Modelle wertstabil |
| Portabilität | Exzellent | Am Handgelenk über jede Grenze |
| Diskretion | Hoch | Keine Registerpflicht |
Detaillierte Analyse
Vorteile
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Extreme Portabilität: Eine Uhr im Wert von 100.000 Euro tragen Sie am Handgelenk. Keine andere Wertanlage ist so unauffällig transportabel.
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Hohe Wertdichte: Ähnlich wie Diamanten konzentrieren Luxusuhren erhebliche Werte auf kleinstem Raum.
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Etablierter Sekundärmarkt: Für Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet existiert ein globaler, liquider Markt mit professionellen Händlern.
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Nutzwert: Eine Uhr kann man tragen und genießen – im Gegensatz zu Gold im Tresor.
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Steuerfreie Veräußerung: Nach einem Jahr Haltefrist ist der Verkauf für Privatpersonen steuerfrei.
Nachteile
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Konzentration auf wenige Modelle: Wertsteigerungen beschränken sich auf eine Handvoll Modelle weniger Marken. Der Rest verliert wie ein Neuwagen.
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Verschleiß und Wartung: Uhren sind mechanische Präzisionsinstrumente. Service alle 5-7 Jahre kostet 500-2.000 Euro. Beschädigungen können den Wert vernichten.
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Marktzyklen: Der Uhrenmarkt ist modisch. Was heute begehrt ist, kann morgen Ladenhüter sein. Die Korrektur 2022/2023 hat das gezeigt.
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Fälschungsrisiko: Hochwertige Fälschungen sind kaum von Originalen zu unterscheiden. Nur der Kauf bei autorisierten Händlern oder mit lückenloser Provenienz schützt.
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Kapital bindet sich: Das Kapital in einer Uhr arbeitet nicht. Keine Dividenden, keine Zinsen.
Welche Uhren kommen in Frage?
Nur ein Bruchteil der Luxusuhren eignet sich als Wertanlage:
Etablierte Wertspeicher:
- Rolex: Daytona, Submariner, GMT-Master (Vintage besonders)
- Patek Philippe: Nautilus, Aquanaut, bestimmte Komplikationen
- Audemars Piguet: Royal Oak (Originaldesign)
Wichtige Faktoren:
- Originalzustand (Box, Papiere, Service-Historie)
- Limitierte Auflagen oder eingestellte Produktionen
- Stahl oft wertvoller als Gold (paradoxerweise)
Warnung: Alles außerhalb dieser engen Kategorie ist Konsum, kein Anlage. Eine Omega, Breitling oder Tag Heuer wird wahrscheinlich an Wert verlieren.
Alternativen im Vergleich
| Kriterium | Uhren | Diamanten | Edelmetalle | Kunst |
|---|---|---|---|---|
| Liquidität | Mittel | Mittel | Hoch | Gering |
| Wertdichte | Sehr hoch | Exzellent | Hoch | Niedrig |
| Expertise nötig | Hoch | Mittel | Gering | Sehr hoch |
| Wartungskosten | Mittel | Keine | Keine | Hoch |
| Fälschungsrisiko | Hoch | Mittel (zertifiziert) | Gering | Hoch |
Für reine Vermögenssicherung bieten Diamanten Vorteile: keine Wartung, kein Verschleiß, höhere Wertdichte, und mit GIA-Zertifikat geringeres Fälschungsrisiko. Die Wertentwicklung bei Diamanten ist zudem weniger von Modezyklen abhängig.
Für wen eignet sich diese Option?
Uhren als Wertanlage eignen sich für:
- Uhrenliebhaber, die ihr Hobby mit Wertspeicherung verbinden möchten
- Personen mit Zugang zu begehrten Modellen (Wartelisten, Händlerbeziehungen)
- Anleger, die extreme Portabilität schätzen
- Menschen mit Expertise im Uhrenmarkt oder Zugang zu Beratern
Uhren eignen sich NICHT für:
- Reine Vermögenssicherung ohne Uhreninteresse
- Anleger ohne Marktkenntnisse (Fälschungs- und Überzahlungsrisiko)
- Personen, die stabile, vorhersagbare Wertentwicklung suchen
- Kurzfristige Anleger (Markt ist zyklisch)
Unsere Einschätzung
Uhren können Teil einer Vermögensstrategie sein – für Liebhaber mit Expertise. Die extreme Portabilität ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal: In Krisenszenarien trägt man die Uhr am Handgelenk über Grenzen.
Aber: Der Markt ist eng, zyklisch und erfordert Fachwissen. Die Korrektur 2022/2023 hat gezeigt, dass auch Luxusuhren keine Einbahnstraße nach oben sind.
Wer Vermögensschutz als primäres Ziel hat und keine Uhrenleidenschaft mitbringt, findet in Diamanten eine rationalere Alternative. Ähnliche Wertdichte, keine Wartung, stabilere Märkte.
Die ehrliche Empfehlung: Kaufen Sie eine schöne Uhr, wenn Sie Uhren lieben. Betrachten Sie sie als Bonus, wenn sie ihren Wert hält – nicht als Anlagestrategie.
Der Markt in Zahlen (Februar 2026)
| Modell | Preis 2022 (Graumarkt) | Preis 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Rolex Daytona Stahl | 50.000 € | 32.000 € | -36% |
| Patek Nautilus 5711 | 120.000 € | 75.000 € | -38% |
| AP Royal Oak 15500 | 55.000 € | 38.000 € | -31% |
| Rolex GMT Pepsi | 28.000 € | 22.000 € | -21% |
| Rolex Submariner | 18.000 € | 13.500 € | -25% |
Die Ausnahme: Vintage-Uhren (vor 1990) mit lückenloser Provenienz. Diese halten ihre Werte besser – aber erfordern noch mehr Expertise.
Was Uhren können – und was nicht
Uhren können:
- Extreme Portabilität bieten (am Handgelenk über jede Grenze)
- Emotionale Freude beim Tragen verschaffen
- In seltenen Fällen Wert erhalten oder steigern
Uhren können NICHT:
- Systematischen Vermögensschutz bieten
- Vorhersagbare Wertentwicklung liefern
- Ohne Expertise sicher gekauft werden
Unser Rat
Wenn Sie Uhren lieben: Kaufen Sie eine, die Ihnen gefällt. Tragen Sie sie. Genießen Sie sie.
Wenn Sie Vermögensschutz wollen: Beginnen Sie mit Gold (liquider, stabiler) oder prüfen Sie Diamanten (bessere Wertdichte, keine Wartung).
Die Uhr ist dann der Bonus – nicht die Strategie.
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Über den Autor

Dr. Katharina Meier
Leiterin Research & Analyse
Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.
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