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Alternativen

Alternative zu Aktien
Was wohlhabende Familien anders machen

Dr. Katharina Meier
Dr. Katharina Meier · Leiterin Research & Analyse
Alternativen - Titelbild

Die Frage hinter der Frage

Wer nach "Alternative zu Aktien" sucht, meint meist eines von drei Dingen:

  1. Diversifikation: "Ich habe zu viel in Aktien und will breiter aufstellen"
  2. Risikoreduktion: "Aktien sind mir zu volatil"
  3. Systemunabhängigkeit: "Ich will nicht alles im Finanzsystem haben"

Die Antwort unterscheidet sich je nach Motiv erheblich. Bevor wir Alternativen diskutieren, sollten wir klären: Was genau suchen Sie?

Was Aktien eigentlich sind – und was nicht

Aktien sind Eigentumsanteile an Unternehmen. Sie bieten:

Vorteile:

  • Langfristig höchste Rendite aller liquiden Anlageklassen (~7% p.a. real)
  • Hohe Liquidität
  • Einfacher Zugang
  • Inflationsschutz durch Unternehmensgewinne

Nachteile:

  • Hohe Volatilität (30-50% Drawdowns in Krisen)
  • Korrelation mit Wirtschaftszyklen
  • Abhängig vom Finanzsystem
  • Kein physischer Besitz

Die Frage ist: Welchen Nachteil wollen Sie ausgleichen?

Die echten Alternativen im Überblick

AlternativeRenditeerwartungVolatilitätSystemabhängigkeitLiquidität
Anleihen2-4%NiedrigHochHoch
Immobilien3-6%NiedrigMittelNiedrig
Edelmetalle0-2%MittelNiedrigMittel-Hoch
Sachwerte0-5%VariabelNiedrigVariabel
Private Equity8-15%Nicht messbarHochSehr niedrig
Festgeld2-3%KeineHochMittel

Keine Alternative ist "besser" als Aktien. Jede hat ein anderes Profil. Die Kunst liegt in der richtigen Kombination.

Alternative 1: Anleihen

Was sie bieten

  • Regelmäßige Zinszahlungen
  • Geringere Volatilität als Aktien
  • Definierte Rückzahlung bei Fälligkeit

Was sie NICHT bieten

  • Schutz vor Inflation (bei niedrigen Zinsen)
  • Schutz vor Systemrisiken (Forderung gegen Emittenten)
  • Unabhängigkeit vom Finanzsystem

Unsere Einschätzung

Anleihen sind eine Ergänzung zu Aktien, keine echte Alternative. Sie reduzieren Volatilität, bleiben aber im selben System.

Sinnvoll für: Cashflow-Planung, Volatilitätsreduktion, Ruhestandseinkommen

Nicht sinnvoll für: Inflationsschutz, Systemunabhängigkeit, junge Anleger

Konkrete Zahlen

AnleihentypAktuelle RenditeRisiko
Bundesanleihen (10 Jahre)~2,5%Minimal (nominal)
Investment-Grade Unternehmensanleihen~3,5%Gering
High-Yield Anleihen~6-8%Mittel
Schwellenländer~7-9%Hoch

Das Problem: Bei 3,5% Inflation und 2,5% Rendite verlieren Sie real Kaufkraft.

Alternative 2: Immobilien

Was sie bieten

  • Laufende Mieteinnahmen
  • Inflationsschutz (Sachwert)
  • Steuervorteile (Abschreibungen)
  • Hebelwirkung durch Finanzierung

Was sie NICHT bieten

  • Liquidität (Verkauf dauert Monate)
  • Portabilität
  • Schutz vor staatlichem Zugriff (Grundbuch, Grundsteuer)
  • Einfache Diversifikation

Unsere Einschätzung

Immobilien sind eine legitime Alternative für Rendite und Inflationsschutz. Sie sind keine Alternative für Systemunabhängigkeit oder Krisenschutz.

Sinnvoll für: Cashflow, Steueroptimierung, langfristigen Vermögensaufbau

Nicht sinnvoll für: Liquidität, Portabilität, Diskretion

Konkrete Zahlen

KennzahlTypischer Wert
Brutto-Mietrendite3-5%
Netto-Mietrendite (nach Kosten)2-3,5%
Wertsteigerung (langfristig, real)1-2% p.a.
Kaufnebenkosten10-15%
Typische Haltedauer10-20 Jahre

Der Haken: Bei 12% Kaufnebenkosten brauchen Sie 4-6 Jahre nur zum Ausgleich der Einstiegskosten.

Alternative 3: Edelmetalle (Gold, Silber)

Was sie bieten

  • Physischer Besitz ohne Gegenparteirisiko
  • Jahrtausende bewährter Werterhalt
  • Portabilität (besonders Gold)
  • Unabhängigkeit vom Finanzsystem

Was sie NICHT bieten

  • Laufende Erträge
  • Garantierte Wertsteigerung
  • Schutz vor kurzfristigen Schwankungen

Unsere Einschätzung

Edelmetalle sind keine Rendite-Alternative zu Aktien. Sie sind eine Versicherung gegen Systemrisiken. Die richtige Frage ist nicht "Gold oder Aktien?" sondern "Wie viel Versicherung brauche ich?"

Sinnvoll für: Vermögensschutz, Krisenabsicherung, Portfoliostabilisierung

Nicht sinnvoll für: Vermögensaufbau, Einkommen, kurzfristige Anlage

Konkrete Zahlen

ZeitraumGold (USD)DAX (EUR)S&P 500 (USD)
2000-2025+650%+180%+350%
2008 (Finanzkrise)+4%-40%-37%
2020 (Corona-Crash März)+3%-25%-20%
Korrelation mit Aktien~0.11.0~0.9

Der Punkt: Gold performt schlecht, wenn Aktien gut performen – und gut, wenn Aktien fallen. Das ist genau, was eine Absicherung tun soll.

Alternative 4: Andere Sachwerte

Die Optionen

SachwertVorteileNachteileMinimum
DiamantenHöchste Wertdichte, portabelExpertise nötig, weniger liquide50.000 €
KunstHohe Wertsteigerung möglichSehr illiquide, Fälschungsrisiko100.000 €+
UhrenEtablierter Markt, portabelModezyklisch, Wartung20.000 €
OldtimerEmotionaler Wert, WertsteigerungLagerung, Unterhalt, illiquide50.000 €+
WeinTangibel, sammelbarLagerung kritisch, Expertise10.000 €

Unsere Einschätzung

Sachwerte jenseits von Edelmetallen sind Nischen – oft mit echtem Potential, aber auch mit erheblichen Risiken und Expertise-Anforderungen.

Am sinnvollsten für vermögende Privatpersonen:

  1. Gold (als Basis)
  2. Diamanten (für Wertdichte und Diskretion)
  3. Alles andere: nur mit genuinem Interesse und Expertise

Alternative 5: Private Equity / Beteiligungen

Was sie bieten

  • Zugang zu nicht-börsennotierten Unternehmen
  • Potentiell höhere Renditen
  • Unkorreliert mit öffentlichen Märkten

Was sie NICHT bieten

  • Liquidität (typisch 7-10 Jahre gebunden)
  • Transparenz
  • Kleine Mindestbeträge (meist ab 100.000 €+)

Unsere Einschätzung

Private Equity ist eine Ergänzung für große Portfolios, keine Alternative für normale Anleger. Die Illiquidität und hohen Mindestbeträge machen es für die meisten unpraktikabel.

Sinnvoll für: UHNW mit 5M+ Vermögen, diversifizierte Portfolios

Nicht sinnvoll für: Die meisten Privatanleger

Die richtige Kombination finden

Es gibt keine universelle "Alternative zu Aktien". Es gibt Kombinationen für unterschiedliche Ziele.

Ziel: Volatilität reduzieren

AssetAnteil
Aktien (global)50-60%
Anleihen (Investment Grade)30-40%
Gold10%

Erwartete Volatilität: ~12% (vs. 18% bei 100% Aktien)

Ziel: Systemunabhängigkeit erhöhen

AssetAnteil
Aktien (global)50-60%
Physisches Gold15-20%
Immobilie (schuldenfrei)15-20%
Diamanten (bei größerem Vermögen)5-10%

Systemabhängiger Anteil: ~60% (vs. ~100% bei reinem Aktiendepot)

Ziel: Maximale Krisenfestigkeit

AssetAnteil
Aktien (global)40%
Physisches Gold25%
Immobilie (schuldenfrei)20%
Diamanten/Sachwerte10%
Bargeld/Liquidität5%

Systemabhängiger Anteil: ~40%

Was vermögende Familien tatsächlich tun

In meiner Beratungspraxis sehe ich ein Muster: Je größer das Vermögen, desto mehr Diversifikation über Systeme hinweg.

Typisches 500.000 €-Portfolio:

  • 80% Aktien/ETFs
  • 15% Festgeld/Anleihen
  • 5% evtl. Gold

Typisches 5.000.000 €-Portfolio:

  • 40-50% Aktien/ETFs
  • 10-20% Immobilien
  • 15-20% Alternative (Edelmetalle, Sachwerte)
  • 10-15% Anleihen
  • 5-10% Liquidität
  • 5% Private Equity/Beteiligungen

Der Unterschied: Mit steigendem Vermögen wird Vermögenserhalt wichtiger als Vermögensmehrung. Und echte Diversifikation erfordert Positionen außerhalb des Finanzsystems.

Häufige Fragen

"Soll ich Aktien verkaufen?"

Nicht zwangsläufig. Die Frage ist: Wie viel Ihres Vermögens ist in Aktien, und entspricht das Ihrer Risikotoleranz?

Wenn Sie nachts schlecht schlafen, weil alles in Aktien steckt – dann ist es Zeit für Diversifikation. Aber nicht in Panik, sondern strukturiert.

"Was ist mit Kryptowährungen?"

Krypto ist keine Alternative zu Aktien – es ist eine eigene Anlageklasse mit extremer Volatilität. Für spekulative Zwecke interessant, für Vermögensschutz (noch) nicht etabliert genug.

"Reicht ein Welt-ETF nicht aus?"

Für Vermögensaufbau: Ja, durchaus. Ein Welt-ETF ist eine hervorragende Basis.

Für Vermögensschutz: Nein. Ein ETF ist ein Finanzprodukt, das vom Funktionieren des Finanzsystems abhängt. Für echten Schutz brauchen Sie Positionen außerhalb dieses Systems.

Fazit: Es geht nicht um "entweder oder"

Die Suche nach "der Alternative zu Aktien" ist meist ein Zeichen, dass die eigene Struktur nicht passt. Die Lösung liegt selten im Ersetzen, sondern im Ergänzen.

Ein robustes Portfolio hat:

  • Einen Wachstumskern (Aktien)
  • Einen Stabilitätsanker (Anleihen, Immobilien)
  • Eine Systemabsicherung (Edelmetalle, Sachwerte)
  • Liquiditätspuffer (Bargeld, Festgeld)

Die richtige Mischung hängt von Ihrer Situation ab – Alter, Vermögensgröße, Ziele, Risikobereitschaft.

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Über den Autor

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Leiterin Research & Analyse

Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.

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