Alternativen
Alternative zu Aktien
Was wohlhabende Familien anders machen


Die Frage hinter der Frage
Wer nach "Alternative zu Aktien" sucht, meint meist eines von drei Dingen:
- Diversifikation: "Ich habe zu viel in Aktien und will breiter aufstellen"
- Risikoreduktion: "Aktien sind mir zu volatil"
- Systemunabhängigkeit: "Ich will nicht alles im Finanzsystem haben"
Die Antwort unterscheidet sich je nach Motiv erheblich. Bevor wir Alternativen diskutieren, sollten wir klären: Was genau suchen Sie?
Was Aktien eigentlich sind – und was nicht
Aktien sind Eigentumsanteile an Unternehmen. Sie bieten:
Vorteile:
- Langfristig höchste Rendite aller liquiden Anlageklassen (~7% p.a. real)
- Hohe Liquidität
- Einfacher Zugang
- Inflationsschutz durch Unternehmensgewinne
Nachteile:
- Hohe Volatilität (30-50% Drawdowns in Krisen)
- Korrelation mit Wirtschaftszyklen
- Abhängig vom Finanzsystem
- Kein physischer Besitz
Die Frage ist: Welchen Nachteil wollen Sie ausgleichen?
Die echten Alternativen im Überblick
| Alternative | Renditeerwartung | Volatilität | Systemabhängigkeit | Liquidität |
|---|---|---|---|---|
| Anleihen | 2-4% | Niedrig | Hoch | Hoch |
| Immobilien | 3-6% | Niedrig | Mittel | Niedrig |
| Edelmetalle | 0-2% | Mittel | Niedrig | Mittel-Hoch |
| Sachwerte | 0-5% | Variabel | Niedrig | Variabel |
| Private Equity | 8-15% | Nicht messbar | Hoch | Sehr niedrig |
| Festgeld | 2-3% | Keine | Hoch | Mittel |
Keine Alternative ist "besser" als Aktien. Jede hat ein anderes Profil. Die Kunst liegt in der richtigen Kombination.
Alternative 1: Anleihen
Was sie bieten
- Regelmäßige Zinszahlungen
- Geringere Volatilität als Aktien
- Definierte Rückzahlung bei Fälligkeit
Was sie NICHT bieten
- Schutz vor Inflation (bei niedrigen Zinsen)
- Schutz vor Systemrisiken (Forderung gegen Emittenten)
- Unabhängigkeit vom Finanzsystem
Unsere Einschätzung
Anleihen sind eine Ergänzung zu Aktien, keine echte Alternative. Sie reduzieren Volatilität, bleiben aber im selben System.
Sinnvoll für: Cashflow-Planung, Volatilitätsreduktion, Ruhestandseinkommen
Nicht sinnvoll für: Inflationsschutz, Systemunabhängigkeit, junge Anleger
Konkrete Zahlen
| Anleihentyp | Aktuelle Rendite | Risiko |
|---|---|---|
| Bundesanleihen (10 Jahre) | ~2,5% | Minimal (nominal) |
| Investment-Grade Unternehmensanleihen | ~3,5% | Gering |
| High-Yield Anleihen | ~6-8% | Mittel |
| Schwellenländer | ~7-9% | Hoch |
Das Problem: Bei 3,5% Inflation und 2,5% Rendite verlieren Sie real Kaufkraft.
Alternative 2: Immobilien
Was sie bieten
- Laufende Mieteinnahmen
- Inflationsschutz (Sachwert)
- Steuervorteile (Abschreibungen)
- Hebelwirkung durch Finanzierung
Was sie NICHT bieten
- Liquidität (Verkauf dauert Monate)
- Portabilität
- Schutz vor staatlichem Zugriff (Grundbuch, Grundsteuer)
- Einfache Diversifikation
Unsere Einschätzung
Immobilien sind eine legitime Alternative für Rendite und Inflationsschutz. Sie sind keine Alternative für Systemunabhängigkeit oder Krisenschutz.
Sinnvoll für: Cashflow, Steueroptimierung, langfristigen Vermögensaufbau
Nicht sinnvoll für: Liquidität, Portabilität, Diskretion
Konkrete Zahlen
| Kennzahl | Typischer Wert |
|---|---|
| Brutto-Mietrendite | 3-5% |
| Netto-Mietrendite (nach Kosten) | 2-3,5% |
| Wertsteigerung (langfristig, real) | 1-2% p.a. |
| Kaufnebenkosten | 10-15% |
| Typische Haltedauer | 10-20 Jahre |
Der Haken: Bei 12% Kaufnebenkosten brauchen Sie 4-6 Jahre nur zum Ausgleich der Einstiegskosten.
Alternative 3: Edelmetalle (Gold, Silber)
Was sie bieten
- Physischer Besitz ohne Gegenparteirisiko
- Jahrtausende bewährter Werterhalt
- Portabilität (besonders Gold)
- Unabhängigkeit vom Finanzsystem
Was sie NICHT bieten
- Laufende Erträge
- Garantierte Wertsteigerung
- Schutz vor kurzfristigen Schwankungen
Unsere Einschätzung
Edelmetalle sind keine Rendite-Alternative zu Aktien. Sie sind eine Versicherung gegen Systemrisiken. Die richtige Frage ist nicht "Gold oder Aktien?" sondern "Wie viel Versicherung brauche ich?"
Sinnvoll für: Vermögensschutz, Krisenabsicherung, Portfoliostabilisierung
Nicht sinnvoll für: Vermögensaufbau, Einkommen, kurzfristige Anlage
Konkrete Zahlen
| Zeitraum | Gold (USD) | DAX (EUR) | S&P 500 (USD) |
|---|---|---|---|
| 2000-2025 | +650% | +180% | +350% |
| 2008 (Finanzkrise) | +4% | -40% | -37% |
| 2020 (Corona-Crash März) | +3% | -25% | -20% |
| Korrelation mit Aktien | ~0.1 | 1.0 | ~0.9 |
Der Punkt: Gold performt schlecht, wenn Aktien gut performen – und gut, wenn Aktien fallen. Das ist genau, was eine Absicherung tun soll.
Alternative 4: Andere Sachwerte
Die Optionen
| Sachwert | Vorteile | Nachteile | Minimum |
|---|---|---|---|
| Diamanten | Höchste Wertdichte, portabel | Expertise nötig, weniger liquide | 50.000 € |
| Kunst | Hohe Wertsteigerung möglich | Sehr illiquide, Fälschungsrisiko | 100.000 €+ |
| Uhren | Etablierter Markt, portabel | Modezyklisch, Wartung | 20.000 € |
| Oldtimer | Emotionaler Wert, Wertsteigerung | Lagerung, Unterhalt, illiquide | 50.000 €+ |
| Wein | Tangibel, sammelbar | Lagerung kritisch, Expertise | 10.000 € |
Unsere Einschätzung
Sachwerte jenseits von Edelmetallen sind Nischen – oft mit echtem Potential, aber auch mit erheblichen Risiken und Expertise-Anforderungen.
Am sinnvollsten für vermögende Privatpersonen:
- Gold (als Basis)
- Diamanten (für Wertdichte und Diskretion)
- Alles andere: nur mit genuinem Interesse und Expertise
Alternative 5: Private Equity / Beteiligungen
Was sie bieten
- Zugang zu nicht-börsennotierten Unternehmen
- Potentiell höhere Renditen
- Unkorreliert mit öffentlichen Märkten
Was sie NICHT bieten
- Liquidität (typisch 7-10 Jahre gebunden)
- Transparenz
- Kleine Mindestbeträge (meist ab 100.000 €+)
Unsere Einschätzung
Private Equity ist eine Ergänzung für große Portfolios, keine Alternative für normale Anleger. Die Illiquidität und hohen Mindestbeträge machen es für die meisten unpraktikabel.
Sinnvoll für: UHNW mit 5M+ Vermögen, diversifizierte Portfolios
Nicht sinnvoll für: Die meisten Privatanleger
Die richtige Kombination finden
Es gibt keine universelle "Alternative zu Aktien". Es gibt Kombinationen für unterschiedliche Ziele.
Ziel: Volatilität reduzieren
| Asset | Anteil |
|---|---|
| Aktien (global) | 50-60% |
| Anleihen (Investment Grade) | 30-40% |
| Gold | 10% |
Erwartete Volatilität: ~12% (vs. 18% bei 100% Aktien)
Ziel: Systemunabhängigkeit erhöhen
| Asset | Anteil |
|---|---|
| Aktien (global) | 50-60% |
| Physisches Gold | 15-20% |
| Immobilie (schuldenfrei) | 15-20% |
| Diamanten (bei größerem Vermögen) | 5-10% |
Systemabhängiger Anteil: ~60% (vs. ~100% bei reinem Aktiendepot)
Ziel: Maximale Krisenfestigkeit
| Asset | Anteil |
|---|---|
| Aktien (global) | 40% |
| Physisches Gold | 25% |
| Immobilie (schuldenfrei) | 20% |
| Diamanten/Sachwerte | 10% |
| Bargeld/Liquidität | 5% |
Systemabhängiger Anteil: ~40%
Was vermögende Familien tatsächlich tun
In meiner Beratungspraxis sehe ich ein Muster: Je größer das Vermögen, desto mehr Diversifikation über Systeme hinweg.
Typisches 500.000 €-Portfolio:
- 80% Aktien/ETFs
- 15% Festgeld/Anleihen
- 5% evtl. Gold
Typisches 5.000.000 €-Portfolio:
- 40-50% Aktien/ETFs
- 10-20% Immobilien
- 15-20% Alternative (Edelmetalle, Sachwerte)
- 10-15% Anleihen
- 5-10% Liquidität
- 5% Private Equity/Beteiligungen
Der Unterschied: Mit steigendem Vermögen wird Vermögenserhalt wichtiger als Vermögensmehrung. Und echte Diversifikation erfordert Positionen außerhalb des Finanzsystems.
Häufige Fragen
"Soll ich Aktien verkaufen?"
Nicht zwangsläufig. Die Frage ist: Wie viel Ihres Vermögens ist in Aktien, und entspricht das Ihrer Risikotoleranz?
Wenn Sie nachts schlecht schlafen, weil alles in Aktien steckt – dann ist es Zeit für Diversifikation. Aber nicht in Panik, sondern strukturiert.
"Was ist mit Kryptowährungen?"
Krypto ist keine Alternative zu Aktien – es ist eine eigene Anlageklasse mit extremer Volatilität. Für spekulative Zwecke interessant, für Vermögensschutz (noch) nicht etabliert genug.
"Reicht ein Welt-ETF nicht aus?"
Für Vermögensaufbau: Ja, durchaus. Ein Welt-ETF ist eine hervorragende Basis.
Für Vermögensschutz: Nein. Ein ETF ist ein Finanzprodukt, das vom Funktionieren des Finanzsystems abhängt. Für echten Schutz brauchen Sie Positionen außerhalb dieses Systems.
Fazit: Es geht nicht um "entweder oder"
Die Suche nach "der Alternative zu Aktien" ist meist ein Zeichen, dass die eigene Struktur nicht passt. Die Lösung liegt selten im Ersetzen, sondern im Ergänzen.
Ein robustes Portfolio hat:
- Einen Wachstumskern (Aktien)
- Einen Stabilitätsanker (Anleihen, Immobilien)
- Eine Systemabsicherung (Edelmetalle, Sachwerte)
- Liquiditätspuffer (Bargeld, Festgeld)
Die richtige Mischung hängt von Ihrer Situation ab – Alter, Vermögensgröße, Ziele, Risikobereitschaft.
Weiterführende Artikel
Über den Autor

Dr. Katharina Meier
Leiterin Research & Analyse
Die promovierte Finanzökonomin bringt analytische Strenge in die Bewertung von Sachwerten ein.
Bereit für den nächsten Schritt?
Ein unverbindliches Gespräch zeigt, ob und wie wir Ihnen helfen können.
Gespräch anfragen