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Alternativen

Silber als Wertanlage
Der kleine Bruder von Gold?

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Alternativen - Vergleich

+180% in 5 Jahren. Aber 80x schwerer als Gold.

Silber hat Gold in den letzten 5 Jahren übertroffen. Der Preis stieg von ~14 € (2021) auf ~39 € pro Unze (Februar 2026). Das ist beeindruckend.

Ein Mandant aus Düsseldorf, 47, Unternehmer: "Ich wollte 200.000 € in Silber anlegen. Dann habe ich gerechnet: Das sind 160 kg Silber. Einen halben Kubikmeter Schließfach. Ich habe dann Gold genommen."

Das ist das Silber-Dilemma: Gute Wertentwicklung, aber praktische Probleme. Silber wird oft als "kleiner Bruder" des Goldes bezeichnet – doch das greift zu kurz.

Überblick

Wenn Sie Silber als Wertanlage in Betracht ziehen, sollten Sie mehrere Faktoren berücksichtigen. Anders als bei reinen Währungsmetallen wie Gold unterliegt Silber sowohl monetären als auch industriellen Einflüssen. Diese Kombination macht eine differenzierte Betrachtung erforderlich.

Silber hat historisch drei Funktionen erfüllt: Zahlungsmittel, Wertaufbewahrung und Industrierohstoff. Heute dominiert die industrielle Nachfrage mit etwa 50% des Gesamtverbrauchs, gefolgt von Schmuck (25%) und Investitionen (20%). Diese Verteilung beeinflusst die Preisdynamik erheblich.

Vergleichskriterien

Bei nüchterner Betrachtung lässt sich Silber anhand fünf wesentlicher Dimensionen bewerten:

KriteriumBewertungAnmerkung
SicherheitGutPhysisches Metall, aber höhere Volatilität als Gold
LiquiditätSehr gutWeltweit handelbar, aber größere Spreads als Gold
WertstabilitätMittelSchwankt stärker als Gold durch industrielle Nachfrage
PortabilitätBefriedigendGeringere Wertdichte erfordert mehr Lagerraum
DiskretionGutPhysischer Besitz möglich, aber aufwendiger als Gold

Detaillierte Analyse

Vorteile

Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit: Silber ermöglicht den Einstieg in Edelmetalle bereits mit geringen Beträgen. Während eine Unze Gold über 1.800 Euro kostet, liegt Silber bei etwa 25 Euro pro Unze (Stand 2024).

Industrielle Nachfrage als Preistreiber: Die wachsende Verwendung in Elektronik, Solarpanels und medizinischen Anwendungen schafft eine fundamentale Nachfragebasis. Die Evidenz deutet darauf hin, dass diese strukturelle Nachfrage in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Historische Krisenfestigkeit: In Inflationsphasen hat sich Silber oft überproportional zu Gold entwickelt. Zwischen 1970 und 1980 stieg der Silberpreis um über 2.000%, verglichen mit 1.200% bei Gold.

Liquidität: Silber ist nach Gold das liquideste Edelmetall. Der globale Markt ermöglicht schnelle Käufe und Verkäufe, auch wenn die Spreads etwas höher sind als bei Gold.

Nachteile

Höhere Volatilität: Das Gold-Silber-Verhältnis schwankt historisch zwischen 15:1 und 100:1. Diese Volatilität macht Silber weniger geeignet als stabiles Wertaufbewahrungsmittel.

Lagerungsherausforderungen: Silber hat eine deutlich geringere Wertdichte als Gold. Ein Vermögen von 100.000 Euro entspricht etwa 4 kg Silber gegenüber 1,8 kg Gold. Dies erschwert diskrete Lagerung und erhöht die Kosten.

Industrielle Abhängigkeit: Die starke industrielle Nachfrage ist Fluch und Segen zugleich. Wirtschaftsabschwünge können die industrielle Nachfrage drastisch reduzieren und den Preis unter Druck setzen.

Korrosionsanfälligkeit: Anders als Gold kann Silber anlaufen und korrodieren, was bei langfristiger Lagerung Wertminderungen zur Folge haben kann.

Alternativen im Vergleich

Im Vergleich über fünf Dimensionen zeigt sich folgendes Bild der wichtigsten Edelmetalle und Sachwerte:

KriteriumSilberGoldPlatinDiamanten
WertstabilitätMittelSehr gutMittelSehr gut
LiquiditätSehr gutExzellentGutBefriedigend
PortabilitätBefriedigendSehr gutGutExzellent
LagerkostenHochMittelMittelNiedrig
KrisenfestigkeitGutSehr gutMittelSehr gut

Gold bleibt der Standard für Vermögensschutz, während Diamanten als Alternative bei entsprechender Expertise hervorragende Eigenschaften bieten – allerdings mit höheren Einstiegshürden.

Für eine umfassende Bewertung verschiedener Alternativen zu ETFs sollten auch andere Sachwerte wie Kunstgegenstände oder seltene Metalle betrachtet werden. Eine detaillierte Gegenüberstellung finden Sie in unserem Vergleichsbereich.

Für wen eignet sich diese Option?

Geeignet für:

Einsteiger in Edelmetalle: Silber ermöglicht den Einstieg in physische Werte ohne hohe Mindestinvestitionen. Die niedrigen Stückelungsgrößen erlauben flexibles Kaufverhalten.

Ergänzung zu Gold: Als Beimischung zu einem goldbasierten Portfolio kann Silber zusätzliche Diversifikation bieten, insbesondere in Phasen industrieller Expansion.

Inflationsschutz-Suchende: Die historische Entwicklung in Inflationsphasen macht Silber für Anleger interessant, die sich gegen Währungsentwertung absichern möchten.

Weniger geeignet für:

Diskrete Vermögensverwahrung: Die geringe Wertdichte macht Silber unpraktisch für Anleger, die große Vermögenswerte diskret lagern möchten.

Reine Krisenvorsorge: Die industrielle Nachfragekomponente kann in Wirtschaftskrisen kontraproduktiv wirken, wenn die Industrie einbricht.

Sehr konservative Anleger: Die höhere Volatilität gegenüber Gold macht Silber weniger geeignet für Anleger, die maximale Stabilität suchen.

Unsere Einschätzung

Silber nimmt eine Sonderstellung unter den Edelmetallen ein. Die Kombination aus monetären und industriellen Eigenschaften bietet Chancen, birgt aber auch spezifische Risiken.

Positive Aspekte: Die strukturell steigende industrielle Nachfrage, insbesondere durch die Energiewende und Digitalisierung, schafft eine fundamentale Preisunterstützung. Die hohe Liquidität und niedrigen Einstiegshürden machen Silber zu einem zugänglichen Edelmetall.

Kritische Punkte: Die höhere Volatilität und die Lagerungsherausforderungen begrenzen Silbers Eignung als primäres Wertaufbewahrungsmittel. Die industrielle Abhängigkeit kann in Rezessionsphasen problematisch werden.

Strategische Einordnung: Silber eignet sich am besten als Ergänzung zu Gold in einem diversifizierten Sachwerte-Portfolio. Ein Anteil von 10-20% des Edelmetall-Portfolios erscheint angemessen – nicht als Ersatz für Gold, sondern als zusätzliche Komponente.

Für vermögende Privatpersonen, die eine umfassende Vermögensschutz-Strategie entwickeln möchten, sollte Silber im Kontext der gesamten Geldanlage-Struktur betrachtet werden. Die Entscheidung hängt letztendlich von Ihren spezifischen Zielen, Ihrer Risikobereitschaft und den verfügbaren Lagerungsmöglichkeiten ab.

Fazit: Silber ist ein interessantes Edelmetall mit spezifischen Stärken, aber kein Allheilmittel. Eine fundierte Analyse Ihrer individuellen Situation ist unerlässlich, bevor Sie Silber in Ihr Portfolio aufnehmen.

Silber in Zahlen (Februar 2026)

KennzahlWert
Aktueller Preis~39 € / Unze
5-Jahres-Entwicklung+180%
Gold-Silber-Ratio~80:1 (historisch: 15-20:1)
MwSt. in Deutschland19% (Gold: 0%)
Typischer Spread3-5% (Gold: 1-2%)

Die häufigsten Fehler beim Silberkauf

Zu große Positionen 100.000 € in Silber = 80 kg Metall. Unpraktisch, teuer zu lagern, schwer zu transportieren.

MwSt. vergessen 19% MwSt. bedeutet: Sie starten mit 19% Verlust. Gold ist davon befreit.

Falsche Produktwahl Sammlermünzen mit hohen Aufschlägen statt Standardprodukte (Maple Leaf, Philharmoniker, Barren).

Unser Rat

  • Bis 50.000 € Edelmetallposition: Silber kann 20-30% ausmachen
  • Darüber: Gold bevorzugen, Silber maximal 10%
  • Ab 500.000 €: Silber wird logistisch unpraktisch

Silber ist ein gutes Ergänzungsmetall – kein Ersatz für Gold.

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Über den Autor

Dr. Katharina Meier

Dr. Katharina Meier

Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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