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Alternativen

Alternative zu Festgeld
Was bringt wirklich mehr?

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Alternativen - Titelbild

Das Festgeld-Problem in Zahlen

Februar 2026. Sie legen 100.000 € für 2 Jahre als Festgeld an:

BankZinssatzNach 2 Jahren
Beste Angebote3,0-3,5%106.000-107.000 €
Durchschnitt2,5%105.000 €
Inflation (geschätzt)3,5% p.a.
Reale Kaufkraft nach 2 Jahren~99.000 €

Sie bekommen nominell mehr Geld zurück – aber kaufen können Sie damit weniger als vorher. Das ist das Kernproblem von Festgeld in Zeiten, in denen die Inflation die Zinsen übersteigt.

Die Frage ist: Was sind die echten Alternativen?

Warum Menschen Festgeld wählen

Bevor wir Alternativen diskutieren, sollten wir verstehen, was Festgeld eigentlich bietet:

  1. Nominale Sicherheit – Sie bekommen Ihr Geld zurück
  2. Planbarkeit – Sie wissen genau, was Sie bekommen
  3. Einlagensicherung – Bis 100.000 € pro Bank staatlich garantiert
  4. Keine Volatilität – Kein Auf und Ab im Depot

Diese Eigenschaften sind real und wertvoll. Die Frage ist, ob Sie sie zu teuer bezahlen.

Die Alternativen im Vergleich

Alternative 1: Tagesgeld (Flexibilität statt Bindung)

KriteriumFestgeld (2 Jahre)Tagesgeld
Zinssatz3,0-3,5%2,5-3,0%
VerfügbarkeitGebundenTäglich
EinlagensicherungJa (100k)Ja (100k)
FlexibilitätKeineMaximal

Wann Tagesgeld besser ist:

  • Sie könnten das Geld früher brauchen
  • Die Zinsdifferenz ist gering (unter 0,5%)
  • Steigende Zinsen erwartet

Wann Festgeld besser ist:

  • Sie sind sicher, dass Sie das Geld nicht brauchen
  • Die Zinsdifferenz ist signifikant (über 1%)
  • Sinkende Zinsen erwartet

Unsere Einschätzung: Für die meisten Menschen ist die Flexibilität von Tagesgeld mehr wert als 0,5% Zusatzrendite. Festgeld lohnt sich nur bei deutlicher Zinsdifferenz UND klarer Nicht-Nutzung des Geldes.

Alternative 2: Geldmarkt-ETFs

Ein Geldmarkt-ETF investiert in kurzfristige Staatsanleihen und Bankeinlagen. Beispiel: Xtrackers EUR Overnight Rate Swap ETF.

KriteriumFestgeldGeldmarkt-ETF
Rendite (aktuell)3,0-3,5%3,5-3,8%
EinlagensicherungJaNein (aber diversifiziert)
Volatilität0%Minimal (unter 0,5% p.a.)
LiquiditätGebundenBörsentäglich
KostenKeine~0,1% p.a.

Vorteile:

  • Oft höhere Rendite als Festgeld
  • Tägliche Liquidität
  • Automatische Anpassung an Zinsniveau

Nachteile:

  • Keine Einlagensicherung (aber sehr geringes Risiko)
  • Depotkosten (oft 0 bei Online-Brokern)
  • Etwas komplexer als Festgeld

Unsere Einschätzung: Für Anleger, die mit einem Depot umgehen können, ist ein Geldmarkt-ETF oft die bessere Wahl als Festgeld. Höhere Rendite, mehr Flexibilität, minimales Zusatzrisiko.

Alternative 3: Kurzlaufende Staatsanleihen

Deutsche Bundesanleihen mit 1-2 Jahren Restlaufzeit.

KriteriumFestgeldBundesanleihe (2J)
Rendite3,0-3,5%2,5-3,0%
SicherheitEinlagensicherungStaatsgarantie
LiquiditätGebundenBörsentäglich
SteuerAbgeltungsteuerAbgeltungsteuer

Vorteile:

  • Höchste Sicherheit (Staatsgarantie, nicht nur 100k)
  • Börsennotiert, jederzeit verkaufbar
  • Keine Bankabhängigkeit

Nachteile:

  • Aktuell niedrigere Rendite als Festgeld
  • Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
  • Komplexer als Festgeld

Unsere Einschätzung: Für Beträge über 100.000 € sind Bundesanleihen sicherer als Festgeld (keine Einlagensicherungs-Grenze). Unter 100.000 € ist Festgeld einfacher.

Alternative 4: Unternehmensanleihen

Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität (Investment Grade).

KriteriumFestgeldUnternehmensanleihe (A-Rating)
Rendite3,0-3,5%4,0-5,0%
SicherheitEinlagensicherungUnternehmensrisiko
Volatilität0%Mittel (5-10%)
LiquiditätGebundenBörsentäglich

Vorteile:

  • Höhere Rendite
  • Zugang über ETFs einfach

Nachteile:

  • Kursrisiko
  • Unternehmensrisiko (Insolvenz möglich)
  • Nicht geeignet für sicherheitsorientierte Anleger

Unsere Einschätzung: Unternehmensanleihen sind keine echte Alternative zu Festgeld – sie haben ein anderes Risikoprofil. Wenn Sie Unternehmensrisiko eingehen wollen, sind Aktien oft die bessere Wahl.

Alternative 5: Dividenden-ETFs

Breit gestreute Aktien-ETFs mit Fokus auf dividendenstarke Unternehmen.

KriteriumFestgeldDividenden-ETF
Erwartete Rendite3,0-3,5%6-8% langfristig
EinkommenskomponenteZinsDividende (~3-4%)
Volatilität0%15-20%
RisikoMinimalAktienmarktrisiko

Vorteile:

  • Höhere langfristige Rendite
  • Inflationsschutz durch Unternehmensgewinne
  • Laufendes Einkommen durch Dividenden

Nachteile:

  • Erhebliche Volatilität (30-50% Verlust in Krisen möglich)
  • Keine Kapitalgarantie
  • Nicht geeignet für kurzfristigen Zeithorizont

Unsere Einschätzung: Dividenden-ETFs sind KEINE Alternative zu Festgeld im klassischen Sinne. Sie sind eine Ergänzung für langfristigen Vermögensaufbau. Wer das Festgeld-Geld in 2-5 Jahren braucht, sollte nicht in Aktien gehen.

Alternative 6: Physisches Gold

KriteriumFestgeldPhysisches Gold
Erwartete Rendite3,0-3,5%0% (kein Zins)
InflationsschutzNeinJa (historisch)
SystemrisikoBankabhängigKeines
Volatilität0%15%

Vorteile:

  • Unabhängig vom Bankensystem
  • Historisch bewährter Werterhalt
  • Steuerfrei nach 1 Jahr Haltedauer

Nachteile:

  • Keine laufenden Erträge
  • Volatilität
  • Lagerung und Versicherung nötig

Unsere Einschätzung: Gold ist keine Rendite-Alternative zu Festgeld. Gold ist eine Versicherung gegen Systemrisiken. Die richtige Frage: "Wie viel meines Vermögens will ich außerhalb des Bankensystems?" – nicht "Gold oder Festgeld?"

Alternative 7: Sachwerte (Diamanten, Kunst, Uhren)

KriteriumFestgeldSachwerte
Erwartete Rendite3,0-3,5%Variabel
LiquiditätGebundenNiedrig
Expertise nötigNeinJa
Minimum1.000 €20.000-50.000 €+

Vorteile:

  • Unabhängig vom Finanzsystem
  • Physischer Besitz
  • Potentiell hohe Wertdichte (Diamanten)

Nachteile:

  • Expertise erforderlich
  • Illiquide
  • Kein laufender Ertrag

Unsere Einschätzung: Sachwerte sind keine Alternative zu Festgeld für kurzfristige Liquidität. Sie sind eine Ergänzung für Vermögensschutz und Diskretion – ein anderer Zweck.

Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an

Die "beste Alternative zu Festgeld" hängt davon ab, was Sie eigentlich wollen:

Sie wollen mehr Rendite bei ähnlicher Sicherheit?

Empfehlung: Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld-Hopping

Realistische Mehrrendite: 0,3-0,8% p.a.

Sie wollen echten Inflationsschutz?

Empfehlung: Mischung aus Aktien-ETF (langfristig) und Gold (kurzfristig)

Aber: Das bedeutet mehr Volatilität akzeptieren.

Sie wollen Unabhängigkeit vom Bankensystem?

Empfehlung: Physische Edelmetalle, eventuell Sachwerte

Aber: Das bedeutet auf laufende Erträge verzichten.

Sie haben über 100.000 € und sorgen sich um die Einlagensicherung?

Empfehlung: Auf mehrere Banken verteilen ODER Bundesanleihen ODER physische Werte

Die strukturelle Lösung

Statt "Festgeld vs. Alternative X" empfehlen wir eine strukturierte Aufteilung:

Für 100.000 € Liquidität

BausteinAnteilZweck
Tagesgeld30.000 €Sofort verfügbar
Festgeld/Geldmarkt-ETF40.000 €Planbare Liquidität
Gold (physisch)20.000 €Systemabsicherung
Aktien-ETF10.000 €Langfristiges Wachstum

Erwartete Gesamtrendite: ~3,5-4% (vs. 3% bei reinem Festgeld) Systemunabhängiger Anteil: 20% Volatilität: Leicht erhöht, aber noch konservativ

Für 500.000 € Liquidität

BausteinAnteilZweck
Tagesgeld (auf 3 Banken)100.000 €Sofort verfügbar
Festgeld/Geldmarkt-ETF150.000 €Planbare Liquidität
Aktien-ETF (global)100.000 €Langfristiges Wachstum
Gold (physisch)100.000 €Systemabsicherung
Diamanten/Sachwerte50.000 €Wertdichte, Diskretion

Erwartete Gesamtrendite: ~4-5% Systemunabhängiger Anteil: 30%

Häufige Fehler bei der Festgeld-Alternative

Fehler 1: Nur auf Zinsen schauen

3,5% klingt gut – bis Sie die Inflation abziehen. Die reale Rendite (Zinsen minus Inflation) ist die Zahl, die zählt.

Fehler 2: Zu viel Risiko für zu wenig Mehrrendite

Für 1% mehr Rendite sein Geld in riskante Unternehmensanleihen stecken? Das Risiko-Rendite-Verhältnis stimmt oft nicht.

Fehler 3: Alles in einer Form

100% Festgeld ist genauso problematisch wie 100% Aktien. Diversifikation gilt auch für "sichere" Anlagen.

Fehler 4: Den falschen Zeithorizont wählen

Aktien als "Festgeld-Alternative" für Geld, das Sie in 2 Jahren brauchen? Das kann schief gehen.

Fazit: Es gibt keine perfekte Alternative

Festgeld hat seinen Platz – für kurzfristige, planbare Liquidität ist es nach wie vor sinnvoll.

Aber als Hauptstrategie für größere Vermögen ist reines Festgeld suboptimal. Die Inflation frisst die Rendite, das Geld ist im Bankensystem gebunden, und über 100.000 € gibt es keine echte Garantie.

Die Lösung: Eine Kombination aus:

  • Kurzfristiger Liquidität (Tagesgeld, Festgeld)
  • Mittelfristigem Wachstum (Aktien-ETF)
  • Systemunabhängiger Absicherung (Gold, Sachwerte)

Die richtige Mischung hängt von Ihrer Situation ab.

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Über den Autor

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Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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